Christian Pravda

Christian Pravda (* 8. März 1927 in Kufstein; † 11. November 1994 in Kitzbühel) war ein österreichischer Skirennläufer. Pravda war Mitglied des so genannten Wunderteams, das Fred Rößner Anfang der 1950er Jahre aus der österreichischen Skinationalmannschaft geformt hatte. Er galt dabei als exzellenter Allrounder. 1954 wurde er Weltmeister in der Abfahrt.

Pravda begann bereits früh mit dem Skisport und wurde 1937 Mitglied im Kitzbüheler Ski Club. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges schaffte er recht schnell den Anschluss an die österreichische Spitze. Seine ersten Erfolge feierte er 1947 in Kitzbühel, als er mit einem Sieg im Slalom und Rang drei in der Abfahrt die Hahnenkamm-Kombination gewann. Diese Leistungen ermöglichten ihm auch eine Teilnahme bei den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz. Dort startete er nur im Slalom, konnte diesen aber nicht beenden. 1948 gewann er den Riesenslalom auf der Zugspitze, im folgenden Winter blieb er jedoch ohne Sieg und erreichte als bestes Ergebnis den dritten Platz in der Kombination von Sterzing.
Bei der Weltmeisterschaft 1950 in Aspen war sein bestes Resultat Rang fünf in der Abfahrt. Bei den anschließenden Nordamerika-Rennen feierte der Tiroler wieder mehrere Siege und gewann beide Slaloms und Kombinationen in Stowe. 1951 gewann Pravda mit Siegen in Slalom und Abfahrt zum zweiten Mal die Hahnenkamm-Kombination und erreichte dabei auf der Streif als Erster eine Fahrzeit unter drei Minuten. Auch die Zusatzabfahrt entschied er für sich und ist damit der bisher Einzige, der vier Hahnenkammsiege in einer Saison feiern konnte. Ein weiterer Saisonsieg gelang dem Tiroler im Slalom von Garmisch-Partenkirchen, bei der Arlberg-Kandahar-Abfahrt in Sestriere wurde er Zweiter. 1951 wurde er auch dreifacher Österreichischer Meister im Slalom, im Riesenslalom und in der Kombination.
Im Jahr 1952 gewann Pravda seine ersten Medaillen bei Großereignissen. Bei den Olympischen Winterspielen in Oslo holte er die Silbermedaille im Riesenslalom und die Bronzene in der Abfahrt. Nur im Slalom musste er sich nach schweren Fehlern mit Rang 29 begnügen. Saisonsiege feierte er unter anderem in der Abfahrt von Bad Gastein; in der Arlberg-Kandahar-Kombination in Chamonix wurde er Zweiter. Bei den Österreichischen Meisterschaften 1952 holte er in Slalom und Riesenslalom zwei weitere Titel. Im Winter 1953 gelangen ihm seine größten Erfolge bei den Nordamerika-Rennen: In Stowe gewann er Slalom und Riesenslalom, in Sun Valley siegte er in der Abfahrt und Kombination des Harriman Cups und in Sugar Bowl gewann er den Riesenslalom des Silver Belt.
Im Winter 1953/54 siegte Pravda sowohl bei den Hahnenkammrennen in Kitzbühel als auch am Lauberhorn in Wengen in der Abfahrt und der Kombination. Er gewann auch die Österreichischen Meisterschaften in Abfahrt und Kombination. Zu seinen zahlreichen weiteren Saisonerfolgen zählten unter anderem der Slalom des Arlberg-Kandahar-Rennens in Garmisch sowie die Siege in den beiden Riesenslaloms und der Kombination der 3-Tre-Rennen auf der Marmolata. Zum Höhepunkt seiner Karriere wurde die Weltmeisterschaft 1954 im schwedischen Åre. Zwar verfehlte er zunächst mit Platz vier im Slalom knapp das Podest und kam im Riesenslalom nur auf Rang 14, siegte dann aber in der Abfahrt mit über zwei Sekunden Vorsprung auf seinen Landsmann Martin Strolz und erreichte somit auch noch die Silbermedaille in der Kombination. Pravda wurde damit der zweite österreichische Abfahrtsweltmeister nach Franz Zingerle 1935.
Im nächsten Winter erlitt seine Karriere jedoch einen schweren Rückschlag. Nachdem er für Werbeaufnahmen einer französischen Skifirma Modell gestanden hatte, und damit gegen die Amateurregeln verstieß, wurde er für ein Jahr gesperrt und versäumte auch die Olympischen Spiele 1956. Danach feierte er vor allem bei den Rennen in Nordamerika Erfolge. 1956 gewann Pravda in Sun Valley, wo er mittlerweile lebte und als Skilehrer tätig war, Abfahrt, Slalom und Kombination des Harriman Cups sowie den Riesenslalom des Silver Belt. Ein Jahr später konnte er die Siege im Silver Belt sowie in Slalom und Kombination des Harriman Cups wiederholen und gewann darüber hinaus den Slalom in Squaw Valley sowie Abfahrt und Kombination in Aspen. Auch 1958 gelangen ihm mehrere Siege und er wurde zum dritten Mal Österreichischer Meister im Slalom, eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft war ihm aber nicht möglich. Die letzten Siege bei Amateurrennen feierte er 1959 im Riesenslalom von Squaw Valley und mit einem erneuten Dreifacherfolg in Slalom, Abfahrt und Kombination beim Harriman Cup in seiner Wahlheimat Sun Valley. Danach nahm er an den amerikanischen Profirennen teil und feierte auch dort einige Erfolge. 1963 wurde er inoffizieller Profi-Weltmeister.
Seine Skilehrertätigkeit in den Vereinigten Staaten führte Pravda weiter fort und unterrichtete dabei zahlreiche Prominente aus den USA und aller Welt. Anfang der 1970er Jahre kehrte er nach Österreich zurück und war einige Jahre als Servicemann einer Skifirma tätig. 1994 verstarb Pravda im Alter von 67 Jahren in Kitzbühel an den Folgen eines Herzinfarktes. Er wurde auf dem Stadtfriedhof Kitzbühel beigesetzt.
Christian Pravda wurde achtfacher Österreichischer Meister:
1931: Walter Prager | 1932: Gustav Lantschner | 1933: Walter Prager | 1934: David Zogg | 1935: Franz Zingerle | 1936: Rudolf Rominger | 1937: Émile Allais | 1938: James Couttet | 1939: Hellmut Lantschner | 1948: Henri Oreiller | 1950: Zeno Colò | 1952: Zeno Colò | 1954: Christian Pravda | 1956: Toni Sailer | 1958: Toni Sailer | 1960: Jean Vuarnet | 1962: Karl Schranz | 1964: Egon Zimmermann | 1966: Jean-Claude Killy | 1968: Jean-Claude Killy | 1970: Bernhard Russi | 1972: Bernhard Russi | 1974: David Zwilling | 1976: Franz Klammer | 1978: Josef Walcher | 1980: Leonhard Stock | 1982: Harti Weirather | 1985: Pirmin Zurbriggen | 1987: Peter Müller | 1989: Hansjörg Tauscher | 1991: Franz Heinzer | 1993: Urs Lehmann | 1996: Patrick Ortlieb | 1997: Bruno Kernen | 1999: Hermann Maier | 2001: Hannes Trinkl | 2003: Michael Walchhofer | 2005: Bode Miller | 2007: Aksel Lund Svindal | 2009: John Kucera | 2011: Erik Guay | 2013: Aksel Lund Svindal | 2015: Patrick Küng

Notarium

Das Notarium ist ein Knochenstab, der durch eine Gruppe verschmolzener Brustwirbel gebildet wird. Diese Struktur ist für verschiedene Gruppen der Vögel und für einige Flugsaurier (Pterosauria) charakteristisch.
Das Notarium dient der Stabilisierung der Rumpfwirbelsäule, um den beim Flügelschlag auftretenden Kräften einen möglichst rigiden Rumpf entgegenzusetzen. Bei Vögeln besteht das Notarium aus 2 bis 6 Brustwirbeln und ist meist durch bis zu vier freie, nichtverschmolzene Brustwirbel vom Kreuzbein (Sacrum) getrennt. Bei manchen Gattungen, so bei einigen Tauben und Steißhühnern, artikuliert es jedoch direkt mit dem Kreuzbein, wobei freie Brustwirbel gänzlich fehlen. Sehr stark ausgeprägt ist das Notarium bei dem Flugsaurier Pteranodon, bei dem die ersten 8 Rückenwirbel miteinander verschmolzen sind.
Das Notarium tritt bei verschiedenen Gruppen der Vögel auf, so bei den Steißhühnern (Tinamidae), den Lappentauchern (Podicipedidae), den Kormoranen (Phalacrocoracidae), den Ibissen und Löfflern (Threskiornithidae), den Flamingos (Phoenicopteridae), den Falkenartigen (Falconidae), den Hühnervögeln (Galliformes), den Kranichen (Gruidae), dem Rallenkranichen (Aramidae), den Trompetervögeln (Psophiidae), den Kagus (Rhynochetidae), den Sonnenrallen (Eurypygidae), den Stelzenrallen (Mesitornithidae), den Flughühnern (Pteroclididae), den Tauben (Columbidae), dem Hoatzin (Opisthocomus) sowie dem Fettschwalm (Steatornis).
Ein Notarium findet sich außerdem bei abgeleiteten Vertretern der Kurzschwanzflugsaurier (Pterodactyloidea), fehlt aber bei basalen Vertretern dieser Gruppe sowie bei allen basalen, langschwänzigen Flugsauriern.

Geschichte des Senats der Vereinigten Staaten

Die Geschichte des Senats ist die Geschichte einer der beiden Kammern des Kongresses, dem Parlament der Vereinigten Staaten. Sie beginnt mit der Ratifikation der Verfassung am 4. März 1789.
Der Senat entstand vor allem aus zwei verschiedenen Erwägungen. Zum einen sollte er, ähnlich dem britischen House of Lords, eine stabilisierende und mäßigende Wirkung auf die Legislative und das gesamte politische System der Vereinigten Staaten ausüben. Zum anderen setzten die kleineren Bundesstaaten durch, dass im Senat jeder Staat durch die gleiche Anzahl von Senatoren vertreten wird. Ihre Hoffnung, dadurch direkten Einfluss auf die politische Zentralgewalt zu gewinnen, zerschlug sich jedoch schnell.
In der Geschichte des amerikanischen Kongresses unterschieden ihn vom Repräsentantenhaus zum einen seine andere Zusammensetzung, die kleineren Staaten ein größeres Gewicht gab als im House, zum anderen in formelleren Regeln und die damit verbundene größere Freiheit für einzelne Senatoren, die ursprünglich daraus resultierte, dass es eine Kammer der Deliberation und nicht des politischen Handelns werden sollte.
Nachdem er in den frühen Jahren klar die weniger prestigeträchtige und faktisch weniger mächtige Kammer war, drehte sich diese Reihenfolge seit dem frühen 19. Jahrhundert. Durch die Auseinandersetzungen mit Präsident Andrew Jackson gewann der Senat eigenes Profil. In den Jahren vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg war er das wichtigste Diskussionsforum zwischen den sklavenhaltenden Südstaaten und den abolitionistischen Nordstaaten. Wichtige Kompromisse der damaligen Zeit wie der Missouri-Kompromiss oder der Kompromiss von 1850 wurden primär im Senat ausgehandelt.
Nach dem Bürgerkrieg sorgte allerdings die Liberalität der internen Geschäftsordnung dafür, dass die im so genannten Gilded Age weit verbreitete politische Korruption sich im Senat besonders einfach ausbreiten konnte. Wichtige Reformen des frühen 20. Jahrhunderts wie die Einführung der Direktwahl der Senatoren durch den 17. Zusatzartikel zur Verfassung, die erstmalige Möglichkeit, eine Debatte durch Mehrheitsbeschluss zu beenden, oder die Möglichkeit, professionelle Mitarbeiter einzustellen, sorgten für eine nachhaltige Modernisierung des Senats.
In den folgenden Jahrzehnten nahm er so immer wieder eine wichtige Rolle im politischen System ein. Er verhinderte den Beitritt der Vereinigten Staaten zum Völkerbund, im Senat hatte Joseph McCarthy seine Machtbasis, ebenso wie die großen parlamentarischen Debatten zu den Civil Rights Acts hier stattfanden.
Im Senat wurden insgesamt drei Impeachment-Verfahren gegen Präsidenten verhandelt. Während der Senat Andrew Johnson 1868 und Bill Clinton 1998 freisprach, trat Richard Nixon 1974 vor Verfahrensende zurück, um der wahrscheinlichen Amtsenthebung zu entgehen.

