Jan Kanty Lorek

Jan Kanty Lorek (* 20. Oktober 1886 in Blazejowice, Polen; † 4. Januar 1967 in Sandomierz) war Bischof von Sandomierz.
Geboren in Blaschewitz, Oberschlesien als Sohn von Jan Lorek und Albina geb. Korków, trat er nach dem Schulabschluss in die Kongregation der Missionare vom heiligen Vinzenz von Paul CM in Krakau ein. Nach dem Abitur, studierte er Philosophie und Theologie und wurde am 2. Juli 1911 in der Wawel-Kathedrale von Weihbischof Anatol Novak zum Ordenspriester geweiht. Von 1912 bis 1916 war er Direktor des Instituts für die Waisenkinder, dann wurde er zum Militärdienst eingezogen. Nach dem Ersten Weltkrieg war er als Gebietsmissionar in der Pfarrmission tätig, danach wurde er Provinzial des Ordenshauses in Krakau.
Am 26. April 1936 ernannte ihn Papst Pius XI. zum Weihbischof in Sandomierz. und gleichzeitig zum Titularbischof von Modra. Konsekriert wurde er am 7. Juni 1936, in der Kirche des Heiligen Kreuzes in Warschau, durch Kardinal Aleksander Kakowski dem Erzbischof von Warschau. Noch im gleichen Jahr ernannte ihn der Papst zum Apostolischen Administrator der Diözese Sandomierz. Die offizielle Bischofsernennung erfolgte am 12. März 1946.
Er starb im 81. Lebensjahr, nach 56 Priesterjahren und 31 Jahren im Bischofsamt, seine letzte Ruhestätte fand er in der Krypta der Kathedrale von Sandomierz.

WRB – Dornau bis Neustadt

Die Dampflokomotiven „DORNAU“ bis „NEUSTADT“ waren elf Stück Personenzuglokomotiven der Wien–Raaber (Gloggnitzer) Eisenbahn (WRB).
Da die WRB mit der Leistung der „PHILADELPHIA“, der „LAXENBURG“ und „BADEN“ nicht zufrieden war, bestellte sie elf Stück 1A1-Maschinen bei drei englischen Lokomotivfabriken. Alle Maschinen wurden 1840 geliefert. Die „DORNAU“, „GLOGGNITZ“, „REICHENAU“, „GUTTENSTEIN“, „RAAB“ und „RAUHENSTEIN“ kamen von Stephenson, die „MÖDLING“ von Hawthorn in Newcastle upon Tyne sowie die „VÖSLAU“, „BRÜHL“, „WIEN“ und „NEUSTADT“ von Sharp. Die „WIEN“ wurde bei Ablieferung der „WIEN II“ der Lokomotivfabrik der StEG in „PRESSBURG“ umbenannt. Die Unterschiede in den Dimensionen der einzelnen Lokomotiven sind der Tabelle zu entnehmen.
Die „DORNAU“ explodierte 1843. Alle anderen Maschinen kamen 1853 zur Südlichen Staatsbahn. Die „REICHENAU“, die „RAAB“ und die „RAUHENSTEIN“ kamen 1856 zur Östlichen Staatsbahn und scheinen schon vor 1858 abgestellt worden zu sein. Die „MÖDLING“ wurde 1858, die „GLOGGNITZ“ und die „GUTTENSTEIN“ 1859 ausgeschieden. Die restlichen Maschinen kamen als SB 801–804 zur Südbahn und wurden 1860 ausgemustert.
kkStB: Schnell- und Personenzug- | Güterzug- | Leichte | Schmalspur- | Dampftriebwagen | Schlepptender | Wasserwagen 
BBÖ: Schnell- und Personenzug- | Güterzug- | Leichte | Schmalspur- | Dampftriebwagen | Schlepptender 
ÖBB: Dampflokomotiven | Dampftriebwagen | Schlepptender 
Alte Staatsbahnen: SStB | NStB | ÖStB | SöStB | LVStB | Tiroler StB 
Privatbahnen: KFNB | StEG | ÖNWB / SNDVB | SB
Sonstige: k.u.k. HB

Stiftung Ettersberg

Die Stiftung Ettersberg ist eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Weimar. Die Stiftung dient der deutschen und internationalen wissenschaftlichen Forschung zu Entstehung, Erscheinungsformen und Überwindung von Diktaturen in Europa sowie der Unterstützung von Initiativen zu ihrer geschichtlichen Überwindung. Sie arbeitet die SED-Diktatur wissenschaftlich auf und setzt dies in politische Bildungsarbeit um. Sie verbindet dies mit dem Betrieb der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße Erfurt als Ort des Erinnerns an die Opfer und die Überwindung der SED-Diktatur in Thüringen.

