Louis Levin

Louis Levin (* 23. März 1865 in Tost Schlesien; heute Toszek; † 23. September, unsicher 1939 in Berlin) war ein deutscher Jurist jüdischer Herkunft.

Er war Sohn eines Lehrers und wurde in der israelitischen Religion erzogen. Darüber, ob er später zum lutherischen Glauben übertrat oder „Glaubensjude“, wie ihn die Nationalsozialisten bezeichneten, blieb, gibt es unterschiedliche Angaben. Seit 1878 besuchte er das Gymnasium in Chemnitz, seit 1881 das in Bad Kreuznach, wo er 1884 sein Abitur ablegte. Er studierte anschließend Rechtswissenschaften an den Universitäten Breslau und Berlin. 1887 wurde er an der Berliner Juristischen Fakultät mit einem handelsrechtlichen Thema promoviert. 1899 legte er beim Kammergericht die zweite juristische Staatsprüfung ab. Danach wurde er Gerichtsassessor im preußischen Justizdienst und wurde an mehreren Gerichten verwendet. Ab 1899 war er Amtsrichter im schlesischen Sorau. Ab 1906 war er am Amtsgericht Berlin-Schöneberg tätig. In dieser Zeit erschienen mehrere Veröffentlichungen. Insbesondere seine 1913 erschienene Monographie „Richterliche Prozeßleitung und Sitzungspolizei in Theorie und Praxis“ stieß auf breites Interesse und wurde hochgerühmt. 1919 wurde er Kammergerichtsrat.
1922 wurde er Präsident des Oberlandesgerichts Braunschweig, nachdem sein Vorgänger Hans Wolf nach Herabsetzung der gesetzlichen Altersgrenze in der Ruhestand verabschiedet wurde. Die Braunschweiger Justizkreise nahmen den Auswärtigen nicht gerne auf und er blieb dort zeit seines Wirkens gesellschaftlich isoliert. Anlässlich seiner Amtseinführung wurden Vorwürfe laut, er wäre nur mit Rücksicht auf seine politische Gesinnung an den Posten gekommen.
Rechtspolitisch wirkte Levin in Braunschweig vor allem auf dem Gebiet der Juristenausbildung. Zudem entwickelte er ein Interesse für das Sozialrecht und übernahm darin seit 1923 als außerordentlicher Professor Vorlesungen an der Technischen Universität Braunschweig. Er galt zudem als einer der führenden Praktiker in den Fragen des Zivilprozessrechts. So wurde er schon 1920 Mitglied der Kommission im Reichsjustizministerium zur Reform der Zivilprozessordnung. Der fortschrittliche Gesetzentwurf von 1931, der insbesondere die soziale Auffassung vom Wesen der Zivilprozesses betonte, wurde allerdings nie Gesetz.
Später geriet er in Konflikt mit dem sozialdemokratischen braunschweigischen Justizminister Hans Sievers. Um Levin loszuwerden setzte die Landesregierung abermals, wie schon im Falle seines Vorgängers, die gesetzliche Altersgrenze für Richter auf nunmehr 65 Jahre herunter, so dass Levin kurz darauf am 1. Juli 1930 in den Ruhestand treten musste. Er kehrte nach Berlin-Schöneberg zurück. Seine letzte wissenschaftliche Veröffentlichung erschien 1933. Über sein weiteres Schicksal ist kaum etwas bekannt. Sein Tod wurde lediglich beim Standesamt Berlin beurkundet. Die Todesursache ist unbekannt.
Er war Mitglied der DDP und des Republikanischen Richterbundes in dessen Zeitschrift „Die Justiz“ er viele seiner Aufsätze veröffentlichte. Trotz seines beachtlichen rechtswissenschaftlichen Schaffens war er jahrelang nahezu vollständig vergessen. In Braunschweig existierte nach dem Krieg keine Personalakte mehr über ihn und auch Fotos von ihm existieren nicht mehr. Erst einer seiner Nachfolger, Rudolf Wassermann, entdeckte ihn wieder. Levin war neben Wassermann der einzige Braunschweiger Oberlandesgerichtspräsident, der von außerhalb geholt wurde und ebenfalls neben Wassermann der einzige, der in größerem Umfang rechtswissenschaftlich veröffentlicht hat.