Der Senat entstand zusammen mit der Verfassung und den anderen politischen Institutionen der Vereinigten Staaten auf der Philadelphia Convention 1787. Die Verfassung trat am 4. März 1789 durch die Ratifikation in den einzelnen Bundesstaaten in Kraft. Sie machte aus dem vorher existierenden Staatenbund einen Bundesstaat und schuf eine wesentlich ausgeprägtere Zentralgewalt als vorher vorhanden, in der der Senat ein wichtiges Element werden sollte.
Der Senat löste zusammen mit dem Repräsentantenhaus den Kontinentalkongress ab, der seit dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg die einzige Zentralgewalt der Vereinigten Staaten bildete. Der Kontinentalkongress war ein Einkammernparlament, in dem jeder Staat eine Stimme hatte. Ihm standen weder Exekutive noch Judikative zur Seite, ebenso hatte er keinen Einfluss auf wichtige Bereiche der Wirtschaftspolitik wie Steuergesetze oder die Einfuhrzölle zwischen den verschiedenen Mitgliedsstaaten. Die Staaten maßen der zentralen Regierung nur eine geringe Bedeutung zu und entsandten oft erst gar keine Abgeordneten, so dass der Kongress für lange Zeiträume beschlussunfähig blieb.
Insbesondere in wirtschaftlichen Fragen führte dies früh zu Problemen, da der Handel zwischen den Staaten so verkompliziert wurde. Der Senat in seiner Form entstand als Kompromiss zwischen den Vertretern einer starken Zentralgewalt mit einer starken Legislative und den Vertretern von weitgehend unabhängigen Bundesstaaten, die durch ihn ihren Einfluss auf gesamtstaatlicher Ebene sichern wollten.
Die 55 Verfassungsväter gingen bei ihren Planungen größtenteils von einem Zweikammerparlament aus, wie sie ihn im Virginia-Plan darlegten. Abgesehen von Pennsylvania hatten zu diesem Zeitpunkt bereits alle Mitgliedsstaaten der Konföderation ein Zweikammerparlament. Neben dem offensichtlichen Beispiel vor ihrer Haustür hat die englische Tradition mit dem House of Lords und dem House of Commons die Verfassungsväter inspiriert; sowohl Alexander Hamilton als auch John Adams hielten erklärtermaßen das britische Regierungssystem für ein Vorbild, dem es nachzueifern galt. Zum anderen sahen sie es als notwendigen Ausgleich innerhalb der Legislative. Da die Verfassungsväter annahmen, dass die Legislative das dominierende Element im politischen System werden würde, meinten sie, dass die gewöhnliche Gewaltenteilung nicht ausreiche, und wollten zwei Elemente in der Legislative. James Madison begründete es in Federalist Nr. 51:
“In republican government the legislative power necessarily predominates. The remedy for this inconvenience is to divide the legislature into different branches; and to render them, by different modes of election and different principles of action, as little connected with each other as the nature of their common functions dependence on the society will admit.”
„In einer republikanischen Staatsform dominiert die Legislative notwendigerweise. Das Gegenmittel für diese Unbequemlichkeit ist es die Legislative in verschiedene Teile aufzuteilen, und sie, durch verschiedene Wahlverfahren und verschiedene Handlungsprinzipien, so wenig miteinander verbunden zu halten, wie es die Natur ihrer Abhängigkeit ihrer gemeinsamen Funktionen von der Gesellschaft erlaubt.“
Dem Senat kam in diesem Konzept die Rolle einer stabilisierenden und kontrollierenden Kammer zu, die sich am britischen Oberhaus, dem House of Lords, orientierte. Er stand damit im Gegensatz zum Repräsentantenhaus, dass die Volksmeinung und den Volkswillen direkt widerspiegeln sollte. Während das Repräsentantenhaus exklusive Rechte bekam, in denen es aktiv werden konnte – das alleinige Initiativrecht bei Finanzgesetzen und die Möglichkeit, ein Impeachment-Verfahren zu starten – lagen die exklusiven Rechte des Senats in kontrollierenden Bereichen: er entscheidet bei Impeachment-Verfahren und seine Zustimmung ist notwendig, wenn der Präsident völkerrechtliche Verträge schließt oder Stellen besetzen will.
Diese Unterscheidung setzte sich in der anvisierten Mitgliedschaft fort. Sie sollte, dem Delegierten John Dickinson aus Pennsylvania zufolge:
“consist of the most distinguished characters, distinguished for their rank in life and their weight of property, and bearing as strong a likeness to the British House of Lords as possible.”
„aus den ausgezeichnetsten Persönlichkeiten bestehen; ausgezeichnet für ihre Position im Leben und das Gewicht ihres Eigentums und [der Senat] sollte dem Britischen House of Lords so ähnlich sein wie möglich.“
Senatoren mussten älter sein als Abgeordnete im Repräsentantenhaus (mindestens 30 Jahre im Gegensatz zu mindestens 25 Jahren), länger die amerikanische Staatsbürgerschaft haben (neun Jahre im Gegensatz zu sieben), ihre Amtszeit ist mit sechs Jahren dreimal so lang wie die der Repräsentanten und sie wurden damals nicht direkt gewählt, sondern von den jeweiligen Parlamenten der Bundesstaaten ernannt; unter anderem sollten sie so den Strömungen und Stimmungen der Tagespolitik entzogen werden. Die Namensgebung orientiert sich daran: Während das House die Bevölkerung repräsentieren sollte, sollte der Senat für Tradition und Kontinuität der Republik stehen, die Verfassungsväter benannten ihn nach dem Römischen Senat.
Die Tatsache, dass im Senat die Staaten alle durch zwei Abgeordnete ohne die geringste Rücksicht auf die Bevölkerungszahl der Staaten vertreten werden, entsprang weniger politisch-philosophischen Überlegungen, sondern war eine Konzession an die kleinen Staaten, damit diese der Verfassung zustimmten. Am Anfang der Verhandlungen waren die Delegierten der kleinen Staaten mit dem New-Jersey-Plan in die Verhandlungen gegangen, der eine Kammer mit je einem Sitz pro Staat vorsah.
Während der Philadelphia Convention einigte man sich auf den Connecticut-Kompromiss, der sich in der Gestaltung des Senats weitgehend an dem im New-Jersey-Plan angestrebten Parlament orientierte. Trotz erheblichen Widerstands – unter anderem waren Hamilton, Benjamin Franklin, George Washington und James Wilson gegen den Plan – konnten sich die kleineren Staaten letztlich durchsetzen. Sie drohten zwischenzeitlich, sich ausländische Mächte als Verbündete zu suchen, sollten sie keinen Erfolg haben. Die entscheidende Abstimmung erfolgte nach Staaten, so dass die Befürworter einer gleichen Repräsentation sich durchsetzen konnten, obwohl sie trotz aller Drohungen und Verhandlungen immer noch weniger Einwohner repräsentierten als die Gegner.
Sowohl James Madison als auch der Delegierte Gunning Bedford Jr. aus dem kleinsten Staat Delaware gaben unumwunden zu, dass es keine systematische Begründung für diese Sitzverteilung gab, sondern dies einfach Realpolitik war. Madison beschrieb es in Federalist 62 als
“[I]t is superfluous to try, by the standard of theory, a part of the Constitution which is allowed on all hands to be the result, not of theory, but ‘of a spirit of amity, and that mutual deference and concession which the peculiarity of our political situation rendered indispensable.’”
„Der Versuch ist überflüssig, einen Teil der Verfassung theoretisch zu rechtfertigen, der nicht aus Theorie resultierte, sondern aus einem Geist von Freundschaft, gemeinsamer Ehrerbietung und Zugeständnissen, die die besondere Lage unser Position unabdingbar machten.“
Gunning rechtfertigte sich:
“Can it be expected that the small states will act from pure disinterestedness? Are we to act with greater purity than the rest of mankind? ”
„Kann man erwarten, dass die kleinen Staaten aus reinem Desinteresse handeln? Müssen wir selbstloser handeln als der Rest der Menschheit?“
Dabei hat sich das Missverhältnis zwischen Einwohnerzahl und Vertretung im Parlament seit der Senatsgründung noch verstärkt. Hatte damals der größte Staat Virginia das zwölffache der Bevölkerung des kleinsten Delaware, so hat heute Kalifornien etwa siebzig mal so viele Einwohner wie Wyoming. 1790 konnten theoretisch 30 % der amerikanischen Bevölkerung eine Senatsmehrheit wählen, heute sind es 17 %.
Der Senat traf sich zu seiner ersten Sitzung am 4. März 1789 in der Federal Hall in New York City. Er erreichte die für die Beschlussfähigkeit notwendige Anzahl Senatoren am 6. April desselben Jahres. Am 6. Dezember 1790 zog er in die Congress Hall nach Philadelphia um, wo er tagen sollte, bis die neue Hauptstadt Washington, D.C. errichtet war. Am 17. Dezember 1800 zog er schließlich an seinen neuen Sitz, den Nordflügel des Kapitols in Washington, wo er bis heute tagt.
Die genaue Stellung, die Aufgaben und die Arbeitsweise des Senats waren anfangs weder den Senatoren selbst noch den anderen Akteuren im politischen System vollkommen klar. Von ihm ging weit weniger Initiative in der Gesetzgebung aus als vom klarer definierten House, und in den ersten Jahren lag das Prestige der Senatoren deutlich hinter dem der Repräsentanten oder auch nur hinter dem der Abgeordneten in den Staatslegislativen. Die Bezahlung war für das vergleichsweise teure Leben in Philadelphia eher schlecht und, aufgrund der bescheidenen Reisemöglichkeiten im 18. Jahrhundert, bedeutete die Senatsernennung lange Monate der Trennung von der Familie. Viele Senatoren zogen es daher vor, im Frühjahr und Sommer nicht an den Sitzungen teilzunehmen – die gesamten 1790er hindurch fehlte etwa ein Viertel der Senatoren bei diesen Sitzungen. Rücktritte kamen so häufig vor, dass etwa ein Drittel der Senatoren ihre Amtszeit freiwillig frühzeitig beendeten.
Die Bundesstaaten hofften durch die direkt entsendeten Senatoren eine Stimme auf Bundesebene zu haben: allerdings fehlten ihnen dazu die Kontrollmöglichkeiten, so dass die Senatoren von Anfang an relativ unabhängig agieren konnten. Die Bundesstaaten konnten – anders als beim Kontinentalkongress – die Senatoren nicht ihres Amtes entheben. Auch die Möglichkeit, ihnen die Wiederwahl zu verweigern, hatte nur geringe praktische Konsequenzen: die Amtszeit der Senatoren war länger als die der Parlamente auf bundesstaatlicher Ebene, so dass ein anweisendes Parlament schon nicht mehr in dieser Zusammensetzung existieren konnte, wenn es um die Wiederwahl des Senators ging.
Die Senatoren selbst mussten sich ihr Selbstverständnis erst erarbeiten, da die Verfassung ihre Rolle offen definiert hatte: sie konnten Vertreter der Bundesstaaten sein, wie diese hofften; sie konnten eine Klasse bürgerlichen Wohlstands vertreten, wie es die intendierte Zusammensetzung des Gremiums nahelegte; ein erweitertes Beratergremium für den Präsidenten sein, wie es die Exklusivrechte des Senats nahelegten, oder eine Gruppe elder statesman, die unangetastet vom Tagesgeschäft berieten.
Weitgehend unklar war auch die Rolle des Vizepräsidenten: Offiziell der Präsident des Senats, war er doch kein reguläres Mitglied; er hatte zwar im Fall eines Patts die entscheidende Stimme, bei allen anderen Abstimmungen jedoch gar kein Stimmrecht. Während frühe Vizepräsidenten noch aktiv Gesetze entwarfen und sich an den Debatten beteiligten, begann der Senat schnell, den parlamentarischen Außenseitern diese Rechte zu nehmen und die Rolle des Senatspräsidenten zu einer vor allem formalen herabzustufen.
Der erste Vizepräsident der Vereinigten Staaten, John Adams, besuchte die Senatssitzungen noch regelmäßig. Sein übertrieben formeller Auftritt und seine Neigungen, im Plenum Vorlesungen zu verfassungsrechtlichen Fragen zu halten, machten ihn jedoch eher zum Gespött der Senatoren, so dass er kaum einen Machtfaktor darstellte. Der Senat zwang Adams schließlich, sich stärker zurückzuhalten. Die Senatoren setzten eine Resolution auf die Tagesordnung, die Adams in allen Angelegenheiten bis auf Geschäftsordnungsfragen das Rederecht entzogen hätte. Adams verstand und hielt sich zurück, so dass die Resolution nicht verabschiedet werden musste.
Sollte der Senat eigentlich das kontrollierende Gremium sein, das einen mäßigenden Einfluss der Entschleunigung ausübte, verhielt es sich in den frühen Jahren der Vereinigten Staaten umgekehrt. Die großen Duelle zwischen Exekutive und Legislative fanden im Repräsentantenhaus statt; sowohl Hamiltons Initiative zum Aufbau der Bank of the United States als auch die Assumption Bill mussten erst vehemente Opposition im Repräsentantenhaus überwinden, während der Senat sie schnell und unkompliziert verabschiedete.
Der Senat verstand sich anfangs als ein geheim tagendes Gremium, das nur gelegentlich einen Bericht über seine Tätigkeiten veröffentlichte. Die erste offizielle Entscheidung des Senats überhaupt war es, einen Türsteher einzustellen. In den ersten fünf Jahren veröffentlichte der Senat nicht einmal Sitzungsprotokolle. Seit 1794 tagte der Senat öffentlich. Die Presse allerdings zeigte in diesen frühen Jahren auch noch wenig Interesse, sich mit Senatsangelegenheiten zu beschäftigen, die an Bedeutung und auch an Spannung weit hinter denen des Repräsentantenhauses zurückstanden.
Thomas Jefferson begann als Vizepräsident 1797 den noch heute maßgeblichen Stil der Vizepräsidenten im Umgang mit dem Senat zu entwickeln. Er besuchte die Sitzungen nur noch unter besonderen Umständen. Jefferson verfasste Jefferson’s Manual, die stringenteste und umfassendste Sammlung zur damaligen parlamentarischen Praxis. Ursprünglich für den Senat geschrieben, ergänzt es noch heute die geschriebene Geschäftsordnung des Repräsentantenhauses.
