Heilige Ampulle

In der Heiligen Ampulle (frz. Sainte Ampoule), einem eineinhalb Zentimeter großen Glasfläschchen, wurde in der Kathedrale von Reims bis zum Ende des 18. Jahrhunderts das Chrisam aufbewahrt, das zur Salbung der Könige von Frankreich diente. Bei diesem wesentliches Element der Königserhebung kam die die Ampulle erstmals 1131 bei der Krönungszeremonie König Ludwigs VII. und letztmals 1774 bei der Ludwigs XVI. zum Einsatz.
Während der Französischen Revolution beschloss der Nationalkonvent, die Ampulle, ein Symbol des Gottesgnadentums vernichten zu lassen. Ihre öffentliche Zerstörung erfolgte am 7. Oktober 1793 in Reims durch Philippe Rühl, den Vertreter des Elsaß‘ im Nationalkonvent. Der Inhalt der Ampulle konnte am Tage zuvor in Sicherheit gebracht werden.

Bei der Taufe von Chlodwig I. und seiner Konversion zum katholischen Christentum im Jahre 499 in Reims, der alten Hauptstadt der Belgica Secunda, soll der dortige Bischof Remigius von Reims schon die Ampulle verwendet haben.
Als der Bischof während der Krönung in dem Gedränge in der Kirche von Reims nicht mehr an den Ort gelangen konnte, wo die vorbereiteten heiligen Öle aufbewahrt wurden, soll sich der Himmel geöffnet haben und eine Taube mit der Heiligen Ampulle zu dem Bischof herabgestiegen sein. Mit dieser Legende wurde eine Analogie zur Taufe Jesu im Jordan hergestellt. Bemühten sich andere europäische Monarchien um die Herstellung von Analogien zum alttestamentlichen Königtum – etwa Sauls, Davids oder Salomons –, konnte sich allein Frankreich rühmen, sein Königtum auf einer göttlichen Basis in neutestamentlicher Analogie geschlossen zu haben. Noch im 16. Jahrhundert sprachen die gallischen Theologen von der Person des Königs als einer Monstranz des göttlichen Willens.
Deswegen war die Salbung des Königs auch einer der Hauptbestandteile der Krönungszeremonie – im französischen Sacre genannt. Der Kandidat wurde an Haupt, Händen, Schulter, Genick und Brust gesalbt. Zuvor wurde die Heilige Ampulle in einer feierlichen Prozession von der Abtei Saint-Rémi zu Reims, wo sie im Hochgrab des heiligen Remigius aufbewahrt wurde, in die Kathedrale geleitet.