Anniyya

Die Anniyya (auch Ania, Annia) sind eine Untergruppe der Oromo, der größten ethnischen Gruppe in Äthiopien. Sie leben in der Umgebung des Berges Gara Muleta im Nordosten der Region Oromia.
Die Anniya waren eine von drei Untergruppen der Barentuma-Oromo (neben den Ittuu und den Afran Qallu), die im 16. Jahrhundert von Bale weiter nach Nordosten nach Harerge wanderten. Diese drei Gruppen hatten zunächst in Odaa Bultum ein gemeinsames politisches und religiöses Zentrum (cheffe oder chaffee), wo alle acht Jahre Vertreter von ihnen zusammenkamen, um die Gesetze für die kommenden acht Jahre zu beschließen. Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts trennten sich die Anniyya jedoch diesbezüglich von den anderen und etablierten ihr eigenes chaffee in Burqa Tirtira in ihrem Gebiet.
Während Ittuu und Afran Qallu im 17. und 18. Jahrhundert sesshafte Bauern wurden, blieben die Anniyya bis in das 19. Jahrhundert hinein reine Viehzüchter. Ihr Gebiet bietet gutes Weideland, erhält ausreichend Regen und ist von den größeren Flüssen Ramis und Moǧǧo sowie mehreren Nebenflüssen des Shabelle durchzogen. Das Gebiet ist zudem reich an Wild, und traditionell jagten junge Anniyya-Männer u.a. Elefanten, Löwen und Büffel. Es gibt nur wenige Städte im Anniyya-Gebiet, und Bildung, gesundheitliche Versorgung, Transport- und Kommunikationswesen entwickelten sich langsamer als bei den anderen Oromo-Gruppen.
Die Oromo-Befreiungsfront begann ihnen bewaffneten Kampf 1976 im Anniyya-Gebiet. Von den Oromo in Harerge waren die Anniyya am stärksten vom Ogadenkrieg 1977–78 und von den Aufstandsbekämpfungsmaßnahmen des äthiopischen Staates betroffen.
Die Anniyya sind in zwei Untergruppen mit weiteren Unterteilungen aufgeteilt:
Nachbarn der Anniyya sind die Arsi-Oromo im Süden, die Ittuu im Westen, die Afran Qallu im Norden und die Somali im Osten.

Thomisus onustus

Thomisus onustus
Thomisus onustus ist eine Spinnenart aus der Familie der Krabbenspinnen und in Europa die einzige Art der Gattung Thomisus. Sie ist in Mitteleuropa lückenhaft verbreitet und nicht häufig.