Bis 1809 hatte sich ein einigermaßen stabiles Ausschusssystem entwickelt, seit 1816 gibt es ständige Ausschüsse in der heutigen Form. In den Periode vor dem Sezessionskrieg begannen die Parteien erstmals, spürbareren Einfluss auszuüben: Seit 1835 setzte sich das Prinzip durch, dass die Mehrheitspartei den Vorsitz in allen Ausschüssen und die Mehrheit der Mitglieder in den meisten von ihnen stellte. Seit 1846 besetzt der Senat die Ausschüsse aufgrund der Empfehlung der Parteien und nicht mehr durch individuelle Abstimmung aller Senatoren im Plenum, so dass sich ein koordiniertes Vorgehen in den Fraktionen durchsetzen konnte. Ebenfalls seit 1846 entstand die heutige Sitzordnung, nach der die Senatoren nach Parteien getrennt sitzen.
Der Senat hatte zu dieser Zeit noch wenige Mitglieder, so dass es, anders als im House, nicht nötig wurde, die prozeduralen Regeln zu ändern, um eine effektivere Arbeit zu ermöglichen. Bei so wenigen Mitglieder, wie der Senat sie hatte, konnte beispielsweise jeder Interessierte zu einem Thema sprechen, ohne die Sitzungen unendlich in die Länge zu ziehen, ebenso wie er Änderungsanträge zu jedem Gesetz einbringen konnte.
Als erster Nicht-Christ trat 1845 der jüdische Demokrat David Levy Yulee aus Florida sein Amt als Senator an.
1804 widersetzte sich der Senat sowohl dem Präsidenten als auch der öffentlichen Meinung: Das Repräsentantenhaus hatte ein Impeachment-Verfahren gegen den Richter am Supreme Court, Samuel Chase, angestrengt. Der demokratisch-republikanisch dominierte Senat stimmte mit 18 zu 16 gegen die Absetzung des föderalistischen Richters, was der damalige Vizepräsident Aaron Burr kommentierte:
“This House is a sanctuary; a citadel of law, of order, and of liberty; and it is here-–in this exalted refuge; here if anywhere, will resistance be made to the storms of political phrensy and the silent arts of corruption.”
„Dieses Haus ist eine Zuflucht; eine Zitadelle des Rechts, der Ordnung und der Freiheit; und es ist hier – in diesem erhabenen Refugium; hier wenn überhaupt, dass Widerstand gegen die Stürme des politischen Rauschzustands und die stille Kunst der Korruption geleistet werden.“
Die Abstimmung und das gescheiterte Impeachment-Verfahren waren ein wichtiger Meilenstein darin, dass sich in den Vereinigten Staaten eine vom Gesetzgeber unabhängige Justiz entwickeln konnte. Der Senat begann in dieser Zeit auch in anderen Punkten, seine Unabhängigkeit von der Regierung zu demonstrieren, und das erste Mal eine ausgesprochen entschiedene Oppositionshaltung gegen die amtierende Regierung zu entwickeln: Am 28. März 1834 rügte er offiziell Präsident Andrew Jackson, da dieser versuchte, sich Vollmachten des Kongresses anzueignen. Am 24. Juni desselben Jahres lehnte er erstmals ein vorgeschlagenes Regierungsmitglied ab: Roger B. Taney wurde nicht Finanzminister der Vereinigten Staaten. Die Auseinandersetzungen mit Jackson erreichten ein bis dato unbekanntes Ausmaß und führten dazu, dass sich mit den Whigs eine neue Partei bildete. Nachdem es den Jackson-Anhängern gelungen war, die Mehrheit im Senat zu gewinnen, widerriefen sie alle Beschlüsse des alten Senats in diesen Auseinandersetzungen.
Aufgrund der Offenheit und Liberalität in den internen Regeln begann der Senat sich als primäres Diskussions- und Streitforum der Nation zu entwickeln, in denen alle vertretenen Standpunkte ausreichend Zeit und Raum hatten, sich darzustellen. Bekannt wurden die Debatten in den Jahren vor dem Sezessionskrieg zwischen Nord- und Südstaatlern, Gegnern und Verfechtern der Sklaverei.
Die Zeit vor Ausbruch des Sezessionskriegs gilt als „Goldenes Zeitalter“ des Senats. Senatoren wie Daniel Webster, Thomas Hart Benton oder Henry Clay für die Nordstaaten; John C. Calhoun, Jefferson Davis und Stephen A. Douglas für die Südstaaten, reichten an öffentlicher Bekanntheit und Beliebtheit an Präsidenten heran oder strahlten gar über diese hinaus.
Der Senat konnte seine Rolle in der Zeit vor dem Bürgerkrieg ausspielen, da er personell anders zusammengesetzt war als das Repräsentantenhaus. Die bevölkerungsschwachen sklavenhaltenden Südstaaten waren im Senat weit stärker vertreten als im Repräsentantenhaus. Während es im House für die Nordstaaten kein Problem war, die Südstaaten zu überstimmen, hielt sich im Senat ein ungefähres Gleichgewicht, das es nötig machte, Kompromisse zu finden, die dann auch längere Zeit tragfähig genug waren, die Nation zusammenzuhalten. Der von Henry Clay im Senat formulierte Missouri-Kompromiss von 1820 hielt die Union noch 30 Jahre zusammen, während der von Clay und Douglas ausgehandelte Compromise of 1850 den Vereinigten Staaten immerhin noch zehn Jahre verschaffte, bevor der Krieg ausbrach.
Als herausragendste Debatte ging die Webster-Hayne-Debatte zwischen Daniel Webster aus Neuengland und dem Südstaatler Robert Y. Hayne ein. Eine andere Rede Websters zum Thema allerdings, die vom 7. März 1850, ist noch heute Pflichtlektüre in den meisten amerikanischen Schulen, beendete allerdings seine politische Karriere. Er hatte in dieser zur Versöhnung zwischen Nord- und Südstaaten aufgerufen, was in seiner abolitionistischen Heimat Neuengland als Verrat aufgenommen wurde; unter anderem der Schriftsteller Ralph Waldo Emerson riet Webster, nie wieder den Mund zu öffnen. Webster trat kurze Zeit später zurück.
Noch tragischer ging der sklavereifeindliche Demokrat David C. Broderick aus Kalifornien in die Senatsgeschichte ein, der sich so sehr mit der mehrheitlich sklavereibefürwortenden Demokratischen Partei in Kalifornien zerstritt, dass es schließlich zum Duell kam; Broderick wurde als bisher einziger Senator im Amt bei einem Duell erschossen. In den letzten Jahren vor dem Krieg zeigte sich die Anspannung aber auch zunehmend im Senat. Senator Charles Sumner aus Massachusetts hatte Senator Andrew Butler aus South Carolina unterstellt, er hätte die „Häßliche, dreckige Geliebte namens Sklaverei“, woraufhin Butlers Neffe, der Kongressabgeordnete Preston Brooks, Sumner wenige Tage später mit einem Rohrstock im Plenarsaal bewusstlos schlug.
Die letzte Rede eines Konföderierten hielt der Senator aus Mississippi und zukünftige Präsident der Konföderierten, Jefferson Davis, in seiner Abschiedsrede im Senat am 21. Januar 1861, wenige Tage nachdem sich South Carolina, Florida, Alabama und Mississippi von der Union losgesagt hatten. Er rief seine ehemaligen Mitsenatoren dazu auf, die Entscheidung Mississippis und der anderen Staaten friedlich zu akzeptieren, da ansonsten eine Katastrophe über jeden Teil der Vereinigten Staaten hereinbrechen würde.
Der Krieg hatte die Machtbalance zwischen Nord- und Südstaaten nachhaltig verändert. In der Zeit der Reconstruction und den folgenden Jahren hatten die Republikaner eine klare Übermacht. Ihnen gelang es, sich als Partei besser zu organisieren. Allerdings fiel in diese Zeit auch eine Hochzeit der Korruption in der amerikanischen Politik. Politische Maschinen wie Tammany Hall dominierten die Parteiorganisationen vieler Großstädte; Klientel- und Patronalismussysteme zogen sich durch das Land. Der Senat blieb auch davon nicht verschont, seine prinzipiell auf Offenheit und informelles Übereinkommen angelegte Geschäftsordnung machte ihn sogar besonders anfällig für die Probleme der damaligen Zeit.
Noch im Zeitalter der Reconstruction kam 1870 der erste afroamerikanische Senator in den Senat: Hiram Rhodes Revels vertrat mit Mississippi einen der Staaten des tiefen Südens. 1879 leitete mit dem zu Beginn des Bürgerkriegs aus der Sklaverei geflohenen Republikaner Blanche Bruce aus Mississippi erstmal ein Afroamerikaner die Sitzung des Senats. Nachdem die Südstaaten allerdings politisch wieder so souverän wie vor dem Krieg waren, dominierte über Jahrzehnte eine Weiße segregationistische Mehrheit die Politik dieser Staaten (Solid South), so dass dies Einzelfälle blieben. 1907 kam mit Charles Curtis aus Kansas der erste Indianer in den Senat.
An den politischen Programmen änderte sich in diesen Jahren wenig. Die Wahlen waren heftig umstritten, die Parteiprogramme blieben weitgehend identisch und in den Wahlkämpfen ging es hauptsächlich weiterhin um den Bürgerkrieg. Die Republikaner, die die Demokraten für den Ausbruch des Sezessionskriegs beschimpften, gewannen klare Mehrheiten in den Nordstaaten, während die Demokraten sich als Vertreter eines gedemütigten Südens inszenierten und so ebenso klar in den Südstaaten die Wahlen gewannen.
Die Zeit vor dem Bürgerkrieg hatte aufgezeigt, welche Bedeutung der Senat im politischen System innehaben konnte. Nachdem der Krieg vorbei war, begannen mehr Senatoren, diese Macht für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Die Senatoren wurden in dieser Zeit noch von den Staatslegislativen ernannt, so dass sich für einflussreiche und reiche Männer die Gelegenheit ergab, diese für ihre Zwecke zu missbrauchen und sich einen Senatssitz zu „erkaufen“. Zwischen 1866 und 1909 wurden neun Fälle vor dem Senat verhandelt, in denen Senatoren ihr Amt einer Bestechung verdankt haben sollten. In einigen Staaten war das politische Klima aber auch so vergiftet und die Mehrheitsverhältnisse so knapp, dass die Staaten gar nicht mehr in der Lage waren, einen Senator zu entsenden. Insgesamt kam es zu 45 Fällen in 20 Staaten, in denen Senatorenposten zeitweise nicht besetzt waren, da die Parlamente in den Bundesstaaten nicht fähig waren, sich zu einigen. Die Legislative von Delaware beispielsweise konnte sich ab 1899 vier Jahre lang nicht auf einen neuen Senator einigen. Berüchtigte Senatoren aus dem sogenannten Gilded Age sind Leland Stanford aus Kalifornien, James Graham Fair aus Nevada, John F. Dryden aus New Jersey oder Philetus Sawyer aus Wisconsin. Sie saßen in der Hochzeit der politischen Maschinerie im Amt und hatten so eine umfassende Kontrolle über ihre Partei und die Wähler.
Der Senat begann die Nachkriegszeit mit einer einschneidenden Änderung. 1867 etablierte er den Zuwendungsausschuss, um die Geldausgaben unter besserer Kontrolle zu halten. Vorher war es der Regierung und ihren Behörden oft möglich gewesen, Gelder an den Kontrollen vorbeizubekommen, indem sie in Zeiten hektischer Betriebsamkeit mit Problemen und damit langanhaltenden Debatten drohten und der Senat den Anträgen so zur Konfliktvermeidung und zur Beschleunigung des Ablaufs zustimmte. Die informelle Organisation führte zudem dazu, dass er kaum in der Lage war, eine ordnungsgemäße Verwendung der Gelder zu kontrollieren. Da sich mit dem Bürgerkrieg die Staatsaufgaben vervielfacht hatten, hatte der Senat den Eindruck, dass er eine striktere Kontrolle ausüben musste. Der Zuwendungsausschuss entwickelte sich bald zum Machtzentrum im Senat, da er die Verwendung der öffentlichen Gelder kontrollierte und so von ihm, und insbesondere vom Ausschussvorsitzenden, jeder abhängig war, der Geld vom Staat bekam oder bekommen wollte.
Aufgrund weiterer Aufnahmen von Bundesstaaten und damit einhergehend einer Vergrößerung des Gremiums begann die liberale Geschäftsordnung zum Problem zu werden. Senatoren setzten erstmals Filibuster ein, um die Arbeit des gesamten Senats massiv zu behindern; die Regeln boten ihnen ebenfalls viele Freiräume, die sie nutzen konnten, um ihre persönliche Agenda voranzubringen. Das Ausschusswesen hatte teils groteske Formen angenommen. Anfang des 20. Jahrhunderts besaß der Senat 66 ständige Ausschüsse und damit mehr als Mitglieder der Mehrheitspartei. Der reformgesinnte Politiker Robert M. La Follette erzählt, dass er 1906 zum Ausschussvorsitzenden des Ausschusses für den Zustand des Potomac-Flusses ernannt wurde, nur um festzustellen, dass dieser Ausschuss sich in seiner gesamten vieljährigen Existenz noch nie mit einem Gesetz beschäftigt hatte oder auch nur eine Sitzung abgehalten hatte.
Die Regeln, die auf starken Minderheitenschutz ausgelegt waren, gaben diesen Minderheiten auch reichhaltige Möglichkeiten an die Hand, eine Regeländerung zu ihren Ungunsten zu verhindern. Änderungen in der Geschäftsordnung erwiesen sich aber auch deshalb als außerordentlich schwierig, da Tatbestände wie das unbegrenzte Rederecht über die 100 Jahre vorher den Status einer fast geheiligten Institution angenommen hatten und kaum mehr geändert werden konnten.
Noch in das Zeitalter der Reconstruction fällt das erste Impeachment-Verfahren gegen einen Präsidenten. Andrew Johnson hatte sich mit der Republikanischen Partei zerstritten und gegen den 1867 erlassenen Tenure of Office Act den Kriegsminister Edwin M. Stanton entlassen, da seiner Meinung nach das entsprechende Gesetz gegen die Verfassung verstieß. Der Kongress klagte Johnson an, 1868 kam es zur Verhandlung im Senat, die Verurteilung Johnsons scheiterte letztlich an einer Stimme, der junge Republikaner Edmund G. Ross erkannte auf nicht schuldig.
Zwischen 1871 und 1898 stimmte der Senat nicht einem internationalen Vertrag zu. In dieser Zeit liefen mehrere internationale Handelsverträge aus, die er nicht verlängerte. Der Senat weigerte sich, eine Kompromisslösung mit dem Vereinigten Königreich zuzustimmen, zwang die Pläne über den Panamakanal zur Wiederverhandlung und weigerte sich zunächst beharrlich, dem Friedensvertrag zuzustimmen, der den Spanisch-Amerikanischen Krieg beendete.
Innenpolitisch setzte sich der Senat für die Interessen seiner Mitglieder und die der Personen mit hohem gesellschaftlichen Stand und gewichtigem Einkommen, die er dem Willen der Verfassungsväter nach vertreten sollte. Er verhinderte Reformgesetze von denen Arbeiter, Farmer oder Minderheiten hätten profitieren können. Die Arbeiterbewegung und unzufriedene Farmer begannen so sich in diversen anderen Parteien zu sammeln, die um die Jahrhundertwende eine Hochzeit erlebten. Der Journalist und Historiker Henry Adams ging so weit, die USA als „of the people, by the people, and for the Senate“ zu beschreiben.