Die Idee zur Gründung der Stiftung Ettersberg geht auf den 2011 verstorbenen spanischen Schriftsteller und Regisseur Jorge Semprún zurück, der als ehemaliger Buchenwaldhäftling erstmals 1994 anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels anregte, den Ettersberg, auf dem das KZ Buchenwald und anschließend das sowjetische Speziallager Nr. 2 errichtet wurden, als Bezugspunkt der doppelten Diktaturerfahrung der Deutschen in europäischer Perspektive fruchtbar zu machen und in den Dienst der demokratischen Entwicklung in Mittel- und Osteuropa und der europäischen Integration zu stellen. 2002 rief der damalige Thüringer Ministerpräsident Bernhard Vogel die Stiftung Ettersberg mit Sitz in Weimar als Stiftung bürgerlichen Rechts ins Leben.
Die Stiftung Ettersberg widmet sich der vergleichenden Erforschung europäischer Diktaturen des 20. Jahrhunderts und ihrer demokratischen Transformation. Sie soll zur historischen Aufarbeitung und der vergleichenden Analyse von Diktaturen faschistischer, nationalsozialistischer und kommunistischer Provenienz sowie autoritärer Regime beitragen, ihre Herrschaftsmechanismen und die sie tragenden Kräfte, aber auch die Bedeutung von Opposition und Widerstand gegen autoritäre und totalitäre Unterdrückung herausarbeiten und die Erinnerung an die Opfer diktatorischer Gewalt wachhalten. Sie soll sich darüber hinaus mit den Problemen der „Bewältigung“ von Vergangenheit, mit Fragen des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie und den Stabilitätsbedingungen freiheitlicher Demokratie beschäftigen.
Die Stiftung Ettersberg arbeitet die SED-Diktatur wissenschaftlich auf und setzt dies in historisch politische Bildungsarbeit um. Sie veranstaltet internationale Symposien, wissenschaftliche Tagesseminare, Workshops sowie Fachtagungen und publiziert deren Beiträge und Ergebnisse in ihren beiden Schriftenreihen Europäische Diktaturen und ihre Überwindung. Schriften der Stiftung Ettersberg und Aufarbeitung Kompakt. Sie entwickelt Ausstellungen, führt Schülerprojekte und Lehrerfortbildungen, Veranstaltungsreihen sowie einen jährlichen Schülerwettbewerb zum Thema „Diktaturerfahrung und demokratische Umbrüche in Deutschland und Europa“ durch.
Seit 2012 ist die Stiftung Ettersberg Trägerin der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Erfurt. Die „Andreasstraße“ ist ein Erinnerungsort, der die zwei Themen Unterdrückung und Befreiung verbindet. Der Ort erinnert an die Opfer der SED-Diktatur in Stasi-U-Haft und zugleich an die Frauen und Männer, die hier 1989 die erste Besetzung einer Stasi-Bezirksverwaltung wagten.
Mit der Trägerschaft der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße als Ort des öffentlichen und individuellen Erinnerns an die Opfer und an die Überwindung der SED-Diktatur fügt sich die Stiftung Ettersberg in die Erinnerungs- und Aufarbeitungsarbeit des Thüringer Geschichtsverbundes ein, der die Aufarbeitung der SED-Diktatur auf zivilgesellschaftlicher Grundlage betreibt.
Leitende Organe der Stiftung Ettersberg sind der Vorstand und der Stiftungsrat. Vorstandsvorsitzender ist Jörg Ganzenmüller (Jena), stellvertretender Vorsitzender ist Volkhard Knigge (Weimar/Jena), Vorstandsmitglied ist Torsten Oppelland (Jena).
Mitglieder des Stiftungsrates sind seit Juli 2014 Karl Schmitt (Vorsitzender), Thomas Deufel (Stellv. Vorsitzender), Klaus Dicke, Hans-Jürgen Döring, Rainer Eckert, Ulrich Grünhage, Karin Kaschuba, Christina Hloucal, Claudia Kraft, Klaus von der Krone, Peter Maser, Franz-Josef Schlichting sowie Robert Traba. Ehrenmitglieder des Stiftungsrates sind Jorge Semprún † und Bernhard Vogel.
Gremien der Stiftung sind der wissenschaftliche Beirat und der Beirat für Aufarbeitung. Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats sind seit 2012 Peter Maser (Vorsitzender), Günther Heydemann, Silke Satjukow, Alexander Thumfart und Joachim von Puttkamer. Mitglieder des Beirats für Aufarbeitung sind seit 2013 Franz-Josef Schlichting (Vorsitzender), Horst Dornieden, Michael Haspel, Andrea Herz, Anna Kaminsky, Frank König, Roland J. Lange, Manfred May, Wolf-Dieter Meyer, Matthias Sengewald, Gabriele Stötzer und Lolo Richard Völker.
In der Schriftenreihe der Stiftung Ettersberg Europäische Diktaturen und ihre Überwindung sind seit 2003 im Böhlau Verlag erschienen:
In der Schriftenreihe der Stiftung Ettersberg Aufarbeitung Kompakt sind seit 2009 erschienen:
Die Stiftung Ettersberg zeigt in ihrer Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße die Dauerausstellung:
Die Stiftung Ettersberg präsentiert vier Wanderausstellungen in verschiedenen Städten Deutschlands und in Polen:

Beatrice von Sachsen-Coburg und Gotha

Prinzessin Beatrice Leopoldine Victoria von Sachsen-Coburg und Gotha, sowie Prinzessin von Großbritannien und Irland VA (* 20. April 1884 in Eastwell Park, Kent; † 13. Juli 1966 in Sanlúcar de Barrameda, Spanien) war ein Mitglied der britischen Königsfamilie und durch Heirat Prinzessin d’Orléans-Bourbon.