Die Art ist durch die spitz ausgezogenen Hinterecken des Hinterkörpers (Opisthosoma) und die auf einer rechts und links vorspringenden Vorderkante des Vorderkörpers (Prosoma) liegenden Seitenaugen in Mitteleuropa unverwechselbar.
Thomisus onustus zählt zu den großen Krabbenspinnen Mitteleuropas. Dies gilt jedoch nur für die Weibchen, denn die Art zeigt einen extremen Geschlechtsdimorphismus bezüglich Größe und Färbung, der noch größer ist als bei der ähnlichen Veränderlichen Krabbenspinne. Männchen erreichen nur eine Körperlänge von 2,0-3,6 mm, während die Weibchen 7,0-9,8 mm lang sind. Das Männchen hat einen einfarbig gelbbraunen bis dunkelbraunen Vorderkörper (Prosoma); der Hinterkörper (Opisthosoma) ist ebenfalls einfarbig und gelbgrün bis bräunlich. Die beiden vorderen Beinpaare sind breit hellbraun und rotbraun geringelt, die beiden hinteren Beinpaare sind einfarbig heller beige. Weibchen sind farblich sehr variabel, die Grundfarbe des gesamten Körpers kann weiß, gelb oder rosa sein. Die Tiere können völlig einfarbig sein, häufig sind bei gelben oder weißen Tieren jedoch gelbe oder rosa Streifen auf dem Opisthosoma und eine rosa oder rötliche Ringelung der Beine. Rosafarbene Tiere zeigen häufig ein breit dunkelgrau gerandetes Prosoma und weiße Flecken auf dem Opisthosoma sowie dunkelgrau geringelte Beine.
Das riesige Verbreitungsgebiet von Thomisus onustus umfasst große Teile der Alten Welt von Großbritannien und Portugal im Westen bis Japan im Osten. In Nord-Südrichtung reicht die Verbreitung von Schweden bis Südafrika und im Osten von Mittel-Sibirien bis Java. Das Verbreitungsgebiet umfasst die gemäßigte bis tropische Zone. Thomisus onustus kommt in fast ganz Europa vor, die Verbreitung wird nach Norden hin jedoch immer lückenhafter. Sie fehlt in Island und Irland sowie in Norwegen, Dänemark und Finnland. In Deutschland ist die Art nur lückenhaft verbreitet und wird selten gefunden. Die Vorkommen sind im Wesentlichen auf die wärmebegünstigten Gebiete im Südwesten und im Nordosten beschränkt.
Die Art ist ausgesprochen wärmeliebend. Sie besiedelt waldfreie und sehr trockene Lebensräume mit hoher Sonneneinstrahlung, vor allem Sandtrockenrasen und Halbtrockenrasen und sehr schütter bewachsene, junge Brachen.
Zum Beutefang hält sich die Art auf Blüten freistehender Pflanzen auf. Die Weibchen sind ebenso wie die der Veränderlichen Krabbenspinne in der Lage, die Körperfarbe an die jeweilige Blütenfarbe anzupassen. Die Beute besteht aus blütenbesuchenden Insekten aller Art, z. B. Schwebfliegen, Bienen, Wespen, Schmetterlingen oder kleineren Käfern, die oft um ein Mehrfaches größer sind als die Spinne. Diese ergreift ihre Beute blitzschnell mit den beiden kräftigen und stark vergrößerten Vorderbeinpaaren und tötet sie meist durch einen Biss in den Hinterhals.
Die Paarung erfolgt überwiegend im Juni. Ähnlich wie bei der Veränderlichen Krabbenspinne klettert ein Männchen, wenn es ein Weibchen gefunden hat, auf dessen Rücken. Zur Kopulation klettert es jedoch auf eine Seite des Opisthosomas und führt von dort einen Pedipalpus in die Geschlechtsöffnung des Weibchens ein, um dann auf die andere Seite des Opisthosomas zu wechseln. Diese Position wird als ursprünglicher eingestuft als die Bauch-an-Bauch-Position der meisten anderen Krabbenspinnen. Danach klettert das Männchen wieder auf den Rücken des Weibchens, um dann nach einer Pause erneut zu kopulieren. Schließlich verlässt das Männchen das Weibchen. Das Weibchen verhält sich während der gesamten Paarung gegenüber dem Männchen völlig passiv und zeigt keinerlei Aggression.
Thomisus onustus wird in Deutschland aufgrund ihrer Seltenheit und ihrer engen Bindung an wärmeexponierte, spärlich bewachsene Offenflächen in der Roten Liste als „gefährdet“ (Kategorie 3) eingestuft. Regional, z. B. in Berlin, gilt die Art als „Vom Aussterben bedroht.“

Ernst Constam

Ernst Gustav Constam (* 16. Dezember 1888 in Zürich Enge; † 6. September 1965 in Denver, ab 1908 heimatberechtigt in Zürich) war ein US-amerikanisch-schweizerischer Maschinenbauingenieur.
Constam absolvierte von 1908 bis 1912 das Maschineningenieurstudium an der ETH Zürich. Er revidierte im Auftrag des Eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartements die 1926 provisorisch erlassenen Vorschriften über Personenschwebebahnen, welche 1933 in Kraft gesetzt wurden. Aus dieser Revision erfolgte 1931 die Gründung des Verbandes der Schwebebahn-Interessenten. Er war 1933 Mitinhaber der Konzession für die Luftseilbahn Schwägalp–Säntis und war von 1933 bis 1938 in deren Verwaltungsrat. Constam war Pionier im Bereich der modernen mechanischen Steighilfen für Skifahrer und der Erfinder des Bügelskilifts sowie der Sesselbahn. Beide Erfindungen liess er patentieren. Den ersten Bügelskilift der Welt ließ er 1934 von Adolf Bleichert & Co. am Bolgen in Davos bauen. Er wurde am 23. Dezember 1934 in Betrieb genommen und am darauffolgenden Tag offiziell eröffnet.
Constam baute in der Schweiz und anderen europäischen Wintersportorten rund 30 Bügelskilifte. Im April 1940 übersiedelte er in die Vereinigten Staaten und gründete in Denver am östlichen Fuss der Rocky Mountains ein eigenes Unternehmen, wo er aus seinem Skilift die Sesselbahn (Einseil-Umlaufbahn) entwickelte. In den USA baute Constam mehr als 80 weitere Ski- und Sessellifte. Die erste Sesselbahn der Schweiz vom Trübsee auf den Jochpass wurde 1944 durch sein Unternehmen erstellt.
Sein älterer Bruder war der Oberstkorpskommandant Herbert Constam.