Der Anfang des 20. Jahrhunderts brachte einige einschneidende Änderungen in den Senat, die schließlich im 17. Verfassungszusatz kulminierten. Um die Jahrhundertwende gelang es erstmals, eine Parteigruppierung so zu organisieren, dass sie dem, damals noch informellen Vorsitzenden, erhebliche Macht einbrachte. Der Republikaner Nelson W. Aldrich aus Rhode Island konnte eine Gruppe um sich versammeln, die es ihm erlaubte, die republikanische Fraktion zu kontrollieren. Auf Aldrich, den „Boss of America“, gingen Gesetze zurück, die das Finanzwesen der Vereinigten Staaten teilweise noch heute prägen, darunter alle wichtigen Steuer- und Zollgesetze der Zeit sowie die heutige Struktur des Federal-Reserve-Systems. Seit 1911–1913 wählten die Parteien offizielle Fraktionsvorsitzende, als Mehrheits- und Minderheitsführer bekannt. Da dem Amt des dieser Vorsitzenden aber keine formalen Kompetenzen zugewiesen wurde, kam es weiterhin vor allem auf die persönliche Autorität des Amtsinhabers an, ob diese Position eine Macht darstellte. Insbesondere in der Demokratischen Partei, die zwischen einem liberalen Nordstaatenflügel und einem konservativen Südstaatenflügel tief zerstritten war, konnte der Fraktionsvorsitzende kaum etwas bewegen.
Der erste Antrag, Senatoren direkt zu wählen, kam bereits 1826 ins Plenum, erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gewann diese Idee aber an Momentum. Zwischen 1893 und 1902 schlug jährlich jemand im Senat die Änderung vor, verlor aber die Abstimmung. Die Populist Party nahm den Punkt Mitte der 1890er in ihr Wahlprogramm auf. Seit dem späten 19. Jahrhundert wählten die Bürger in diversen Bundesstaaten die jeweiligen Parteikandidaten für den Senatorenposten direkt. Oregon, etwas später gefolgt von Nebraska, führte sogar gleichzeitig zur generellen Wahl eine Volksabstimmung über den Senator durch und verpflichtete die Legislative, sich an deren Ergebnis zu halten. Bis 1912 wählten die Bürger in der einen oder anderen Form ihre Senatoren in 29 der damals 48 Bundesstaaten. Der Zeitungsmagnat William Randolph Hearst griff die Idee auf und führte in seinen Publikationen eine vehemente Kampagne für eine offizielle Direktwahl durch.
Umgesetzt wurde die Forderung schließlich im 17. Zusatzartikel zur Verfassung. Eingebracht hatte ihn Senator Joseph L. Bristow aus Kansas; er passierte sowohl den Senat als auch das Repräsentantenhaus erst nach lang andauernden Debatten. Die Legislativen der Staaten hatten nun auch de jure keinerlei Einfluss mehr auf ihre Senatoren. Die direkte Wahl verschaffte den Senatoren eine größere Legitimität und machte sie abhängiger von der allgemeinen öffentlichen Meinung. Gleichzeitig stieg aber auch ihr finanzieller Bedarf, um Wahlkämpfe finanzieren zu können, so dass ihre Abhängigkeit von potenten Geldgebern ebenso stieg.
Das absolute Recht auf freie Rede wurde erst eingeschränkt, als 1917 eine Gruppe von 16 Senatoren gegen den Plan des Präsidenten und gegen überragende Senats- und Housemehrheiten den Beschluss blockierte, amerikanische Handelsschiffe zu bewaffnen. Während sich die Vereinigten Staaten gerade bereit machten, in den Ersten Weltkrieg einzutreten, hielten die Senatoren das Gesetz, und andere wichtige Gesetze, für 23 Tage auf. Auf Initiative des Präsidenten Woodrow Wilson, der früher über den Senat promoviert hatte, führte der Kongress die erste Regelung zum vorzeitigen Debattenschluss (cloture) ein, die aber relativ umständlich war und auch bei Erfolg noch nach dem Beschluss zur Ende der Debatte jene über mehrere Tage andauern lassen konnte: 16 Senatoren mussten einen Antrag auf Abstimmung zum Debattenende stellen. Zwei Tage danach kam es zu einer Abstimmung, bei der zwei Drittel der Senatoren dem Antrag zustimmen mussten. War dieses Ziel erreicht, hatte jeder Senator danach noch eine Stunde Rederecht zum Thema – die Debatte ließ sich also bei ausreichend großer Zahl der Filibuster noch mehrere Tage aufrechterhalten.
1920 begann der Senat auch sein Ausschusswesen zu reformieren und 42 der mittlerweile fast 80 Ausschüsse aufzulösen. Darunter befanden sich Ausschüsse wie der der für die Entsorgung unnütz gewordener Papiere der Exekutive oder der, der 137 Jahre nach Ende des Revolutionskrieges immer noch Ansprüche aus diesem klären sollte.
Mittlerweile war der Senat wieder eindeutig die prestigeträchtigere der beiden Kammern geworden; Karrieren verliefen nun generell über das Repräsentantenhaus in den Senat und nicht mehr in die andere Richtung. Das zeigte sich auch daran, dass 1920 mit Warren G. Harding der erste amtierende Senator eine Wahl zum Präsidenten gewann.
Der Senat machte von seinen Kompetenzen nun auch ausgiebig Gebrauch. Beispielsweise verhinderte er die Ratifikation des Vertrags von Versailles und somit den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Völkerbund. In den entscheidenden Jahren dieser Zeit aber arbeiteten Präsident Franklin D. Roosevelt und der demokratische Mehrheitsführer Alben W. Barkley aus Kentucky eng zusammen, so dass der Senat relativ problemlos die Politik des Präsidenten umsetzte. Erst 1944 zerstritten sich Roosevelt und Barkley über die Kriegsausgaben. Barkley trat zurück, der Streit kostete ihn wahrscheinlich seine Nominierung als Vizepräsident bei der Wahl 1944 und durch Roosevelts nachfolgenden Tod auch das Präsidentenamt.
Am 4. März 1929 erfolgte die erste Radioübertragung aus dem Senat. Der Republikaner Robert B. Howell aus Nebraska, der im Ersten Weltkrieg in der Navy gedient hatte und das Radio daher kannte, setzte den Entschluss nach mehrjährigen Kämpfen durch. Allerdings dauerte es noch 1971, bis der Senat eine Mikrofonanlage installierte, die die chronisch schlechte Akustik des Sitzungssaals radiogerecht ausgleichen konnte.
Langsam änderte sich auch die personelle Zusammensetzung. Nachdem Jeannette Rankin 1918 als erste Frau (erfolglos) Senatskandidatin einer der beiden großen Parteien war und Rebecca Latimer Felton am 21. November 1922 bereits kurz als Nachfolger des verstorbenen Thomas E. Watson ernannt worden war, gelang es der Demokratin Hattie Caraway aus Arkansas 1932 als erster Frau, die am 12. Januar 1932 abgehaltene Wahl zum Senat zu gewinnen. Ursprünglich war sie als Nachfolgerin ihres verstorbenen Ehemanns Thaddeus H. Caraway ernannt worden, trat aber zur Überraschung des Senats bei der nächsten regulären Wahl an. Sie gewann und war in der Folge dann auch die erste Frau, die – am 17. Oktober 1943 – eine Sitzung des Senats leitete und ebenfalls die erste Frau, die – von 1933 bis 1945 – den Vorsitz in einem Ausschuss übernahm. Bis eine Frau den Vorsitz in einem der wichtigen und anerkannten Ausschüsse übernehmen sollte, dauerte es aber noch bis zu Nancy Landon Kassebaum 1995.
Der Aufstieg des Senats zur Kammer mit dem größeren Prestige setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg fort. Dafür war zum einen verantwortlich, dass die Vereinigten Staaten nun zur Weltmacht geworden war und die exklusiven Rechte des Senats sich auch auf die damit wesentlich wichtiger werdende Außenpolitik erstreckten. Und erst seit 1947 haben einzelne Senatoren und die Ausschüsse bezahlte Angestellte, was die Professionalität und Effektivität des Gremiums maßgeblich erhöhte. Seit den 1950ern erlaubte der Senat erstmals Fernsehkameras in Ausschusssitzungen.
Gefördert wurde der Prestigeanstieg durch die Verbreitung des Fernsehens. Das Fernsehen benötigt Personen, die es mit Geschichten und Themen verknüpfen konnte, und die 100er-Mitgliedschaft des Senats eignete sich eher dazu, eine Fernsehpersönlichkeit mit Wiedererkennungswert zu schaffen, als die 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses. Zudem sorgte die wesentlich längere Amtszeit eines Senators (6 Jahre gegenüber 2 Jahren im Repräsentantenhaus) auch dafür, dass diese den Fernsehschaffenden eher eine personengebundene Kontinuität versprachen. Geld begann auch eine immer größere Rolle zu spielen, so dass es für die Kongressabgeordneten selbst bei vorhandenem eigenem Reichtum meist unmöglich wurde, einen Wahlkampf zu finanzieren. Die Spender wiederum haben oft den Eindruck, dass ihnen der Einfluss auf einen von Hundert Abgeordneten mehr hilft als der auf einen von 435, so dass sie eher für Senatoren spenden und diese damit finanziell besser ausgestattet sind als Repräsentanten.
In die Nachkriegszeit fällt der Kreuzzug des 1950 in den Senat gewählten Republikaners Joseph McCarthy aus Wisconsin; in seinen antikommunistisch motivierten Aktionen einer der umstrittensten, zu seiner Zeit prominentesten Senatoren. Es gelang ihm, sich den Vorsitz im Untersuchungsausschuss des Senats zu sichern, und diesen – durch Ernennung von Mitarbeitern ohne andere Senatoren zu befragen und häufige Sitzungstermine außerhalb von Washington mit kurzer Vorlaufzeit – unter seine Kontrolle zu bringen. McCarthy nutzte das im Senat neue Medium des Fernsehens, um seine nationale Bekanntheit zu steigern. Erst eine offizielle Rüge durch den Senat beendete seinen Einfluss. In den Worten des Demokraten Robert Byrd – Senator mit der längsten Amtszeit in der Geschichte des Gremiums und anerkannter Historiker des Gremiums – war dies die schmerzhafteste Periode in der Senatsgeschichte.
Einen weiteren Höhepunkt intensiver Senatsdebatten und eine Fortsetzung der Konflikte zwischen Nord- und Südstaaten bildeten die Debatten um die Bürgerrechtsgesetze in den 1950er und 1960er-Jahren. In dieser Zeit hielt Strom Thurmond mit über 24 Stunden die längste Filibusterrede der Senatsgeschichte, um zu verhindern, dass der Senat den Civil Rights Act von 1958 verabschiedete. Der gesamte Filibuster gegen ein anderes Bürgerrechtsgesetz, den Civil Rights Act von 1964, dauerte 57 Tage vom 26. März bis zur 14-stündigen Rede von Robert Byrd am 19. Juni 1964, in denen der Senat keine anderen Beschlüsse fassen konnte. Der Filibuster wurde durch den zweiten Cloture-Beschluss seit 1927 beendet; das Thema war so umstritten, dass selbst der mit einem Gehirntumor im Sterben liegende Clair Engle aus Kalifornien an der Sitzung teilnahm und für Debattenschluss stimmte.
1972 führte das United States Senate Watergate Committee maßgebliche Untersuchungen in der Watergate-Affäre durch, die schließlich zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon führten, um seiner Amtsenthebung zuvorzukommen.
1974 wurde mit dem Congressional Budget and Impoundment Control Act das Reconciliation-Verfahren eingeführt. Danach gilt für bestimmte Gesetzentwürfe ein Redezeitlimit, Filibuster sind hier unmöglich.
1975 sah man wiederum Änderungen in den internen Prozeduren. Das Quorum um einen Filibuster beenden zu können, sank auf Dreifünftel, also 60 Senatoren. Die Redezeit nach einem Cloture-Beschluss wurde auf insgesamt 30 Stunden begrenzt, wobei eine weitere Abstimmung mit Dreifünftelmehrheit auch diese Rest-Redezeit beenden kann. Nachdem die Plenardebatten bereits seit 1795 öffentlich waren, sind es seit 1976 auch alle Ausschusssitzungen. Infolge der Stevenson-Kommission (benannt nach Senator Adlai Stevenson) reduzierte der Senat die Zahl der nichtständigen und gemeinsamen Ausschüsse mit dem Repräsentantenhaus erheblich.
1974 standen das erste mal Fernsehkameras im Senatsplenum, die ein Ereignis live übertrugen: die Inauguration des damaligen Vizepräsidenten Nelson A. Rockefeller. Seit dem 27. Februar 1986 überträgt das Parlamentsfernsehen C-SPAN regelmäßig die Plenardebatten live. Der erste klassische Filibuster, den das Fernsehen übertrug, hielt Al D’Amato aus New York, um zu verhindern, dass eine Schreibmaschinenfabrik mit 875 Angestellten aus New York nach Mexiko umzog. D’Amato redete – und sang – durchgehend 15 Stunden.
Massiv ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückte der Senat, als er das Impeachment-Verfahren gegen Bill Clinton verhandelte. Dies war das erste bedeutende Impeachment-Verfahren, das größtenteils live im Fernsehen lief und zahlreiche Debatten über die Rechte und Pflichten des Senats in einer derartigen Situation auslöste.
Der längsten Filibuster des Fernsehzeitalters hielten im November 2003 mit fast 40 Stunden diverse Demokraten, als sie die Bestellung von drei Richterinnen an Appellationsgerichten (Federal Court of Appeals) durch Präsident George W. Bush verhinderten. 2005 beschlossen die demokratischen Senatoren nach erneuter Nominierung dieser Kandidaten, sich zumindest zwei der fünf Kandidaturen durch ein Filibuster zu widersetzen.
Während der Senat in der Vergangenheit oft über mehrere Jahrzehnte von einer Partei dominiert wurde, änderte sich dies in den letzten Jahren. Besonders auffallend war es nach den Wahlen 2000. Als sich der Senat am 5. Januar zur ersten Sitzung traf, saßen 50 Demokraten 50 Republikanern gegenüber, die Stimme des demokratischen Vizepräsidenten Al Gore gab den Ausschlag für eine demokratische Mehrheit. Diese hielt allerdings nur, bis 15 Tage später George W. Bush sein Amt als Präsident und damit der Republikaner Dick Cheney das Amt als Vizepräsident antrat, was die Mehrheitsverhältnisse umkehrte. Im Juni desselben Jahres verließ Jim Jeffords aus Vermont seine Republikaner und gab damit wieder den Demokraten die Mehrheit. Erst bei den Kongresswahlen 2002 und 2004 konnten die Republikaner schließlich eine stabile Mehrheit erkämpfen, die sie wiederum bei den Senatswahlen 2006 einbüßten.