Prinzessin Beatrice war die jüngste Tochter von Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha, dem zweitältesten Sohn Königin Victorias, und seiner Ehefrau Großfürstin Maria Alexandrowna Romanowa, Tochter von Zar Alexander II. von Russland. Somit war sie sowohl Mitglied des britischen Königshauses, als auch des deutschen Hauses Sachsen-Coburg und Gotha, und heiratete schließlich in das spanische Königshaus ein. Sie wurde am 17. Mai 1884 vom Pfarrer William Lloyd auf den Namen Beatrice Leopoldine Victoria getauft. Ihren Vornamen erhielt zu Ehren ihrer Tante Beatrice, die eine ihrer Taufpaten war. Leopoldine nach ihrem Onkel Leopold, der rund einen Monat vor ihrer Geburt bei einem Reitunfall starb und Victoria nach ihrer Großmutter väterlicherseits..
Beatrice verbrachte einen Großteil ihrer Jugend auf Malta, wo ihr Vater als Marineoffizier stationiert war. Innerhalb der Familie wurde sie „Baby Bee“ genannt. Nach dem Tod ihres kinderlosen Großonkels, Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha am 22. August 1893, fiel der Titel an Beatrices Vater. Daraufhin zog die Familie in ihr neues Heim nach Coburg.
Im Jahre 1902 hatte Beatrice eine Beziehung mit dem Großfürsten Michail Alexandrowitsch Romanow, jüngerer Bruder des russischen Zaren Nikolaus II. und zu dem Zeitpunkt an erster Stelle der russischen Thronfolge. Eine Ehe kam jedoch nicht zustande, da die orthodoxe Kirche eine Ehe zwischen Cousins ersten Grades verbot. Später hieß es, Beatrice werde König Alfons XIII. von Spanien heiraten. Als dieser jedoch 1906 ihre Cousine Prinzessin Victoria Eugénie von Battenberg heiratete, stellte sich dieses als Gerücht heraus. Auf der Hochzeit sollte Beatrice jedoch ihren zukünftigen Mann, Prinz Alfonso d’Orléans-Bourbon, einen Cousin König Alfonsos, kennenlernen. Das spanische Königshaus war über diese Verbindung jedoch alles andere als erfreut und machte früh klar, dass, wenn es zu einer Ehe kommen sollte, das Paar ins Exil gehen müsse. Die Hochzeit fand am 15. Juli 1909 in Coburg, nach katholischem und protestantischem Ritus statt. Bis das Paar 1912 nach Spanien zurückkehren durfte, lebten Alfonso und Beatrice in Coburg.
Die Ehe König Alfons XIII. war sehr unglücklich, er hatte daraufhin Affären mit anderen Frauen und auch mehrere außereheliche Kinder. So kam es dazu, dass auch Beatrice vorgeworfen wurde, eine Affäre mit dem König zu haben. Obwohl dies nie nachgewiesen wurde, bestand die Mutter des Königs, Königinmutter Maria Christina darauf, Beatrice erneut ins Exil zu schicken. Daraufhin lebte die Familie in England. Das spanische Königshaus lenkte schließlich ein und ihnen wurde gestattet nach Spanien zurückzukehren, wo sie sich in Sanlúcar de Barrameda niederließen.
Die Reaktion der spanischen Bevölkerung auf die durch den König Alfons XIII. geleistete aktive Unterstützung der Militärdiktatur Primo de Riveras führte 1931 zum Zusammenbruch der spanischen Monarchie und zum Verlust eines großen Teils der Besitztümer des spanischen Königshauses. Beatrice und Alfonso verloren ihren Wohnsitz, ihr Sohn Alonso fiel im Spanischen Bürgerkrieg.
Beatrice verstarb am 13. Juli 1966 in Sanlúcar de Barrameda, Alfonso überlebte sie um neun Jahre.

Franz Nader

Franz Nader (* 22. November 1865 in Lindau, Waldviertel; † 21. März 1947 in Wien) war ein österreichischer Gewerkschafter.
Der aus dem Waldviertel stammende Nader erlernte in Wien das Maurerhandwerk. Er schloss sich hier der Arbeiterbewegung an und begründete zusammen mit Theodor Meißner und Franz Siegel die Maurergewerkschaft in Österreich. Im Jahre 1891 übernahm er von Josef Tomaschko die Funktion des Redakteurs der Österreichischen Bauarbeiterzeitung, die er bis 1926 ausübte. Zwischen 1896 und 1919 war Nader als Vertreter der Bauarbeiter Mitglied der Gewerkschaftskommission.
Franz Nader setzte sich für den Zusammenschluss aller Berufsorganisationen der Bauarbeiter in einem einheitlichen Verband ein. Ebenso trat er während der Monarchie entschieden gegen einen tschechischen Separatismus in der Gewerkschaftsbewegung auf. Ein besonderes Anliegen war ihm der internationale Zusammenschluss der nationalen Bauarbeiterorganisationen.
Nader beendete 1931 seine gewerkschaftlichen Funktionen und trat in den Ruhestand.
1955 wurde die Nadergasse in Wien-Favoriten nach ihm benannt.

Olbendorf

Olbendorf (ungarisch Óbér, kroatisch Lovrenac) ist eine Gemeinde mit 1477 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016) im Burgenland im Bezirk Güssing in Österreich.

Die Gemeinde liegt im Südburgenland nordöstlich von Stegersbach an der Verbindungsstraße Stegersbach – Olbendorf – Oberdorf – Unterwart – Oberwart. Die Entfernung nach Stegersbach beträgt zirka 6 km, nach Oberwart zirka 12 km. Olbendorf besteht aus 9 Ortsteilen Bergen, Dorf, Eisenberg, Greiner, Haxbach, Mittermühl, Schoada, Tulmen und Untermühl.
Die Seehöhe der Gemeinde wird amtlich mit 285 m angegeben, was aber nur einen Mittelwert darstellt. Die höchste Stelle liegt im Ortsteil Schoada und erreicht zirka 400 m. Mit einem Flächenausmaß von 1.740 ha ist die Gemeinde Olbendorf eine der größten Streusiedlungen des Burgenlandes. Häuser sind fast auf das ganze Gemeindegebiet zerstreut. Den Chroniken nach ist das schon von jeher so gewesen. Man hat bei klaren Tagen Ausblicke bis auf die Riegersburg in der Steiermark.
Im ungarischen Staatsarchiv wurde Olbendorf als „Castro Olber“ (Schloss Olber) erstmals 1272 urkundlich erwähnt. 1289 wurde die Burganlage von Herzog Albrecht I. erobert. Somit ergibt sich, dass Olbendorf vor 1289 und nach 1291 bis 1468 den Grafen von Güssing gehörte. 1469 schenkte König Matthias Corvinus „Alber oder Alberdorff“ mit verschiedenen anderen Gemeinden dem Adeligen Andreas Baumkirchner. Von 1538 bis 1566 finden wir „Albyr oder Holbendorf“ im Besitz von Longinus von Pukhamar oder Puchhaim, des Burgherren von Schlaining. Von 1566 bis zum Ende der Grundherrschaft waren die Batthyány die Grundherren von Olbendorf. Infolge des Feldzuges von 1605 brannte der Großteil des Dorfes ab.
Auch die Pestepidemie von 1678/79 verschonte das Dorf nicht. Die Revolutionsjahre 1848/49 gingen auch an Olbendorf nicht spurlos vorüber. Der Zehent wurde abgeschafft und die Grundfreiheit verfügt.
Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Óbér verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
Beide Weltkriege forderten große Opfer unter der Bevölkerung. Im April 1945 kamen erste sowjetische Soldaten nach Olbendorf, viele Gebäude wurden zerstört bzw. schwer beschädigt. Nach dem Ende des Krieges begann der Wiederaufbau. Wichtige Straßen wurden asphaltiert, die Elektrifizierung wurde bis 1950 für das gesamte Gemeindegebiet angeschlossen. In allen Ortsteilen wurde die Wasserleitung ausgebaut bzw. teilweise neu errichtet.