Bruno Marek

Bruno Marek (* 23. Jänner 1900 in Wien; † 29. Jänner 1991 ebenda) war ein österreichischer Politiker (SPÖ) und 1965–1970 Bürgermeister von Wien.
Bruno Marek wurde im eher bürgerlichen Mariahilf, dem 6. Bezirk, als Sohn eines Schneidermeisters geboren, der sein Geschäft an der Mariahilfer Straße hatte. Der kaufmännische Angestellte trat 1918 der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei und war ab 1924 Funktionär der Bezirksorganisation Mariahilf. Seit 1924 war er im Roten Wien auch Angestellter der Wiener Messe AG und Redakteur einer Jagdzeitschrift. Nach dem 12. Februar 1934 war Marek in der Ständestaatsdiktatur vorübergehend inhaftiert und verlor seinen Posten bei der Messe AG.
1945 wurde er von der wieder sozialdemokratischen Stadtverwaltung zum Messedirektor bestellt und blieb dies bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister 1965. Er wurde Bezirksobmann der SPÖ Mariahilf und Mitglied des Wiener Gemeinderats und Landtags. 1949 wurde er zum 1. Präsidenten des Wiener Landtags gewählt.
1965 wurde der bisherige SPÖ-Bürgermeister Wiens, Franz Jonas, zum Bundespräsidenten gewählt. Dem zurückhaltenden Asketen folgte nun vom 10. Juni 1965 bis zum 17. Dezember 1970 der joviale, sehr bürgerlich aussehende und daher sehr beliebte Großvatertyp Bruno Marek als Bürgermeister, neben dem Finanzstadtrat Felix Slavik als starker Mann der Partei die Fäden zog. Es war der SPÖ zuvor nicht vorgekommen, dass einer ihrer Bürgermeister von einem Medium zum „bestangezogenen Mann von Wien“ proklamiert worden wäre. Marek war auch der erste sozialdemokratische Wiener Bürgermeister, der – wie man heute sagen würde – aus dem Management kam. Der Wiener Bürgermeister ist seit November 1920 gleichzeitig Landeshauptmann.
Marek galt als Bewahrer und Erhalter. In seine Amtszeit fiel die Entscheidung zum von der SPÖ zuvor lang hinausgeschobenen Bau der Wiener U-Bahn (Baubeginn 1969) und die Errichtung der Skianlage auf der Hohe-Wand-Wiese, die Entscheidung zum Bau der UNO-City und der Baubeginn zur Neuen Donau mit der Donauinsel. Mit kreativer Medienpolitik – Journalisten wurden Sozialwohnungen („Gemeindewohnungen“) oder PR-Positionen verschafft – gelang es, die oft einseitige Kritik bürgerlicher Medien am „roten Wien“ zu reduzieren. Anfang 1970 wurde Bruno Marek vom Gemeinderat zum Ehrenbürger der Stadt Wien gewählt.
Marek war einer der Initiatoren des 1963 gegründeten Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW), dessen Präsident er als Pensionist 1971–1984 war.
Bruno Marek trat 1970 aus Altersgründen zurück und wurde vom bisherigen Finanzstadtrat Felix Slavik (designiert 2. November 1970, gewählt 21. Dezember 1970, Amtsantritt 23. Dezember 1970) abgelöst. Der in Mariahilf geborene Marek wohnte auch zeit seines Lebens in diesem Bezirk.
Er erlebte nach der kurzen Amtszeit seines Nachfolgers noch die beiden Bürgermeister Leopold Gratz (gewählt 1973) und Helmut Zilk (gewählt 1984) und wurde 1991 in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 14 C, Nummer 54 A) beigesetzt.
1994 wurde in der Gumpendorfer Straße in Mariahilf eine 1988 fertiggestellte Wohnhausanlage nach ihm Bruno-Marek-Hof benannt. 2009 wurde in der Leopoldstadt (2. Bezirk) auf dem in Entwicklung begriffenen Nordbahnhofgelände die projektierte Bruno-Marek-Allee nach ihm benannt.
Erste Präsidenten: Robert Danneberg | Johann Neubauer | – | Johann Neubauer | Bruno Marek | Wilhelm Stemmer | Maria Hlawka | Reinhold Suttner | Hubert Pfoch | Günther Sallaberger | Fritz Hofmann | Eveline Andrlik | Christine Schirmer | Ingrid Smejkal | Maria Hampel-Fuchs | Johann Hatzl | Harry Kopietz
Zweite Präsidenten: Heinrich Schmied | Franz Zimmerl | Viktor Kolassa | Leopold Thaller | – | Leopold Thaller | Bruno Marek | Karl Mühlhauser | Maria Hlawka | Otto Schweda | Friedrich Hahn | Gertrude Stiehl | Eveline Andrlik | Ernst Outolny | Erika Stubenvoll | Hilmar Kabas | Johann Römer | Erika Stubenvoll | Marianne Klicka | Johann Herzog | Veronika Matiasek
Dritte Präsidenten: Johann Schorsch | Josef Hellmann | Karl Weigl | – | Franz Bauer | Franz Koci | Conrad Lötsch | Rudolf Sigmund | Helene Potetz | Maria Hlawka | Karl Mühlhauser | Friedrich Hahn | Otto Schweda | Erika Krenn | Gertrude Stiehl | Manfried Welan | Wolfgang Petrik | Erwin Hirnschall | Erika Stubenvoll | Johann Römer | Heidemarie Unterreiner | Heinz Hufnagl | Marianne Klicka | Martin Margulies
Anmerkung: – bedeutet Kriegszeit im Zweiten Weltkrieg, in der es kein Landtagspräsidium gegeben hat.