Paul Baecker

Paul Wilhelm Erich Baecker (* 27. Oktober 1874 in Eberspark, Landkreis Wirsitz; † 23. Januar 1946 in Berlin-Zehlendorf) war ein deutscher Journalist und Politiker (DNVP).

Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium in Schneidemühl studierte Baecker ab 1893 Medizin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Später wechselte er die Fakultät und begann ein Studium der Geschichte und Volkswirtschaft, welches er jedoch nicht abschloss. Während seines Studiums wurde er Mitglied des Vereins Deutscher Studenten Berlin. Nachdem er 1897 die Universität verlassen hatte, wandte er sich dem Journalismus zu und arbeitete als Redakteur bei der Deutschen Zeitung und den Akademischen Blättern. Daneben ging er einer schriftstellerischen Tätigkeit nach. Anfang 1907 wechselte er als Redakteur zur Deutschen Tageszeitung in Berlin. Er war von 1917 bis 1922 deren Chefredakteur und trat in dieser Eigenschaft als einer der ersten publizistischen Verfechter der Dolchstoßlegende hervor. Anschließend war er Leiter des Parlamentsdienstes der Zeitung. Seit 1922 war er Vorsitzender des Reichsverbandes der Deutschen Presse. Außerdem gehörte er seit 1929 dem Vorläufigen Reichswirtschaftsrat an.
Baecker war von 1921 bis 1932 Mitglied des Preußischen Landtages. Er verließ am 7. August 1930 die DNVP-Fraktion, war zunächst fraktionslos und wurde am 14. Oktober 1930 Mitglied der Deutschen Fraktion. Die Deutsche Fraktion war eine parlamentarische Arbeitsgemeinschaft, die sich am 8. Juni 1928 aus den Abgeordneten der CNBL, der DHP, dem Völkisch-Nationalen Block und der Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung gebildet hatte. Bei der Reichstagswahl im Mai 1924 wurde er in den Deutschen Reichstag gewählt, dem er bis 1928 angehörte.

Glienicker Brücke

52.41333333333313.090277777778Koordinaten: 52° 24′ 48″ N, 13° 5′ 25″ O
f1
B 1
Havel
Die Glienicker Brücke verbindet über die Havel hinweg die Städte Berlin (Ortsteil Wannsee des Bezirks Steglitz-Zehlendorf) und Potsdam, Stadtteil Berliner Vorstadt. Ihren Namen verdankt sie dem in der Nähe gelegenen ehemaligen Gut Klein Glienicke, an dessen Stelle heute das Schloss Glienicke liegt. Weltweit bekannt wurde die Glienicker Brücke durch den spektakulär inszenierten dritten und letzten Agentenaustausch am 11. Februar 1986.