Bürgermeister ist Wolfgang Sodl von der SPÖ und Vizebürgermeister ist Florian Ohrenhofer ebenfalls von der SPÖ.
Die Mandatsverteilung (21 Sitze) in der Gemeindevertretung ist SPÖ 18, ÖVP 3. FPÖ, Grüne und andere Listen sind nicht im Gemeinderat vertreten.
Im Gegensatz zu vielen anderen burgenländischen Gemeinden wuchs die Einwohnerzahl in den letzten 30 Jahren ständig an. Der hohe Anteil an Zweitwohnsitzen ist durch die große Anzahl von Pendlern bedingt, die zum Großteil in Wien arbeiten, sich aber in ihrer Heimatgemeinde ein Wohnhaus errichten.
Das Straßennetz verfügt über mehr als 100 km befestigte Güterwege, davon rund 50 km asphaltierte Gemeindestraße. In den letzten Jahren konnte das über 22 km lange Kanalnetz bis zur Kläranlage in Glasing bei Güssing fertiggestellt werden. Gemeinde- und Standesamt, Volksschule, Kindergarten und Raiffeisenbank sowie ein ortsansässiger praktischer Arzt bilden eine gute Infrastruktur. 1993 wurde ein großes Bauvorhaben, die Mehrzweckhalle, verwirklicht. In Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Olbendorf errichtete die Gemeinde ein neues Feuerwehrhaus. Die Fertigstellung erfolgte 1997. Die Volksschule wurde ebenso saniert. Seit dem Frühjahr 2001 gibt es in Olbendorf die Möglichkeit, eine Wohnung der Oberwarter Siedlungsgenossenschaft zu besitzen. Der Wirtschaftshof mit Abfallsammelstelle wurde 2002 eröffnet. Im Jahre 2003 wurde das renovierte Gemeindeamt inkl. Startwohnungen und Shops eröffnet.

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Rudolf (Musical)

Rudolf – Affaire Mayerling ist ein Musical über das Leben des österreichischen Kronprinzen Rudolf, Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn.
Die Melodien stammen von Frank Wildhorn, die Texte schrieb Jack Murphy nach einer Idee von Phoebe Hwang. Die Arrangements besorgte Koen Schoots, die Orchestrierung stammt von Kim Scharnberg. Ergänzende Texte stammen von Nan Knighton. Einzelne Motive folgen dem Buch Ein letzter Walzer von Frederic Morton.