Jean Lulvès

Jean Lulvès (* 26. November 1833 in Mülhausen (Elsass); † 8. Januar 1889 in Berlin) war ein französisch-deutscher Genremaler. Er schuf vor allem dekorative Werke für große Räume, etwa für den Krönungssaal im Kreml und das Bankhaus Krause in Berlin, und verwendete oft historische Motive, wobei er sich auf das 16. bis 18. Jahrhundert spezialisierte.

Lulvès verdiente sein Geld zunächst als Ingenieur in Frankreich, Belgien und Deutschland. Ab 1862 studierte er bei Carl Steffeck in Berlin, 1863/64 war er Mitarbeiter von Baron Moller auf der Insel Ösel. Von dort begab er sich nach Moskau und wirkte an der Dekoration des Alexander- Newsky-Saales im Kreml mit. 1865 hielt er sich in Rom auf. Danach kehrte er wieder nach Berlin zurück. Hier übernahm er die Ausgestaltung des Ballsaals des Bankhauses Krause mit Wachsfarbenbildern. Ab 1862 beschickte er regelmäßig die Akademieausstellungen mit Genrebildern.
Zu seinen Bildern gehören der Maler Clouet im Louvre, das heimliche Wiedersehen, die Ermordung Riccios, die historische Mordstätte, Höfische Szene (Huldigung des jungen Infanten), Musizierender Jüngling, Löwin mit Jungem. Die Marionetten (Museum Mülhausen i.E.), Petit Lever (Stadtmuseum Königsberg). Häufig reproduziert wird die Darstellung von Zoobesuchern vor dem Affenhaus in Berlin. Außerdem arbeitete er als Illustrator für A. Traegers „Deutsche Kunst“, Illustrierte Zeitung (Leipzig), Lipperheide’s „Illustrierte Frauenzeitung“, Schorers Familienblatt, Daheim, Über Land und Meer u.a.
Seine letzte Ruhestätte fand er nach Umbettung auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.
Er war der Sohn des aus Hannover stammenden und in Rouen ansässig gewordenen Kupferstechers und Radierers Antoine Frėdėric Lulvès. Verheiratet war er mit Margarete Lulvès (+1906). Sein Sohn Dr. Jean Lulvès (1866–1928) wirkte als Archivrat, Historiker und Genealoge und verfasste eine Reihe historischer Publikationen.

Stans

Blick auf Stans
Stans ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des Kantons Nidwalden in der Schweiz.