Nördlich der Brücke befindet sich der Jungfernsee und südlich davon die Glienicker Lake. Die Bundesstraße 1 verläuft über die Brücke. Unter ihr führt mit dem natürlichen Havellauf nur der südliche Arm der Binnenwasserstraße Havel hindurch, der Frachtverkehr kürzt den Potsdamer Havelbogen durch den Sacrow-Paretzer Kanal ab. Auch der Durchfluss des Wassers nimmt überwiegend den kürzeren Weg. Der Teltowkanal endet südlich der Brücke in der Glienicker Laake. Dem Schloss Glienicke liegt das Jagdschloss Glienicke gegenüber, das heute als Sozialpädagogische Fortbildungsstätte Berlin-Brandenburg (SFBB) bekannt ist.
Ende des 17. Jahrhunderts wurde eine erste schmale Holzbrücke an dieser Stelle gebaut, die dem Adel als Verbindung zwischen den Potsdamer Schlössern und den Jagdgründen auf der anderen Havelseite vorbehalten war. 1754, knapp 100 Jahre später wurde eine ständige Postverbindung zwischen Berlin und Potsdam über die Brücke eingerichtet, die nun auch für den allgemeinen Kutschverkehr geöffnet wurde. Wegen der schnellen Zunahme des Verkehrs musste das alte Bauwerk 1777 durch eine neue hölzerne Zugbrücke mit Geländer und beidseitigen Wachhäuschen ersetzt werden. Da es bei der Kontrolle häufig Probleme gab – manche Kutscher fuhren einfach unkontrolliert durch –, wurde erstmals ein Schlagbaum auf dieser Brücke errichtet.
Die Berlin-Potsdamer Chaussee wurde 1792 bis 1795 als preußische Muster- und Vorzeigechaussee ausgebaut, zur Finanzierung der Bauarbeiten war von den Benutzern ein Chausseegeld zu zahlen. An der Glienicker Brücke wurde dafür ein Chausseegeld-Einnehmerhäuschen errichtet. Hier kassierten Beamte Brückengebühren, allerdings nicht von Adligen. Ende des 18. Jahrhunderts erhielt die Brücke somit ihren ersten festen Kontrollpunkt.
Neben der Holzbrücke wurde 1831 mit dem Bau einer Steinbrücke begonnen, die auf Entwürfe des preußischen Hofarchitekten Karl Friedrich Schinkel basierte. Für die Bauausführung bestimmte der preußische Staat:
„[…] hat elf Durchflussöffnungen, von welchen zehn Öffnungen, jede 31½ Fuß weit und überwölbt, und eine Öffnung zur Durchfahrt der Schiffsgefäße, die 30 Fuß im Lichten weit und mit zwei gegeneinanderschlagenden Zugklappen überdeckt ist. Die ganze Länge der Brücke zwischen den Stirnwänden beträgt 565 Fuß. Die Fahrbahn ist 20 Fuß und jeder Fußweg daneben vier Fuß breit.
Die Prinzessin Maria, „erhabene Tochter [… des …] allgeliebten Königs, Ihre Majestät die Kaiserin von Russland […] Allerhöchstdieselben und Ihre Kaiserliche Hoheit die Großfürstin Maria“ weihte die neue Brücke am 30. September 1834 ein. Der damalige Potsdamer Bischof formulierte bei der Eröffnung:
„[…] Sie ist ebenso köstlich wie wohlgeraten. Sie gehört mit zu den vorzüglichsten Bauwerken unter seiner Majestät Regierung, und man betrachtet sie und die schöne Gegend, die sich vor ihr ausdehnt, mit Wohlgefallen.“
Das Brückenzollhäuschen wurde im folgenden Jahr entfernt und verkauft. Im gleichen Jahr passierte exotische Fracht unter der Brücke hindurch: Das Dampfschiff Henriette brachte für den königlichen Tiergarten auf der Pfaueninsel einen Löwen, zwei Ameisenbären und zwei Affen aus dem Hamburger Hafen. Begleitet wurde die Fracht von den Prinzen Carl und Wilhelm.
Adolf Slaby, Professor für Elektrotechnik richtete am 7. Oktober 1897 eine Telegrafie-Funkstrecke nach dem System Marconi als Versuchsverbindung ein. Die längste Teilstrecke von der Matrosenstation Kongsnæs nordwestlich der Glienicker Brücke bis zur Heilandskirche am Port von Sacrow hatte eine Länge von 1,4 Kilometer.
Mit der Eröffnung des Teltowkanals am 2. Juni 1906 und dem Beginn des motorisierten Verkehrs wurde es dringend nötig, die Zugbrücke durch eine höhere und feste Brücke zu ersetzen, denn die 1900 begonnene Binnenwasserstraße, die aus der Glienicker Lake kommt, endete an der Schinkelschen Brücke. Für die Jahre 1902 bis 1904 wurde ein durchschnittliches monatliches Verkehrsaufkommen von 11.400 Fuhrwerken und Autos angegeben. Trotz Protesten von Denkmalschützern wurde nun die Backsteinbrücke abgerissen und 1906 mit dem Neubau einer Straßenbrücke begonnen. Es handelt sich um eine Stahlträgerkonstruktion mit einem Fachwerk als aufgelöste Tragwerksstruktur. Die Bauausführung erfolgte von der Firma Harkort aus Duisburg. Am 16. November 1907 wurde das Bauwerk dem Verkehr übergeben. Sie erhielt den offiziellen Namen Kaiser-Wilhelm-Brücke, der sich jedoch nicht durchsetzte. Architekturkritiker äußerten sich über das Erscheinungsbild der Brücke eher abfällig, sie sei „eine plumpe Eisenkonstruktion“. An der Berliner Seite der Brücke wurden auf den gemauerten Enden steinerne Kentauren des Bildhauers Stephan Walter als Schmuck aufgesetzt.
Über die neue Brücke fuhr bis 1916 auch eine Linie der Potsdamer Straßenbahn, die auf der Wannseer Seite endete. Eine Verlängerung bis zum Bahnhof Wannsee war geplant, wurde aber nie gebaut.
Die 1927 mit einer Streckenlänge von 12,5 Kilometer in Betrieb genommene Omnibuslinie P (Bahnhof Zehlendorf-Mitte – Potsdam, Glienicker Brücke) der Allgemeinen Berliner Omnibus-Aktiengesellschaft trug wesentlich dazu bei, dass sich die neue Brücke zu einem Ausflugsziel entwickelte. An der Brücke befanden sich die Anlegestellen der Dampfschifffahrtsgesellschaften, deren Rundfahrten sich großer Beliebtheit erfreuten. Die bei der Fertigstellung der Eisenbrücke auf den Pylonen vorhandenen Ziertürmchen wurden 1931 wegen zu hohen Erhaltungsaufwands entfernt.
Ab 1937 ließ die Reichsverwaltung die Reichsstraße 1 (heute: Bundesstraße 1) vierstreifig ausbauen. Die Glienicker Brücke wurde um 4,50 Meter verbreitert und angehoben und damit verkehrsmäßig angepasst. Sie zählte bald zu den meist befahrenen Straßenbrücken Deutschlands.
Die Busverbindung wurde in den Kriegsjahren immer weniger frequentiert, bis sie 1945 eingestellt wurde. In den letzten Apriltagen 1945 kam es während der Kämpfe zwischen Wehrmacht und der Roten Armee im Bereich der Berliner Vorstadt Potsdams zur Zerstörung der Glienicker Brücke. Entgegen anders lautenden Veröffentlichungen wurde sie weder durch die Wehrmacht noch durch die Rote Armee vorsätzlich gesprengt, obwohl an allen Pfeilern Sprengladungen angebracht worden waren. Der zur Sprengung vorgesehene Pionier hatte seinen Standort in einem der letzten Häuser der Potsdamer Seite. Eine beabsichtigte Sprengung hätte die Brücke völlig zerstört. Ein Angriff der Roten Armee von der Berliner Seite aus wurde erwartet. Inzwischen näherten sich jedoch Truppenteile der Roten Armee aus der Potsdamer Innenstadt, dem Neuen Garten und dem Park Babelsberg der Brücke. Die sowjetischen Panzer schossen auf die Brücke und trafen zwei Sprengladungen, die einen Teil der Brücke zerstörten, alle anderen Sprengkapseln blieben unversehrt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstand neben der unpassierbaren Brücke eine provisorische Holzkonstruktion. Das erste nach Kriegsende wieder betriebene Personenschiff, der Dampfer Potsdam, fuhr vom 20. Juni 1945 an vom Stößensee in Berlin-Spandau bis zur Glienicker Brücke. Er ersetzte die zerstörte S-Bahn-Verbindung zwischen Berlin und Potsdam. Die Berliner Konferenz, später unter dem Namen Potsdamer Konferenz bekannt, begann im Schloss Cecilienhof mit ersten Beratungen. Für die teilweise über Berlin kommenden alliierten Konferenzteilnehmer installierten sowjetische Pioniere anstelle der zerstörten Glienicker Brücke eine Pontonbrücke über die Havel.
Am 3. November 1947 begann der Wiederaufbau der Brücke. Der Bauleiter Hans Dehnert ließ die eingestürzte Stahlkonstruktion heben und diese in die erhaltenen Brückenteile in der ursprünglichen Form wieder einfügen. Die Ausbesserung der Tragwerkskonstruktion verringerte jedoch die Belastungsmöglichkeiten der Brücke. Deshalb wurden die vorher auskragenden Fußwegkonsolen nach innen verlegt, was zu einer Reduzierung der Fahrbahnbreite von 13 auf 11 Meter führte. Die Wiedereröffnung erfolgte am 19. Dezember 1949 unter Teilnahme hoher DDR-Funktionäre wie dem damaligen Verkehrsminister Hans Reingruber. Ein Kabinettsbeschluss der Landesregierung von Brandenburg bestimmte die Umbenennung des Bauwerks in Brücke der Einheit. Genau in der Mitte der Brücke wurde ein weißer Grenzstrich gezogen, der die Grenze zwischen der DDR und West-Berlin markierte. Das hölzerne Provisorium verschwand 1950. Seit dieser Zeit besitzt die Brücke auch einen unterschiedlichen Farbanstrich. Der östliche (Berliner) Teil der Brücke ist etwas dunkler.
Ab 1952 wurde die Brücke für den privaten Autoverkehr gesperrt, Fußgänger konnten nur mit einer Sondergenehmigung hinüber gelangen. Militärische Kontrollposten wurden eingerichtet, die nur noch Angehörige der Militärverbindungsmission passieren ließen. Diese hatten ihre Hauptsitze in West-Berlin und ihre offiziellen Standorte in unmittelbarer Nähe der Potsdamer Seestraße (Frankreich und Großbritannien) sowie in Sacrow (USA). Von dort aus konnten sie – gemäß dem Potsdamer Abkommen – Kontrollfahrten zu Militäranlagen in der DDR machen. Am 3. Juli 1953 wurde die Brücke als einer der letzten Verbindungswege von Berlin ins Umland für Zivilpersonen komplett gesperrt.
Zwischen 1962 und 1986 wurden auf der Glienicker Brücke drei Mal hochrangige Agenten beider Militärlager gegeneinander ausgetauscht. Unter anderem wurden am 10. Februar 1962 die Spione Rudolf Iwanowitsch Abel und Francis Gary Powers ausgetauscht. Ab 1963 durften darüber hinaus Mitglieder der in West-Berlin residierenden Militärmissionen der ČSSR, Polens und Jugoslawiens (und teilweise deren Familienmitglieder) die Brücke mit entsprechenden Ausweispapieren passieren. 1973 wurde die Regelung auch auf Angestellte des seit Juni 1973 in West-Berlin ansässigen Generalkonsulats der UdSSR erweitert.
Eine in den 1970er Jahren erforderliche Reparatur der eisernen Brückenkonstruktion kam zunächst nicht zustande, weil es zwischen den Verhandlungspartnern der DDR und West-Berlins keine Einigung über deren Finanzierung gab. So sperrten die Behörden der DDR die Brücke am 15. November 1984 aus Sicherheitsgründen. Diese Maßnahme führte zu neuen Gesprächen zwischen Besuchsbeauftragten des Berliner Senats und der DDR-Regierung. In deren am 20. Dezember 1984 veröffentlichten Ergebnis erklärte der West-Berliner Senat die Übernahme der veranschlagten Reparaturkosten von zwei Millionen Mark.
Grenzdurchbruch
Mit einem gestohlenen Lkw durchbrachen am 11. März 1988 drei Flüchtlinge von Potsdam aus die Barrieren auf der Brücke nach West-Berlin.
Einen Tag nach dem Mauerfall, am 10. November 1989, wurde die Brücke wieder für jedermann geöffnet. Im deutschen Einigungsvertrag von 1990 wurde die Aufhebung aller Sperr- und Kontrollmaßnahmen offiziell vereinbart.
Die Brücke steht dem allgemeinen öffentlichen Straßen- und Fußgängerverkehr zur Verfügung und ist Teil der Bundesstraße 1.
In der Mitte der Brücke erinnert ein Metallband auf dem linken und rechten Fußgängerweg an den alten Grenzverlauf und die Aufhebung der Teilung. Auf Potsdamer Seite erinnert eine braune Tafel mit Inschrift an die Wiedereröffnung. Auf Berliner Seite ist eine Erinnerungstafel zur Geschichte der Brücke angebracht.
Als in beiden Militärlagern im Verlauf des Kalten Krieges einige wichtige Personen des Gegners festgenommen worden waren, verhandelten Beauftragte über einen Personenaustausch. Als besonders geeignet erwies sich dabei die Glienicker Brücke. Sie war von den beteiligten Mächten USA und Sowjetunion von Berlin aus gut erreichbar und das Umfeld konnte bestens gesichert werden. Die nahegelegene Villa Kampffmeyer diente dem KGB als Beobachtungsposten. Zwischen 1962 und 1986 wurden auf der Glienicker Brücke drei Austauschaktionen mit insgesamt 40 Personen durchgeführt. Später ging sie deshalb unter dem Namen Agentenbrücke durch die Medien. Der englische Spitzname der Brücke ist Bridge of Spies („Brücke der Spione“). Eine maßgebliche Vermittlerrolle bei der Vorbereitung der Austausche 1985 und 1986 spielte der Ost-Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel.
Am 10. Februar 1962 wurde Oberst Rudolf Iwanowitsch Abel, Spitzenspion der Sowjets in den USA, gegen Francis Gary Powers, einen amerikanischen Piloten, der bei einem Aufklärungsflug mit der U-2 über der Sowjetunion abgeschossen worden war, ausgetauscht. Obwohl die Aktion größtmöglich geheim gehalten werden sollte, sorgte der Austausch für Schlagzeilen in den Medien. (Siehe den Film Bridge of Spies – Der Unterhändler)
Nach mehr als 20 Jahren erfolgte wieder auf der Glienicker Brücke ein Austausch von politischen Häftlingen beider Lager. Der DDR-Unterhändler Wolfgang Vogel hatte vereinbart, dass 25 in der DDR und Polen inhaftierte westliche Agenten (u. a. Eberhard Fätkenheuer und Werner Jonsek) gegen vier im Westen von der CIA verhaftete Spione (u. a. Alfred Zehe und Alice Michelson) ausgetauscht werden. Am 11. Juni 1985 erfolgte der Austausch von nunmehr 23 Inhaftierten gegen vier Spione.
Am 11. Februar 1986 wurden die vier im Osten inhaftierten Personen Anatoli Schtscharanski (UdSSR, Dissident, Regimekritiker, Oppositioneller, aus Sicht der UdSSR ein Agent, verurteilt wegen Verrats und antisowjetischer Agitation, später israelischer Handelsminister Natan Sharansky), der DDR-Bürger Wolf-Georg Frohn, der Tschechoslowake Jaroslav Javorský sowie der BRD-Bürger Dietrich Nistroy gegen fünf Häftlinge aus dem Westen ausgetauscht. Es handelte sich um Hana Köcher, KGB-Agentin, Heimat: ČSSR, Karel Köcher, KGB-Agent, Heimat: ČSSR, Jewgeni Semljakow, Computerspezialist der UdSSR, Jerzy Kaczmarek, Geheimdienstler der VR Polen und Detlef Scharfenorth. Lange war zuvor gestritten worden, ob Anatoli Schtscharanski als Freiheitskämpfer (Sicht der USA) oder Agent (sowjetische Auffassung) zu behandeln sei. Die Amerikaner setzten sich mit ihrer Auffassung durch und erwirkten, dass Schtscharanski vor den drei anderen zur Grenzlinie an der Glienicker Brücke gefahren wurde. Dort ließen ihn die Vertreter des KGB mit zu weiten Hosen und ohne Gürtel über die Brücke laufen, sodass er vor den laufenden Fernsehkameras ständig seine Hosen festhalten musste. Während die westlichen Medien ausführlich vom Ort des Geschehens berichteten, druckte im Osten lediglich das SED-Parteiorgan Neues Deutschland einige Zeilen über den Austausch auf der Glienicker Brücke:
„Auf Grund von Vereinbarungen zwischen den USA und der BRD sowie der UdSSR, der ČSSR, der VRP und der DDR fand am Dienstag, den 11.2.1986 ein Austausch von Personen statt, die durch die jeweiligen Länder inhaftiert worden waren. Darunter befanden sich mehrere Kundschafter.“

S.O.B. – Hollywoods letzter Heuler

S.O.B. ist eine US-amerikanische Satire von Regisseur Blake Edwards aus dem Jahr 1981. Edwards verarbeitete mit diesem „Film im Film“ über die Entstehung eines „Blockbusters“ und die Zustände hinter den Kulissen einer großen Filmgesellschaft angeblich eigene Erfahrungen bei den Dreharbeiten zu seinem Film Darling Lili aus dem Jahr 1970.

Der neue Film des gefeierten Regisseurs Felix Farmer stellt sich als totaler Flop heraus. Am Boden zerstört, unternimmt er einen Selbstmordversuch nach dem anderen und dabei gefährdet er seine Mitmenschen mehr als sich selbst. Da kommt ihm die zündende Idee, sein braves Musical mit freizügigen Sexszenen aufzubessern. Seine Ehefrau, ein bislang „sauberer“ Star, soll ihren Busen entblößen. – Felix‘ Film wird ein Kassenschlager, alle profitieren davon – außer Felix! Nach einem gezielten Schuss aus der Waffe eines Wachmanns ist er ziemlich tot, was die „Trauernden“ allerdings nicht davon abhält, Felix für ihre Interessen zu missbrauchen. Es beginnt ein skurriler Wettbewerb um die Rechte an seiner Existenz.
„Blake Edwards blieb bei der Inszenierung der netten Story weit unter seinen Möglichkeiten: teils ironische, teils makabre, teils spekulative Pointen, von denen nur wenige wirklich zünden.“
Das Kürzel S.O.B. soll für „Standard Operational Bullshit“ stehen. – In der deutschen Version sagt der Schauspieler Robert Webber „Saublöde oberfaule Branchenscheiße“.
Der Film war sowohl für einen Golden Globe („Best Motion Picture – Comedy/Musical“, 1982) als auch für eine Goldene Himbeere („Schlechteste Regie“ und „Schlechtestes Drehbuch“) nominiert. Diese Ambivalenz machte auch der ausbleibende kommerzielle Erfolg deutlich. Obwohl der Film floppte, wird er von vielen Cineasten als Edwards‘ bester Film und als eine der gelungensten Hollywood-Satiren angesehen.
In der Schweizer Fassung ist der Film laut den Angaben auf dem Cover um sieben Minuten gekürzt.
Bring Your Smile Along | Big Dans Vermächtnis | Cory, der Falschspieler | Männer über Vierzig | Urlaubsschein nach Paris | Unternehmen Petticoat | Der Spätzünder | Frühstück bei Tiffany | Der letzte Zug | Die Tage des Weines und der Rosen | Der rosarote Panther | Ein Schuß im Dunkeln | Das große Rennen rund um die Welt | Was hast du denn im Krieg gemacht, Pappi? | Gunn | Der Partyschreck | Darling Lili | Missouri | Der Mörder im weißen Mantel | Die Frucht des Tropenbaumes | Der rosarote Panther kehrt zurück | Inspektor Clouseau, der „beste“ Mann bei Interpol | Inspector Clouseau – Der irre Flic mit dem heißen Blick | Zehn – Die Traumfrau | S.O.B. – Hollywoods letzter Heuler | Victor/Victoria (1982) | Der rosarote Panther wird gejagt | Der Fluch des rosaroten Panthers | Frauen waren sein Hobby | Micki + Maude | Ärger, nichts als Ärger | That’s Life! So ist das Leben | Blind Date – Verabredung mit einer Unbekannten | Sunset – Dämmerung in Hollywood | Skin Deep – Männer haben’s auch nicht leicht | Peter Gunn | Switch – Die Frau im Manne | Der Sohn des rosaroten Panthers | Victor/Victoria (1995)

Lothar Franz von Schönborn

Lothar Franz von Schönborn (* 4. Oktober 1655 in Steinheim am Main; † 30. Januar 1729 in Mainz) war Fürstbischof von Bamberg (1693–1729), Kurfürst und Erzbischof von Mainz (1695–1729).