Die Uraufführung fand am 26. Mai 2006 im Operett Színház in Budapest unter dem Namen Rudolf – the last kiss (dt. Rudolf – Der letzte Kuss) statt. Für die ungarischen Texte sorgten Gergely Zöldi, Miklós Gábor Kerényi und Szilárd Somogyi. Die gleiche Produktion lief im Sommer 2006 bei den ungarischen Freilichtspielen Szegedi Szabadtéri Játékok. Die Premiere dort war am 28. Juli 2006.
Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 26. Februar 2009 im Raimundtheater in Wien unter dem Titel Rudolf – Affaire Mayerling statt.
Die Originalrechte des Stückes liegen bei den Vereinigten Bühnen Wien. Das Stück wurde noch unter Rudolf Klausnitzer in Auftrag gegeben. Ziel war es, den Schwerpunkt der VBW auch in Zukunft bei den Eigenproduktionen zu setzen. Das Erfolgskonzept eines Stücks über die Geschichte einer tragischen österreichischen Figur, kombiniert mit moderner Musik und Tanz, das schon in der Musicalproduktion Elisabeth das Publikum bewegt hatte, sollte hier fortgeführt werden.
In ihren Gemächern in der Wiener Hofburg bereiten sich Kronprinz Rudolf und seine Gemahlin Kronprinzessin Stephanie, deren Verhältnis zueinander sehr gespannt ist, auf die Einweihung des neuen Hof-Burgtheaters, zu Ehren des vierzigsten Jahrestages der Regentschaft seiner Majestät Kaiser Franz Joseph, vor (Hofburg, Oktober 1888). Während die Ehrengäste die Wunder des Fortschritts preisen, der es möglich macht, dass das Burgtheater im Glanz des neuen elektrischen Lichtes erstrahlt, macht das einfache Volk, von den hinteren Reihen aus, seiner Wut und Verzweiflung lautstark Luft. Auf der Gala trifft Rudolf unter anderen auch auf Ministerpräsident Eduard Graf Taaffe, den engsten Vertrauten des Kaisers. Als erzkonservativer Traditionalist ist er einer der stärksten Rivalen des liberal gesinnten Kronprinzen. Ihre Begrüßung fällt zwar höflich- aber auch entsprechend kühl und distanziert aus (Hofburgtheater: Vorhang auf 1). Die Operette, die anlässlich der Eröffnung gezeigt wird, wird durch ein Arbeitermädchen unterbrochen, das auf die Bühne stürmt und sich vor den Augen des entsetzten Publikums erschießt (Hofburgtheater: Vorhang auf 2 (Enthält kurze Operetten-Version von „Wiener Schmäh“)). Außer Rudolf und Graf Taaffe, der bereits die Beseitigung dieser “Unannehmlichkeit“ angeordnet hat, läuft auch eine junge Frau zu der Toten, Mary Baroness Vetsera. Auf des Prinzen bestürzte Frage „Warum nur?“, antwortet sie: „Manchmal ist es besser, sofort zu sterben, als jeden Tag ein bisschen.“ (Prolog: Wie jeder and’re Mann)
Am nächsten Morgen in der Hofburg erregt sich der Kaiser über diese Störung seiner Jubiläumsfeierlichkeiten, beinahe noch mehr aber über die oppositionellen Zeitungsartikel eines geheimnisvollen Journalisten namens Julius Felix, dessen “liberale Torheiten“ er auch an seinem Sohn zu erkennen glaubt (Kabinettsaal). Rudolf versucht, ihm seine Ideen und Vorschläge für eine moderne Monarchie verständlich zu machen, doch sein Vater will von Veränderungen nichts hören (Du will nicht zuhör’n). Nicht nur die Krone beschäftigt sich mit Julius Felix. Mary Vetsera verschlingt seine Artikel geradezu und sieht in ihm einen Seelenverwandten, während ihre Tante, Gräfin Larisch versucht, sie zu einer Vermählung mit dem Herzog von Braganza zu überreden, um die finanzielle Sicherheit der Familie zu gewährleisten (Wiener Schmäh). Zudem gibt sie ihr einige “wertvolle Tipps“ wie man einem Mann gehörig den Kopf verdrehen kann und führt sie in eine Boutique um sie auch gleich passend aus zu staffieren (Ein hübscher Krieg). Mary sehnt sich nach einem Seelenverwandten (Marys Lied). Kurz darauf findet in der Hofburg ein Ball zu Ehren des neuen deutschen Kaisers, Wilhelm II. statt (Der Ball). Auf diesem treffen Rudolf und Mary erneut aufeinander. Trotz anfänglicher Reserviertheit tanzen sie miteinander und letztendlich ist Mary überrascht und angetan, als sich herausstellt, dass auch der Kronprinz die Artikel von Julius Felix kennt- und sogar auswendig zitieren kann. Später am Abend führt Rudolf seinen Cousin Edward, Prince of Wales, und Wilhelm II. in den Salon Apokalypse, wo man sich “privateren Vergnügungen“ hingibt (Salon Apokalypse). Während die beiden sich glänzend mit den hübschen Damen amüsieren, wirkt Rudolf desinteressiert und abwesend. Er ist in Gedanken bei Mary, welche in Gedanken bei ihm ist (So viel mehr).
Inzwischen ist aber auch Ministerpräsident Graf Taaffe nicht untätig geblieben. Er hat Moriz Szeps, den Herausgeber jener Zeitung, in der die Julius Felix-Artikel erscheinen, in sein Büro zitiert und gibt ihm nun den “guten Rat“, künftig auf den Druck solcher Texte zu verzichten (Taaffes Büro/ Die strahlende Zukunft). Als Unterstreichung dieser Aufforderung findet Szeps seine Redaktion bei seiner Rückkehr völlig verwüstet vor (Redaktion Wiener Tagblatt). Während er noch zusammen mit dem ungarischen Grafen Andrássy, dem französischen Politiker Clemenceau und dem Anwalt Vogelsang zwischen den Trümmern steht, stoßen der Kronprinz und der Prince of Wales zu ihnen. Gemeinsam planen sie, Europa ein neues politisches Angesicht zu geben und in einem Dokument ein neues Bündnis ohne Preußen zu besiegeln. Rudolf zögert aber und hält, trotz inständigen Zuredens seiner “Mitverschwörer“, vorerst seine Unterschrift zurück ((Es ist) Zeit zu handeln/ Wohin führt mein Weg?). Kurz nachdem alle, bis auf Rudolf, gegangen sind, erscheint Mary, die eine Annonce aufgeben möchte, in der sie Julius Felix um ein persönliches Treffen bittet. Ihr Wunsch wird ihr postwendend erfüllt, als sich Rudolf zu seinem Alter Ego bekennt. Sie gehen zusammen Eislaufen (Eislaufverein (Tralala)/ In dem Moment, als ich dich sah)