Stans liegt zwischen den Bergen Stanserhorn und Buochserhorn sowie dem westlichen Ausläufer des Bürgenstocks. Nachbargemeinden sind Ennetmoos und Stansstad im Westen, Oberdorf, Ennetbürgen und Buochs im Osten und Dallenwil im Süden, wobei Stansstad, Ennetbürgen und Buochs am Vierwaldstättersee liegen.
Vom gesamten Gemeindegebiet werden 43,7 % landwirtschaftlich genutzt. Weitere 36,5 % werden von Wald und Gehölz bedeckt. Nebst 2,6 % unproduktiver Fläche sind 17,2 % Siedlungsfläche.
Die gallo-römischen Brandgräber aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. sind die frühesten Spuren menschlicher Anwesenheit in Nidwalden. Der Name Stans, der sich vom lateinischen Wort stagnum (Teich, stehendes Gewässer) herleitet ist ein weiteres Indiz dafür. Die Gemeinde wurde erstmals 1172 erwähnt. 1798 wurde Stans von französischen Truppen angegriffen, da Nidwalden sich gegen die neue Verfassung von Napoléon Bonaparte auflehnte. Bei diesem Ereignis hat der Lehrer Johann Heinrich Pestalozzi die zu Waisen gewordenen Kinder in seine erste Schule aufgenommen. Die Nidwaldner Landsgemeinde wurde bis zu ihrer Abschaffung 1997 in Oberdorf abgehalten.
Pfarrkirche St. Peter und Paul
Winkelried-Denkmal (1865)
Winkelriedhaus aus dem 15. Jahrhundert
Kollegium St. Fidelis (1883)
Stanserhorn im Nebel
Buochserhorn
Blick vom Stanserhorn um 1895
Winkelried-Denkmal von Schlöth und Stadler
Die Einwohnerzahl wuchs in den 1850er Jahren stark an. Im folgenden Jahrzehnt flachte das Wachstum ein wenig ab, nahm dann aber ab den 1870er Jahren wieder stark zu. Insgesamt wuchs die Bevölkerung zwischen 1850 und 1900 um 921 Personen oder 49,1 %. Zwischen 1910 und 1930 stagnierte die Zahl der Bewohner. Von 1930 bis heute folgte ein ständiges Wachstum. Heute zählt die Gemeinde deutlich über 8’000 Einwohner. Allein im Jahr 2008 wuchs sie um 210 Personen oder 2,8 %. Mit den umliegenden Gemeinden zusammen bildet sie die Agglomeration Stans mit (Ende 2008) 30’274 Einwohnern.
Die Bevölkerung spricht eine hochalemannische Mundart. Fast die gesamte Einwohnerschaft spricht als tägliche Umgangssprache deutsch. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 91,6 % Deutsch, 2 % Italienisch und 1,2 % Serbokroatisch als Hauptsprache an.
Die Bevölkerung war früher vollumfänglich Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 lassen immer noch die ursprüngliche Struktur erkennen. 5354 Personen waren katholisch (76,67 %). Daneben gab es 10,83 % evangelisch-reformierte und 1,02 % orthodoxe Christen, 2,96 % Muslime und 5,13 % Konfessionslose. 190 Personen (2,72 %) machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.
Von den Bewohnern waren Ende 2008 7050 (90,57 %) Schweizer Staatsangehörige. Die Zugewanderten stammen mehrheitlich aus Mitteleuropa (Deutschland), aus Südeuropa (Italien und Portugal), dem ehemaligen Jugoslawien (Serbien/Montenegro, Kosovo und Bosnien-Herzegowina) und Sri Lanka. Bei der Volkszählung 2000 waren 6256 Personen (89,59 %) Schweizer Bürger; davon besassen 297 Personen eine doppelte Staatsbürgerschaft.
Die Gemeinde zählt einen hohen Anteil an jüngeren Leuten. Während der Anteil der Personen unter zwanzig Jahren knapp 23,89 % der Ortsbevölkerung ausmacht, sind nur knapp 18,24 % Senioren (60 Jahre und älter). Die grösste Altersgruppe stellen die Personen zwischen 30 und 44 Jahren. Das Durchschnittsalter liegt bei rund 37 Jahren.
Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 ergab sich folgende Altersstruktur:
In Stans gibt es 6’800 Arbeitsplätze in 650 lokalen Unternehmungen. 2 % der Arbeiter sind im landwirtschaftlichen Sektor, 37 % im Industriesektor und 61 % im Dienstleistungssektor beschäftigt. Unter anderem ist der grösste schweizerische Flugzeughersteller Pilatus Aircraft in Stans beheimatet. Weniger als 30 % der Arbeitsplätze werden durch Einheimische besetzt. Im Jahr 2000 waren von 7075 Erwerbstätigen 2088 Personen aus Stans und 4987 Zupendelnde. Diese kamen zwar zum Grossteil (67 %) aus dem Kanton Nidwalden – doch befanden sich darunter auch rund 700 Leute aus dem Kanton Luzern und 500 aus dem Kanton Obwalden. Gleichzeitig gingen 1744 Leute aus Stans in anderen Gemeinden zur Arbeit; darunter 45 % im Kanton Luzern und nur 32 % in anderen Nidwaldner Gemeinden.
Stans liegt unmittelbar an der Autobahn A2 Basel–Luzern–Gotthard.
1893 eröffnete die Stanserhorn-Bahn (SthB), eine Standseilbahn, die auf das Stanserhorn führt. Über die im selben Jahr eröffnete Elektrische Strassenbahn Stansstad-Stans (StSt) bestand Verbindung mit den Dampfschiffen des Vierwaldstättersees in Stansstad. Wegen der Konkurrenz durch die 1898 eröffnete Stansstad-Engelberg-Bahn (StEB), die von Stansstad über Stans nach Engelberg führt, wurde die Strassenbahn jedoch 1903 stillgelegt. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde 1964 die StEB zunächst stillgelegt. Daraufhin wurde die Strecke komplett saniert und eine Verlängerung bis zur Brünigbahn in Hergiswil errichtet. Die Strecke wurde dann als Luzern-Stans-Engelberg-Bahn (LSE) mit Verbindung bis Luzern wiedereröffnet. Auf Anfang 2005 fusionierte die LSE mit der Brünigbahn zur Zentralbahn (ZB).
AG: Aarau | AR: Herisau | AI: Appenzell | BL: Liestal | BS: Basel | BE: Bern | FR: Freiburg | GE: Genf | GL: Glarus | GR: Chur | JU: Delsberg | LU: Luzern | NE: Neuenburg | NW: Stans | OW: Sarnen | SH: Schaffhausen | SZ: Schwyz | SO: Solothurn | SG: St. Gallen | TI: Bellinzona | TG: Frauenfeld | UR: Altdorf | VD: Lausanne | VS: Sitten | ZG: Zug | ZH: Zürich
Beckenried | Buochs | Dallenwil | Emmetten | Ennetbürgen | Ennetmoos | Hergiswil | Oberdorf | Stans | Stansstad | Wolfenschiessen
Ehemalige Gemeinde: Büren
Kanton Nidwalden | Bezirke | Gemeinden des Kantons Nidwalden