Er stammte aus dem Hause Schönborn. Seine Eltern waren der kurmainzische Amtmann Philipp Erwein von Schönborn (1607–1668), der einzige Bruder des Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs Johann Philipp von Schönborn (1605–1673), und Maria Ursula, geb. Greiffenclau von Vollrads (1610–1682), eine Nichte des Mainzer Kurfürsterzbischofs Georg Friedrich von Greiffenklau (1573–1629).
Seine Neffen waren die (Fürst-)Bischöfe Johann Philipp Franz von Schönborn (1673–1724), Friedrich Carl von Schönborn (1674–1746), Kardinal Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim (1676–1743) und Franz Georg von Schönborn (1682–1756).
Seine Ausbildung erhielt er am Jesuitenkolleg in Aschaffenburg. 1665 wurde Lothar Franz Domizellar in Würzburg, 1667 in Bamberg. Eine Dompräbende in Mainz erhielt er 1674. Er machte seine Kavalierstour durch Holland, Frankreich und Italien. Sein Biennium absolvierte er von 1673 bis 1675 in Wien. In dieser Zeit fand er auch zu einer im Grundsatz prokaiserlichen Haltung. Domherr in Bamberg wurde er 1681 und in Würzburg 1683. Für den Bischof von Bamberg war er in verschiedenen diplomatischen Missionen unterwegs und wurde zum Präsidenten der Hofkammer ernannt. Im Jahr 1689 wurde er Scholastikus und Kustos in Bamberg und Domherr zu Mainz. Noch als Domherr ließ er Schloss Gaibach seit 1694 kunstvoll ausgestalten.
Im Jahr 1693 wurde er zum Bamberger Bischof gewählt. Er wurde 1695 gegen die kaiserliche Empfehlung zum Kurfürsten von Mainz gewählt, nachdem er 1694 Koadjutor geworden war. Kurz nach der Wahl zum Bischof in Mainz erhielt er das erzbischöfliche Pallium und ließ sich zum Priester und Bischof weihen. Er war zwar persönlich durchaus fromm, beschränkte seine priesterliche Tätigkeit aber vor allem auf herausgehobene Ereignisse. Die von seinen Vorgängern begonnenen kirchlichen und liturgischen Reformen wurden in Schönborns Amtszeit fortgesetzt.
In seine Regierungszeit fiel das Verbot der Wahlkapitulationen durch Kaiser und Papst, von dem er für Mainz jedoch päpstlichen Dispens erlangte. Dennoch setzte sich Lothar Franz gelegentlich über Bestimmungen der Wahlkapitulationen hinweg und leistete sich bei Pfründen- und Ämterbesetzungen sowie Steuererhebungen Übergriffe auf Rechte des Mainzer Domkapitels.
Als Reichserzkanzler und Kurfürst ging es ihm um den Erhalt des Reiches und dessen Verteidigung. Auch verteidigte er die bestehenden Institutionen des Reiches gegen Veränderungen. Als Reichserzkanzler konnte er über seinen Neffen und Reichsvizekanzler Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim einen gewissen Einfluss auf den Wiener Hof ausüben.
Schönborn spielte eine bedeutende Rolle bei den Kreisassoziationen der Vorderen Reichskreise sowohl im Zusammenhang mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg im Frankfurter Assoziationsrezess wie auch mit dem spanischen Erbfolgekrieg in der Nördlinger Assoziation. Im letzteren plädierte er Anfangs für eine bewaffnete Neutralität der Assoziation, ehe er auf Seiten des Kaisers überging.
Er wirkte 1707 bei der Konversion von Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel zum katholischen Glauben mit und traute sie mit Kaiser Karl VI.. Die Krönung von Kaiser Karl VI. am 22. Dezember 1711 im Frankfurter Dom bildete den Höhepunkt im Wirken von Lothar Franz. Für seine Treue erhielt er 100.000 Gulden, mit denen er 1711 den Bau des Schlosses Weißenstein in Pommersfelden begann. Da er den Kaiser nicht nur gewählt und gekrönt, sondern auch fortgesetzt politisch unterstützt hatte, erhielt er 1726 als Dank zudem die Burg Palanok mit dem Gebiet um Mukatschewe und Tschynadijowo im Königreich Ungarn, einen der größten Besitze in Osteuropa, der aus 4 Städten und 200 Dörfern mit einer Gesamtfläche von 2.400 Quadratkilometern bestand; ein Jahr später, nach Lothar Franz‘ Tod, fiel dieses ungarische Erbe an seinen Neffen Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim und blieb bis ins 20. Jahrhundert im Besitz der Familie Schönborn.
Im Jahr 1710 kam es anlässlich der Koadjutorwahl zu einem größeren Konflikt mit dem Domkapitel. Aufgrund hauspolitischer Interessen wollte Lothar Franz einen Verwandten zum Koadjutor einsetzen lassen, um seinem Regierungssystem Stabilität zu verleihen. Das Domkapitel dagegen stellte seinen Domherren Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg als Kandidaten auf und setzte dessen Wahl unter anderem mit päpstlicher Hilfe durch. Ansonsten richtete sich die Politik des Lothar Franz auf den Wiederaufbau des Kurstaates, der durch die Eroberungskriege Ludwigs XIV. gegen die Pfalz (1688–1697) und den Spanischen Erbfolgekrieg stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. So wurde z. B. unter seiner Herrschaft 1726 der Mainzer Neubrunnen errichtet, mit welchem er den Bürgern des Bleichenviertels ein besseres Trinkwasser garantieren wollte.
Er beseitigte die Missstände in Verwaltung, Justiz und Finanzwesen durch Reformen, die zu einer strafferen Zentralisierung des Staates führten. Inwieweit Lothar Franz als absolutistischer Herrscher, speziell gegenüber dem Domkapitel zu bezeichnen ist, ist umstritten. Man sagt ihm nach, dass er aus hauspolitischen Gründen nicht absolutistisch regiert hätte, andere sehen ihn als machtvolle, dominante Persönlichkeit. Ihm folgten zwei für Mainz weniger bedeutungsvolle Kurfürsten.
Lothar Franz von Schönborn war, wie auch später seine Neffen, ein bedeutender Bauherr. Schon sein Onkel, Kurfürst-Erzbischof Johann Philipp (1605–1673), hatte nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1655 und 1675 die Festung Mainz mit 16 Bastionen, die einen sternförmigen Gürtel um die Stadt bildeten, und der Zitadelle Mainz als Kommandantur ausbauen lassen. Lothar Franz ließ während des Spanischen Erbfolgekrieges den Festungsbaumeister Johann Maximilian von Welsch einen zweiten Festungsring mit fünf weit vorgeschobenen Forts um die Stadt Mainz errichten (1710–1730). Welsch wurde auch mit dem Bau des Lustschlosses Favorite bei Mainz beauftragt (1700–1722) und erweiterte die Kurmainzische Statthalterei in Erfurt zu einer Vierflügelanlage (1713–1720), Johann Baptist Ferolski errichtete 1721–29 das Mainzer Rochusspital. Vor allem aber wurden die Brüder Dientzenhofer zu Lothar Franz‘ Hofarchitekten: Leonhard Dientzenhofer entwarf 1697–1703 die Neue Residenz Bamberg sowie mehrere Klöster, Johann Dientzenhofer 1711–1718 Schloss Weißenstein in Pommersfelden, letzteres als privaten Landsitz, der bis heute den Grafen Schönborn aus Wiesentheid gehört. Dort kann auch Lothar Franz‘ Bibliothek besichtigt werden sowie die größte private Barockgemäldesammlung Deutschlands mit über 600 Exponaten, darunter Gemälde von van Dyck, Rubens, Brueghel, Giordano, Tizian, Artemisia Gentileschi und Dürer.
Neue Residenz (Bamberg), erbaut 1697–1703
Lustschloss Favorite (Mainz), erbaut 1700–1722
Schloss Weißenstein (Pommersfelden), erbaut 1711–1718
Kurmainzische Statthalterei in Erfurt, erweitert 1713–1720
In Mainz-Altstadt wurde die Schönbornstraße nach ihm benannt. In Hanau, Ortsteil Steinheim, wurde die Schönbornstrasse nach der Familie Schönborn benannt.
Albrecht von Wertheim | Friedrich III. von Aufseß | Anton von Rotenhan | Georg I. von Schaumberg | Philipp von Henneberg | Heinrich III. Groß von Trockau | Veit I. Truchseß von Pommersfelden | Georg II. Marschall von Ebnet | Georg III. Schenk von Limpurg | Weigand von Redwitz | Georg IV. Fuchs von Rügheim | Veit II. von Würtzburg | Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt | Martin von Eyb | Ernst von Mengersdorf | Neidhardt von Thüngen | Johann Philipp von Gebsattel | Johann Gottfried I. von Aschhausen | Johann Georg II. Fuchs von Dornheim | Franz von Hatzfeld | Melchior Otto Voit von Salzburg | Philipp Valentin Voit von Rieneck | Peter Philipp von Dernbach | Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg | Lothar Franz von Schönborn
Erzbischöfe 1647 bis 1802 Johann Philipp von Schönborn | Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid | Damian Hartard von der Leyen | Karl Heinrich von Metternich-Winneburg | Anselm Franz von Ingelheim | Lothar Franz von Schönborn | Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg | Philipp Karl von Eltz-Kempenich | Johann Friedrich Karl von Ostein | Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim | Friedrich Karl Joseph von Erthal | Karl Theodor von Dalberg
Bischöfe ab 1802 Joseph Ludwig Colmar | Joseph Vitus Burg | Johann Jakob Humann | Peter Leopold Kaiser | Wilhelm Emmanuel von Ketteler | Sedisvakanz Christoph Moufang (Diözesanadministrator) | Paul Leopold Haffner | Heinrich Brück | Georg Heinrich Maria Kirstein | Ludwig Maria Hugo | Albert Stohr | Hermann Volk | Karl Lehmann

Schlossberg (Burg)

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Der Schlossberg ist eine 62 m hohe Erhebung nördlich des Spreewaldortes Burg (Spreewald). Auf dem Gipfel des sich 9 m über das Geländeniveau erhebenden Hügels befindet sich der in den Jahren 1915 bis 1917 entstandene Bismarckturm.
Der Schlossberg war bereits früh besiedelt. Bereits aus der Zeit der jüngeren Steinzeit lässt sich eine Erdburg nachweisen, die Schutz vor Hochwasser und den Angriffen von Feinden bot. Die folgende eisenzeitliche Wallburg war die größte und bedeutendste Burganlage der Lausitzer Kultur. Danach kann sie das bei Tacitus erwähnte große Heiligtum der germanischen Semnonen gewesen sein. In der späteren Zeit der Besiedlung der Gegend durch Slawen befand sich hier eine Burganlage. Von der Spitze des Turms herab kann man noch heute die Reste einer unregelmäßigen Ringanlage erkennen. Die um das Jahr 1000 durch den polnischen König Bołeslaw I. Chrobry errichtete Burg gehörte zu den größten Burganlagen nördlich der Mittelgebirge. Möglicherweise leitete sich hiervon auch der Ortsname Burg ab.
Der Name der Anhöhe geht auf eine Sage zurück, wonach hier ein König der Wenden sein Schloss gehabt haben soll. Am Fuße des Hügels sollen die dem Menschen wohlgesinnten Zwerge Lutki gelebt haben.
Aufgrund der Sage wurden im Schlossberg alte Schätze vermutet. Es kam zu häufigen Grabungen zum Zwecke der Schatzsuche. Die ursprüngliche Form des Berges ging dabei nach und nach verloren. Auch nutzten benachbarte Bauern die Erde des Berges zur Verbesserung ihrer Felder. Wohl auch mit dem Ziel der Sicherung des Berges erfolgte daher Anfang des 20. Jahrhunderts der Ankauf des Geländes durch den Landkreis, um dann gerade hier den Aussichtsturm zu errichten.
Im Jahr 1897 erfolgte der Bau einer Eisenbahntrasse der Spreewaldbahn durch den Schlossberg, wodurch der Berg durchschnitten wurde. Die Bahnanlage wurde später wieder stillgelegt und demontiert. Heute befindet sich auf der alten Bahntrasse der Fahrradweg zum Nordumfluter.

Volksbank Raiffeisenbank Laupheim-Illertal

Die Volksbank Raiffeisenbank Laupheim-Illertal eG ist eine Genossenschaftsbank mit Sitz in Laupheim. Ihr Geschäftsgebiet umfasst den östlichen Teil des Landkreises Biberach.
Am 30. November 1868 wurde von 58 Mitgliedern die Laupheimer Gewerbebank gegründet. Maßgeblich daran beteiligt war das Bürgertum jüdischen Glaubens. Zeitverzögert hat sich dieser Gedanke auch im Umland durchgesetzt. Am 25. Oktober 1883 gründeten 19 Bürger aus Burgrieden, Hochstetten und Burghöfe einen Darlehenskassenverein. Der Anfang beider Banken war vielversprechend, zumal die Industrialisierung um sich griff. Hopfenhandel, Holzbearbeitung und Holzwerkzeugindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie eine Haarfabrik bestimmten die Wirtschaftsstruktur in der Raumschaft Laupheim. Namen wie Steiger in Burgrieden oder Laupheimer Werkzeugmaschinenfabrik stehen dafür.
Die Aufwärtsentwicklung wurde durch den Ersten Weltkrieg, die Inflation und die folgende Währungsreform gebremst. 1929 bezog die Gewerbebank in Laupheim erstmals eigene Räumlichkeiten in der König-Wilhelm Straße.
Die Jahre nach der Weltwirtschaftskrise bis zur Machtergreifung Hitlers waren vergleichsweise gut. Danach bestimmte das nationalsozialistische Regime und die Gleichschaltung erfasste auch die Laupheimer Gewerbebank. 1939 firmierte das Institut in Volksbank Laupheim um. Der folgende Weltkrieg und die Kriegswirtschaft bedeuten für beide Häuser eine Zäsur, die in eine zweite Währungsreform 1948 mündete. Die Eröffnungsbilanz der Volksbank Laupheim betrug 584.000 DM. Mit der Einführung der Mark erlebte Deutschland einen Wirtschaftsaufschwung, der beide Banken beflügelte.
Laupheim bezog 1984 am Marktplatz einen Neubau, der 2000 durch einen angrenzenden Neubau arrondiert wurde. Veränderte Rahmenbedingungen, zunehmender Wettbewerb und Kostendruck haben ab den 1970er Jahren zu einem Strukturwandel im Genossenschaftsbereich geführt. Die Raiffeisenbanken Baustetten und Oberholzheim fusionierten in den Jahren 1981 und 1992 mit der Volksbank. Durch den Zusammenschluss der Volksbank mit den Raiffeisenbanken Wain, Schönebürg, Achstetten und Mietingen entstand im Jahre 2000 eine Regionalbank im nördlichen Landkreis Biberach. Dieser Strukturveränderungsprozess hat, nachdem 2006 die Rottalbank hinzugestoßen ist, einen Höhepunkt erreicht. Im Jahre 2013 verschmolz die Volksbank Laupheim eG schließlich mit der Raiffeisenbank Illertal eG.
48.2298219.884472Koordinaten: 48° 13′ 47″ N, 9° 53′ 4″ O

Giorgio Behr

Giorgio Behr (* 18. September 1948 in Schaffhausen) ist ein Schweizer Unternehmer, Rechtsanwalt, Wirtschaftsprüfer und Universitätsprofessor.
Behr ist Gründer und Verwaltungsratspräsident der Behr Bircher Cellpack BBC sowie Präsident des Schweizer Handballklubs Kadetten Schaffhausen. Bis Ende 2015 war er für über 12 Jahre auch CEO der Behr Bircher Cellpack BBC. Zwischen 1990 und 2005 war er zudem Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen. Seit seinem Rücktritt 2005 ist er dort Honorarprofessor und Präsident des Instituts für Rechnungslegung, Controlling und Wirtschaftsprüfung (ACA). Darüber hinaus amtierte er als Präsident des Verwaltungsrats der Saurer AG, zuerst als Vizepräsident ab 1995, von 2003 bis 2006 als Präsident. Seit 2008 ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats der ZF Friedrichshafen, einem der grössten Automobilzulieferer weltweit.