Einige Tage später muss Rudolf mitanhören wie Kaiser Franz Joseph und Graf Taaffe über die Erneuerung des Bündnisses mit Preußen diskutieren. Außerdem äußert der Ministerpräsident den Verdacht, dass der Kronprinz und Julius Felix ident sein könnten (Konferenzzimmer). Als Rudolf und Mary sich wieder sehen, will er sie vor den Gefahren warnen, die auch ihr drohen würden, sollte man seinen heimlichen politischen Machenschaften auf die Schliche kommen. Ehe er aber dazu kommt, ermutigt sie ihn, seinen Kurs weiter zu verfolgen und sagt ihm, dass sie ihm beistehen wird, was auch passieren möge (Prater – Vertrau in Uns).
Rudolf wird von schrecklichen Albträumen geplagt. Er sieht Ministerpräsident Graf Taaffe wie er den Kaiser und die gesamte Bürokratie manipuliert und als die eigentliche Macht hinter der Krone jeden, der seinen Einfluss gefährden könnte, als “Rebellen“ hinrichten lässt. Als auch Mary gehängt wird, schreckt er laut ihren Namen schreiend hoch (Die Fäden in der Hand). Mary wacht, ebenfalls erschrocken, auf und beruhigt Rudolf. Während Mary sich ankleidet, da die Sonne bereits aufgeht, schenkt Rudolf ihr einen Ring mit der Gravur „In Liebe vereint bis in den Tod“ und hängt ihn ihr, mit dem Versprechen, sie eines Tages nach Mayerling zu bringen, wo sie ihn offen wird tragen können, an einer Goldkette um den Hals. Gerade als Mary sich von des Prinzen stürmischen Abschiedskuss lösen will, platzt Kronprinzessin Stephanie ins Schlafgemach. In der folgenden Auseinandersetzung mit Rudolf macht Stephanie mit Nachdruck ihren Standpunkt klar, dass, egal wie viele Geliebte er sich nehmen wird, sie trotzdem eines Tages an seiner Seite auf dem Thron sitzen- und irgendwann die letzte Ruhe mit ihm teilen wird (Du bleibst bei mir!).
Einige Tage später lässt der vor Wut tobende Kaiser Rudolf zu sich rufen. Dieser konfrontiert ihn mit einem Schreiben, dass der Kronprinz an den Papst gesandt hat und in dem er ihn um die Annullierung seiner Ehe mit Stephanie bittet. Als Rudolf sich den Argumenten des Kaisers gegenüber sperrt und sogar erklärt, dass er Mary heiraten- und legitime Kinder mit ihr haben möchte, droht Franz Joseph ihm unverhohlen, dass er sie und ihre ganze Familie ins Unglück stürzen würde, sollte Rudolf sich nicht fügen. Zudem verbietet ihm der Monarch sämtliche öffentlichen Auftritte (Wie jeder and’re Mann). Rudolf verzweifelt über seine Bürde, Kronprinz zu sein und sucht Vergessen im Alkohol und im Salon Apokalypse (Wiener Schmäh (reprise)/ Mein süßer Held). Dort muss er aber zu seiner größten Überraschung Mary unter den “ehrenwerten Damen“ entdecken. Sie erklärt ihm, dass sie ihm aus Liebe überallhin folgen würde, selbst in ein Etablissement wie dieses, wenn er sich denn hier wohl fühlt. Über sein Selbstmitleid sagt sie ihm, „dass es Zeit sei, nicht mehr den Prinzen zu spielen, sondern ein Prinz zu sein.“ (Mut zur Tat) Mit neuem Mut erfüllt, betritt Rudolf die Ehrentribüne, auf der Graf Taaffe eben die Eröffnungsrede anlässlich der Industriellen Ausstellung halten wollte, und schwingt sich zu einer feurigen Ansprache auf. Seine Rede von Frieden, Fortschritt und Wandel wird mit begeistertem Enthusiasmus aufgenommen (Der Weg in die Zukunft). Unter den Zuhörern befindet sich auch Gräfin Larisch, die sich große Sorgen um den jungen Prinzen macht (Die Liebe lenkt).
Währenddessen trifft Mary in der Wiener Augustinerkirche auf Stephanie. Sie reden vorerst offen, doch angespannt. Stephanie erzählt Mary, wie es ist, mit Rudolf zu leben und wie er ist. Sie warnt Mary vor der Beziehung mit Rudolf und sagt, dass sie vor den Konsequenzen ihres Handelns nicht wird flüchten können (Augustinerkirche).
Graf Taaffe ist über den belebenden Einfluss Marys auf Rudolf ganz und gar nicht begeistert. Er lässt sie in sein pompöses Büro holen (Die Fuchsfalle) und bietet ihr eine großzügige Summe und ein Anwesen fernab von Wien für sie und ihre Familie, wenn sie sich künftig vom Kronprinzen fernhält. Als sie sein Angebot ausschlägt beginnt er offen zu drohen, doch auf Mary macht dies keinen Eindruck. Sie behauptet sich gegen den Ministerpräsidenten und betont einmal mehr, dass sie Rudolf überallhin folgen wird (Wenn das Schicksal dich ereilt). Rudolf hat Gräfin Larisch inzwischen einen Brief für Mary überreicht, in dem er sie bittet fort zu gehen, da er im Begriff ist, Dinge zu tun, die für ihn und auch für sie lebensgefährlich werden könnten (So viel mehr (Reprise)).
Die Ereignisse spitzen sich zu: Rudolf hat das neue Abkommen unterschrieben und übergibt es, in einer roten Kassette verwahrt, dem Anwalt Vogelsang. Dieser aber bringt den Bündnisvertrag direkt zu Ministerpräsident Graf Taaffe, welcher ihn seinerseits direkt an den Kaiser weiterreicht (Zeit zu Handeln (Reprise)). Der erschütterte Kaiser bestellt Rudolf zu sich. Als er eintritt und die rote Kassette erblickt, in der der Kaiser eben die “neue Verfassung für Europa“ verbrennt, muss er erkennen, dass er verraten wurde. Franz Joseph sagt sich von Rudolf als Thronfolger los und befiehlt ihm, sich noch am selben Abend in preußischer Uniform in der Deutschen Botschaft einzufinden. Nachdem der Kaiser sich zurückgezogen hat, übergibt Graf Taaffe Rudolf mit einer zynischen Bemerkung Marys Abschiedsbrief, dem auch der Ring beigelegt ist.
Rudolf stürzt in der Hoffnung zum Bahnhof, Mary zu erreichen, ehe der Zug abfährt, doch er kommt zu spät. Plötzlich tritt sie aber aus dem Dampf der Lokomotive hervor. Gemeinsam begeben sie sich nach Mayerling. Im Schlafgemach steckt Rudolf Mary den Ring an den Finger und gemeinsam löschen sie die Kerzen (Du bist meine Welt/ Vertrau in uns (Reprise)). In der Stille und Dunkelheit fallen zwei Schüsse.
I. Akt
II. Akt