Senfweißling

Senfweißling (Leptidea sinapis oder Leptidea reali) Falter bei der Eiablage
Der Senfweißling, auch Tintenfleck-Weißling oder Leguminosen-Weißling, ist ein Artkomplex dreier nah verwandter Tagfalter-Arten aus der Familie der Weißlinge (Pieridae). Bis 1989 wurden alle Populationen der Art Leptidea sinapis (Linnaeus, 1758) zugeordnet. Dann wurde erkannt, dass es sich um einen Komplex zweier kryptischer Arten handelt, die verlässlich nur anhand der Begattungsorgane unterscheidbar sind. Die neu erkannte Art wurde Leptidea reali Reissinger, 1989 genannt (Synonym: Leptidea lorkovicii Réal, 1988). 2011 stellte sich heraus, dass auch das, was vorher L. reali genannt wurde, in Wirklichkeit einen Komplex aus zwei Arten darstellt, die morphologisch überhaupt nicht unterscheidbar sind, sondern nur anhand ihrer DNA-Sequenz. Die dritte Art wurde als Leptidea juvernica Williams, 1946 abgetrennt. Während L. sinapis und L. juvernica weit verbreitet sind und auch in Mitteleuropa vorkommen, ist L. reali auf ein kleines Areal in Südwesteuropa beschränkt.