Behr studierte Rechtswissenschaft an der Universität Zürich, wo er 1971 das Studium abschloss und 1974 promovierte (Doktorat). Danach folgten 1976 das Rechtsanwaltspatent, 1979 der Abschluss zum diplomierten Wirtschaftsprüfer sowie ein Forschungsaufenthalt an der University of Washington in Seattle.
Seine berufliche Laufbahn begann Behr 1971 als Handelsschullehrer in Zürich und Schaffhausen, ab 1972 beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen Fides (heute Teil von KPMG), für das er im In- und Ausland bis 1982 tätig war und sich auf Sanierungen und Restrukturierungen von Unternehmen spezialisierte. Von 1982 bis 1984 arbeitete er für die Industrie-Gruppe Hesta (Zellweger-Luwa und Schiesser). 1984 gründete er ein eigenes Beratungsunternehmen, die BDS Consulting, und machte sich damit selbständig. Parallel zu seiner beruflichen Laufbahn startete Behr 1989 eine akademische Laufbahn und wurde an der Universität St. Gallen zunächst Lehrbeauftragter und ab 1990 Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungslegung als Spezialgebiet.
1991 nahm seine berufliche Laufbahn eine Wende vom Sanierer hin zum eigentlichen Unternehmer. Behr wurde damals beauftragt, den in Beringen ansässigen Apparatebauer Bircher zu sanieren. Als sich für Bircher kein Käufer finden liess, übernahm Behr zusammen mit Anton Bucher-Bechtler und dem Management das vom Konkurs bedrohte Unternehmen. 1993 gehörte Giorgio Behr zum Gründungsteam der Bank am Bellevue.
Nachdem Behr 2001 eine Mehrheitsbeteiligung an der 1935 gegründeten und in Villmergen ansässigen Cellpack-Gruppe übernahm, gliederte er 2003 die Bircher-Gruppe zusammen mit der Cellpack-Gruppe in den neu gebildeten Konzern Behr Bircher Cellpack BBC ein. Darüber hinaus wirkte er als Verwaltungsrat und dann als Präsident des Verwaltungsrats der Saurer-Gruppe (1994 bis 2006). Seit 1992 ist er Verwaltungsrat der Liechtensteiner Hilti-Gruppe und seit 2008 Vorsitzender des Aufsichtsrates des deutschen Automobilzulieferkonzerns ZF Friedrichshafen.
Giorgio Behr vertrat die Schweiz in den Rechnungslegungsgremien der UN (ISAR) und der OECD (CIME dort wurde er zum Vizepräsidenten gewählt und war Sprecher der OECD Vertreter im ISAR/UN), in der WP1 der IOSCO sowie die Schweizer Börse in der EFRAG. Er war ab der Gründung (1984) des Standard Setter für die Rechnungslegung in der Schweiz, Swiss GAAP FER, im Ausschuss der Fachkommission und zudem Präsident der Fachkommission der FER (1992–2005). Seit 2005 ist er Präsident des Stiftungsrats der FER. Er war zudem Präsident der Arbeitsgruppe Rechnungslegung der Schweizer Börse SWX (2002–2005). Im Auftrag des Bundesrats war er Mitglied der Kommission Mengiardi 1998 für die Revision des Rechnungslegungs- und Revisionsrecht. 2007 wurde er als Präsident einer kleinen Expertengruppe mit der Ausarbeitung des Entwurfs für das neue Revisionsrecht (in Kraft seit 2007) beauftragt. Anschliessend war er (unter Mitarbeit von Max Sterchi) Experte des Bundesrats für die Ausarbeitung des neuen Rechnungslegungsrechts der Schweiz (in Kraft seit dem 1. Januar 2013). Von 1998 bis 2001 war er Mitglied des Vorstandes der Treuhand-Kammer, dem Berufsverband der Wirtschaftsprüfer und Steuerexperten der Schweiz. Von 2001 bis 2003 war er Mitglied des Geschäftsleitenden Ausschusses der Treuhand-Kammer und von 2003–2007 zuerst Vizepräsident und dann Präsident der Treuhand-Kammer (damals auf 2 Jahre beschränkte Amtsdauer).
2008 machte Giorgio Behr insbesondere durch Übernahmeversuche von börsenkotierten Unternehmen auf sich aufmerksam und stiess dabei teils auf heftige Ablehnung seitens der entsprechenden Unternehmen. Während ihm die Übernahme der Groupe Baumgartner Holding gelang, scheiterte sein Übernahmeversuche bei Sia Abrasives.. Die Aktionäre und das Management von Sia Abrasives bekämpften das geplante Engagement des Schweizer Unternehmers Giorgio Behr und bevorzugten stattdessen eine Übernahme durch die Deutsche Robert Bosch GmbH. Im November 2015 wurde bekannt, dass der neue Eigentümer einen grösseren Stellenabbau für den Schweizer Standort von Sia Abrasives plant. Dies entgegen den Zusagen von 2008, wonach der Standort Schweiz nicht verlagert werden sollte. Eine solche Massnahme wurde von Giorgio Behr im Übernahmekampf um das Unternehmen stets als Risiko einer ausländischen Lösung aufgezeigt. Entgegen dazu wurde der Erhalt des Standortes in der Schweiz für den Schweizer Unternehmer Giorgio Behr stets als strategisches Kernziel formuliert, da Behr mit seinem in der Schweiz ansässigen Behr Bircher Cellpack BBC Konzern über mehr Synergie-Potential in der Schweiz verfügt hätte als dies beim neuen Eigentümer der Fall ist. Im November 2008 erwarb Behr über seine BDS Beteiligungsgesellschaft AG eine Beteiligung von insgesamt 6,36 Prozent am Schweizer Industriekonzern Georg Fischer und wurde damit grösster Einzelaktionär des Unternehmens.
Im November 2009 gab die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) bekannt, dass sie wegen Verdachts auf mögliche Meldepflichtverletzungen im Zusammenhang mit einem namhaften Beteiligungsaufbau an Sia Abrasives ein Verwaltungsverfahren gegen Giorgio Behr und andere eröffnet hat. Am 16. März 2011 erstattete die Finanzmarktaufsicht Strafanzeige gegen Behr beim Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) wegen Verletzung von Offenlegungspflichten. Am 24. Mai 2011 stellte der Rechtsdienst des EFD das Verfahren ein, nachdem Behr eine Wiedergutmachungszahlung von einer Million Franken geleistet hat. Nach Ansicht des Wirtschaftsmagazins Bilanz stellt der Ausgang des Verfahrens klar, dass kein vorsätzlicher Verstoss nachgewiesen werden konnte und es sich höchstenfalls um Fahrlässigkeit handelte.
Als 2008 die Gratiszeitung Schaffhauser Bock in finanzielle Schwierigkeiten geriet und die Arbeitsplätze gefährdet waren, übernahm Giorgio Behr die Verlagsrechte und ermöglichte dem Unternehmer René Steiner eine geordnete Abwicklung seiner Aktivitäten sowie die Rettung der Arbeitsplätze. Heute ist der Schaffhauser Bock, an dem der Verlag Meier + Cie AG (Herausgeber der einzigen Tageszeitung der Region, den Schaffhauser Nachrichten) eine Minderheitsbeteiligung hält, wieder erfolgreich und konnte die Leserzahl von 38’000 (WEMF) wieder auf rund 53’000 steigern.
Giorgio Behr ist verheiratet und Vater von vier Söhnen. Diese sind teilweise bereits unternehmerisch erfolgreich. So Pascal Behr mit seinem Partner Michael Gabi und der Firma Cytosurge; diese hat 2012 den ZKB Pionierpreis Technopark des Technoparks Zürich und der Zürcher Kantonalbank für ein technisches Projekt erhalten. Sein Vermögen wurde 2012 vom Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz auf 450 Millionen Schweizer Franken geschätzt.
Giorgio Behr ist Mitgründer Präsident der gemeinnützigen Stiftung Museumsbahn Stein am Rhein/Etzwilen – Singen. Er hat mit seinem namhaften Beitrag die Instandstellung unter anderem des Bahnhofs Ramsen, der Strecke im Bereich Singen sowie die Anschaffung verschiedener Fahrzeuge ermöglicht. Die SEHR & RS betreibt die einzige Dampfbahn-Strecke der SBB, die von Stein am Rhein via Rheinbrücke Hemishofen über den Rhein und die Landesgrenze nach Singen führt. Am 28. Mai 2011 fuhr dabei erstmals seit 1969 wieder ein Personenzug über die Grenze nach Deutschland. Tausende (insgesamt waren es rund 10’000 Besucher am Eröffnungstag) empfingen den ersten Personenzug seit 1969 – wie in der Gründerzeit 1875.
Als Mitgründer und Hauptgeldgeber für die gemeinnützige Stiftung Nationales Handball Trainings- & Leistungs-Zentrum NHTLZ Schweizersbild engagiert sich Behr ebenso in der Hallensport Förderung in der Grossregion Schaffhausen. Am 9. September 2011 wurde mit der BBC-Arena in Schaffhausen das grösste Handball-Trainingszentrum der Schweiz eröffnet, ein auch europaweit sehr beachteter Komplex mit vier Trainings- und drei Spielhallen, einem Campus sowie einem angegliederten Hotelbetrieb. Ebenso ermöglicht die von Giorgio Behr aufgebaute und von Michael Suter geleitete Suisse Handball Academy SHA jungen Nachwuchstalenten die Möglichkeit, Sport und Ausbildung unter einen Hut zu bringen. Behr ist Präsident des Stiftungsrats der gemeinnützigen Stiftung NHTLZ.
Giorgio Behr war selber mit Gelbschwarz Schaffhausen zu Beginn der 1970er unter Trainer Eugen Wüger Spieler in der NLA (Nationalliga A) und NLB (heute zusammen Swiss Handball League SHL). Nach der Rückkehr zu seinem Stammverein Kadetten Schaffhausen führte er diesen als Spielertrainer und Trainer bis in die NLB (Nationalliga B) und baute eine erfolgreiche Jugendabteilung (unter Präsident und Kadetten-Ehrenmitglied Kurt Baader) auf. Nach einer beruflich und familiär bedingten Auszeit übernahm er 1992 mit einem kleinen Team ehemaliger Spieler, Mitspieler und anderer Kadetten Funktionäre die Handball Abteilung als Präsident. Seither spielen die Kadetten ununterbrochen in der NLA im Schweizer Handball an der Spitze mit. 1993 wurde erstmals die Qualifikation für die Teilnahme am Europacup erreicht, 1999 der Cupsieg und damit der erste nationale Titel gewonnen. Den Meistertitel gewannen die Kadetten erstmals 2005, fünf weitere folgten bis ins Jahr 2012. Heute sind die Kadetten Rekord-Titelhalter sowohl im Supercup als auch im Schweizer Cup und einer der erfolgreichsten Clubs auch bezüglich Meistertitel. Behr war zudem rund 15 Jahre Präsident der Rechtsbehörde für interregionale Ligen (ZDK SHV) und Initiant sowie Mitgründer der Suisse Handball League SHL, dem Zusammenschluss der NLA und NLB Mannschaften im Männer-Handball. Während vier Jahren war er Präsident der SHL und Vertreter im Zentralvorstand des SHV.
Heute ist Behr zudem Präsident der Jury und des Stiftungsrats für die Verleihung des Dr. Kausch-Preises an der Universität St. Gallen. Giorgio Behr ist zudem Mitglied des Stiftungsrats und der Programmkommission von Avenir Suisse. Seit 2006 ist Giorgio Behr Präsident der IVS Wirtschaftskammer der Region Schaffhausen; in dieser Zeit wurden die Aktivitäten der IVS stark ausgebaut.