Jekyll & Hyde | Svengali | Victor/Victoria | The Scarlet Pimpernel | The Civil War | Camille Claudel | Dracula, the Musical | Rudolf | Never Say Goodbye | Der Graf von Monte Christo | Cyrano de Bergerac | Bonnie and Clyde | Wonderland | Artus – Excalibur

Daniela Solin-Stojanovic

Daniela Solin-Stojanovic (* 1. Mai 1946 in Berlin) ist eine deutsche Juristin, die von 1995 bis 2011 Richterin am Bundesgerichtshof war.
Nach Studium und Referendariat begann Daniela Solin-Stojanovic 1973 ihre juristische Karriere in ihrer Geburtsstadt. Sie war zunächst als Staatsanwältin, als Strafrichterin beim Landgericht Berlin und beim Amtsgericht Tiergarten eingesetzt, bevor sie 1976 zur Richterin am Landgericht Berlin ernannt wurde. Als Richterin am Landgericht war sie einer Wirtschaftstrafkammer zugeordnet. Sie wurde 1980 hauptamtlich an das Justizprüfungsamt des Landes Berlin abgeordnet. Bis 1986 war sie im Justizprüfungsamt tätig. Während der Abordnung wurde Solin-Stojanovic 1982 zur Richterin am Kammergericht ernannt. 1986 wurde sie Vorsitzende Richterin am Landgericht Berlin. Sie saß zunächst einer allgemeine Strafkammer, danach einer Schwurgerichtskammer vor und war in der Gerichtsverwaltung tätig.
1995 wurde Daniela Solin-Stojanovic zur Richterin am Bundesgerichtshof ernannt. Sie gehörte in ihrer Zeit am Bundesgerichtshof dem unter anderem mit Verkehrsstrafrecht befassten 4. Strafsenat an. Zusätzlich war sie 1997 bis 2006 Beisitzerin im Dienstgericht des Bundes und wurde ab 1998 als stellvertretendes Mitglied in den Gemeinsamen Senat der obersten Gerichtshöfe des Bundes entsandt. Mit Ablauf des Monats April 2011 trat sie altersbedingt in den Ruhestand.

Pfarrkirche Maria vom Berge Karmel (Wien)

Die Pfarrkirche Maria vom Berge Karmel ist eine syrisch-orthodoxe Kirche im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten am Stefan-Fadinger-Platz 1. Die Kirche war von 1937 bis 2015 römisch-katholische Pfarrkirche, zudem bis 2003 Karmeliterkirche und anschließend Heimatkirche der Philippinischen Gemeinde Wien.

Im Jahr 1886 kamen die ersten Karmeliten aus der Neuen Welt nach Österreich, wo sie zunächst bis 1922 in Maria Taferl wirkten. Von dort aus gründeten sie die Klöster Zedlitzdorf in Kärnten und Kirchwiedern in Mähren. 1904 wurde der Orden nach Wien gerufen und wirkte ab 1906 im Ottakringer Villenviertel, bis 1915 nach langwierigen Verhandlungen der Grund am heutigen Stefan-Fadinger-Platz zur Errichtung einer Kirche angekauft werden konnte. Diese in der damals noch weglosen Wildnis erbaute hölzerne Notkirche wurde am 8. September 1916 zu Ehren der Mutter vom heiligen Skapulier geweiht, fiel jedoch bereits am 2. Jänner 1928 einem Brand zum Opfer. Nur das einige Jahre zuvor erbaute Kloster konnte weitgehend gerettet werden. Als durch diese Umstände ein Neubau notwendig wurde, plante Architekt Hans Prutscher diesen nach amerikanischem Vorbild als eine Unter- und Oberkirche. Erstere wurde rasch fertig und konnte bereits am 22. Dezember 1929 geweiht werden.
Zu den Aufgaben der dort wirkenden Ordensleute gehörte u.a. der Seelsorgedienst im Triesterspital und der Einsegnungsdienst am von der Kirche weit entfernten Zentralfriedhof. Während dieser Zeit spielte P. Telephorus Hardt eine tragende Rolle, indem er durch viele Jahre als Prior dem Wiener Konvent der Karmeliten vorstand. In diesem Zusammenhang wurde er – als am 1. Jänner 1937 die Erhebung zu Pfarrkirche erfolgte – der erste Pfarrer der neu geschaffenen Pfarrgemeinde. Zu diesem Zeitpunkt wies nur das über der Unterkirche aufgestellte Stahlskelett auf die noch zu bauende Oberkirche hin, die erst am 30. August 1942 von Kardinal Innitzer konsekriert werden konnte. Nachdem die nationalsozialistischen Machthaber alle Vereine der Kirche verboten und aufgelöst hatten, diente die Unterkirche als Luftschutzkeller. Am 21. Februar 1945 fiel die Kirche einem Bombenangriff zum Opfer, wobei 140 Menschen ums Leben kamen.
Der nach Kriegsende begonnene Wiederaufbau mündete nach der Wiederherstellung von Kuppel und Dach 1951 in die Weihe der Unterkirche. Die Errichtung der Oberkirche und des Turmes begannen 1957 und erfolgten nach Plänen von Helene Koller-Buchwieser. Diese Arbeiten wurden am 22. Juni 1958 abgeschlossen, worauf die Kirche von Erzbischof Franz Jachym benediziert werden konnte. Die Konsekration der Kirche auf den Titel der Allerseeligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel wurde nach Vollendung des Altarraumes am 8. April 1962 vorgenommen.
1965 wurden die Kirchenfenster erneuert und im Herbst des gleichen Jahres der Aufbau des Glockenturmes begonnen. Am 7. November fand die Turmkreuzweihe statt und am 15. Mai 1966 war mit der Glockenweihe der Wiederaufbau der Kirche abgeschlossen.
1966 wurde das Presbyterium aus liturgischen Gründen umgestaltet und 1996 nochmals aktualisiert.
Im August 2003 wurde der Karmeliterkonvent aufgelöst – der Orden übergab die Pfarrseelsorge an die Erzdiözese Wien, blieb aber Eigentümer der Pfarrgebäude. Die Erzdiözese holte in der Folge die Wiener philippinische Gemeinde nach Maria Karmel.
Im September 2014 verkaufte der Karmeliterorden Kirche und Kloster an die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien. Die bestehende katholische Pfarre wurde mit 1. Jänner 2015 aufgelöst, während in der ehemaligen Karmeliterkirche ab sofort syrisch-orthodoxe Gottesdienste abgehalten werden sollen.
Die katholische Gemeinde soll sich in die Pfarre Zu den hl. Aposteln integrieren, mit der das Pfarrgebiet fusioniert wurde. Im Laufe des Jahres 2015 soll es zu weiteren Fusionierungen kommen, sodass die neue Pfarre Christus am Wienerberg entsteht.
Im Frühjahr 1964 wurde eine Orgel der Firma Walcker aufgestellt. Das Schleifladen-Instrument hat 18 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.
Evangelische Kirchen A.B.: Christuskirche im Friedhof Matzleinsdorf | Gnadenkirche | Thomaskirche
Evangelische Kirchen H.B.: Erlöserkirche
Orthodoxe Kirchen: Maria vom Berge Karmel
Römisch-katholische Kirchen: Heiliger Ägydius Oberlaa | Antonskirche | Dreifaltigkeitskirche | Dreimal Wunderbare Muttergottes | Emmaus am Wienerberg | Zur Heiligen Familie | Franz-von-Assisi-Kirche Rothneusiedl | Heiliger Franz von Sales | Johanneskirche Unterlaa | Pfarrkirche Johannes Evangelist am Keplerplatz | Katharina-von-Siena-Kirche | Zum Heiligen Kreuz | Königin des Friedens | Salvator am Wienerfeld | St. Paul Per-Albin-Hansson-Siedlung Ost | Salvatorianerkirche zu den heiligen Aposteln | Unserer Lieben Frau vom Allerheiligsten Sakrament
48.16599316.357457Koordinaten: 48° 9′ 58″ N, 16° 21′ 27″ O

Richard Robinow

Richard Robinow (* 14. Juni 1867 in Hamburg; † 16. November 1945 in London) war ein deutscher Rechtsanwalt.

Richard Robinow war ein Sohn von Johannes Adolph Robinow (1838–1897), der wie sein Großvater Siegmund Robinow dem jüdischen Großbürgertums Hamburgs angehörte. Beide waren Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft. Richard Robinow besuchte das Johanneum und studierte danach Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen. Dort wurde er 1892 promoviert. Anschließend ging er an die Universität Berlin, wo er 1895 das zweite juristische Staatsexamen absolvierte. Anschließend kehrte er in seine Geburtsstadt zurück, wo er gemeinsam mit Paul Rauert eine Sozietät gründete. Die Tätigkeit als Anwalt übte er bis zum 30. November 1938, an dem er mit einem Berufsverbot belegt wurde, aus. Da er während des Ersten Weltkriegs Kriegsdienst geleistet hatte und die Kanzlei bereits seit 1895 bestand, erhielt er, basierend auf dem Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft, eine Ausnahmegenehmigung, die jedoch vorsah, Paul Rauert 1936 aus der Sozietät auszuschließen.
Im Rahmen der Novemberpogrome 1938 wurde Richard Robinow am 10. November 1938 festgenommen und im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Dank des Einsatzes von Gerd Bucerius konnte er das KZ verlassen. Robinow, der innerlich zerrissen und mittlerweile mittellos war, verließ mit einer Ehefrau und einem seiner Söhne Hamburg im Juni 1939 gen England. Dort verstarb er im November 1945.
Robinow engagierte sich in berufsständischen Organisationen und arbeitete früh bei den Vereinigten Liberalen mit. Außerdem betätigte er sich ehrenamtlich in mitunter leitenden Funktionen der Gesellschaft Hamburger Bibliophiler, im Öffentlichen Bücherhallenverein, Verband Geistiger Arbeiter, im Mietehülfsverein, im Bürgerverein von Hohenfelde, in der Gotthold Salomon Stipendienstiftung sowie der Henriette Salomon-Stiftung. Außerdem sammelte Robinow Kunst von Edvard Munch und Hamburger Malern. Gemeinsam mit Gustav Schiefler und Henry P. Newman rief er die Graphische Ausstellung ins Leben, die 1904 in der Hamburger Kunsthalle stattfand.
Von 1918 bis zum 18. April 1933 gehörte Robinow dem Vorstand der Hanseatischen Anwaltskammer an und war bis zum April 1933 auch für viele Jahre Vorsitzender des Hamburgischen Anwaltsvereins. Außerdem war er Schriftführer des Deutschen Anwaltsvereins und hatte den Vorsitz der Juristischen Lesegesellschaft inne. Die Posten in Anwaltskammer und -verein musste er unmittelbar nach der Machtergreifung niederlegen.
Robinow arbeitete seit 1905 im Vorstand der Vaterstädtischen Stiftung mit und beteiligten sich zunächst in deren Baukommission und später als juristischer Vertreter. Die Stiftung umfasste 20 Wohnstifte, von denen 13 nur für Mitglieder der jüdischen Gemeinde zur Verfügung standen. Nach der Machtergreifung konnte Robinow anfangs noch neue Steuern verhindern, die die Existenz der Wohnstifte gefährdete. Er konnte jedoch nicht verhindern, dass die Wohnungen schrittweise „arisiert“ wurden. Im Oktober 1938 musste Robinow den Vorstand verlassen.
Außerdem engagierte sich Robinow im Reichsverband christlich-deutscher Staatsbürger nichtarischer oder nicht rein arischer Abstammung.
Seit Anfang der 1950er Jahre erinnert eine Gedenktafel am Martin Brunn-Stift in der Frickestraße 24 in Hamburg-Eppendorf an Richard Robinow.