Der Senfweißling ist ein eher kleiner Weißling mit einer Flügellänge von 19 bis 24 Millimeter. Körper und Flügel sind überwiegend weiß beschuppt. Zeichnung und Färbung unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern (Sexualdimorphismus) und auch zwischen den Generationen (Saisondimorphismus). Beim Männchen sind die Flügeloberseiten reinweiß mit einem schwarzen Fleck auf der Spitze der Vorderflügel. Dieser ist in der ersten Generation größer und reicht meist bis zum Flügelrand. In der zweiten Generation ist er in der Regel kleiner, aber intensiver gefärbt und rund, wobei er nicht den Rand erreicht. Beim Weibchen ist der Fleck weitgehend reduziert, meist sind an der Flügelspitze einige schwarze Schuppen untergemischt, die aber seltener auch völlig fehlen können (als var. erysimi bezeichnet). Die Flügelunterseite ist ausgedehnt grünlichgelb beschuppt und trägt oft unklare, unscharf begrenzte etwas dunklere Flecken oder Binden. Der Kolben der Fühler ist in beiden Geschlechtern überwiegend schwarz gefärbt. Die Spitze ist unscharf begrenzt kastanienbraun mit einem klar erkennbaren, weißen Fleck auf der Unterseite. Die Falter sitzen normalerweise immer mit zusammengeklappten Flügeln.
Leptidea sinapis und L. juvernica (+ L. reali) weisen bei den Männchen der ersten Generation einen gewissen Unterschied in der Ausprägung des schwarzen Apikalflecks im Vorderflügel auf. Der Vorderrand des Flecks ist (bei typischer Ausprägung) bei L. juvernica eher konkav (Fleck am Flügelrand mit einem schwarzen Balken nach vorne verlängert), bei L. sinapis eher konvex (Fleck am Flügelrand durch einen zur Spitze zeigenden weißen Streifen eingezogen). Oft ist L. juvernica insgesamt etwas dunkler gezeichnet als L. sinapis. Diese Merkmale sind aber nur statistisch und werden erst beim Vergleich größerer Serien erkennbar. Einzeltiere sind anhand der Zeichnung nicht sicher bestimmbar.
Die sichere Unterscheidung von L. sinapis und L. juvernica/L. reali ist nur anhand der männlichen und weiblichen Begattungsorgane möglich. Die männlichen sind in eine sklerotisierte Kapsel eingeschlossen. Der Aedeagus von L. sinapis ist deutlich kürzer (nie über 1,74 Millimeter) als derjenige der beiden anderen Arten (länger als 1,82 Millimeter). Dem entspricht beim Weibchen ein kürzerer Ductus bursae; dieser besteht bei der Gattung aus einer einfachen Röhre, die nach oben schwach aufgeweitet ist.
Die anderen Leptidea-Arten sind morphologisch ebenfalls sehr ähnlich und schwer unterscheidbar. In Mitteleuropa ist hier nur der Östliche Senfweißling, Leptidea morsei (Fenton, 1881), zu berücksichtigen, der im äußersten Osten von Österreich (Burgenland und Osten von Niederösterreich und Steiermark), in Tschechien und der Slowakei vorkommt. Diese Art lebt, zumindest im Gebiet, vermutlich monophag an der Schwärzenden Platterbse (Lathyrus niger).
Bemerkenswerterweise erwies sich die Art L. sinapis bezüglich ihrer Chromosomenzahl als nicht stabil. Über das Verbreitungsgebiet konnte eine genetische Kline mit 2n=106 in Spanien bis 2n=56 in Kasachstan nachgewiesen werden. Dabei war die Chromosomenzahl auch innerhalb einzelner Populationen ungleich. Sogar einzelne Individuen erwiesen sich als chromosomal heterozygot. Die Meiose war dadurch nicht beeinträchtigt.
Die Eier sind gelblichweiß gefärbt, längsrippig und spindelförmig. Die Raupen der Arten sind leuchtend grün gefärbt. Auf der Rückenmitte ist ein breites, etwas dunkler gefärbtes Band auszumachen. Seitlich sind Rumpf und Hinterleib durch eine schmale, abgesetzte gelbliche Linie gezeichnet. Die drei Arten sind im Raupenstadium nicht unterscheidbar.
Die Überwinterung erfolgt als Gürtelpuppe an einem Stängel. Die Puppen sind ockergelb und tragen einen rotgelben Seitenstreifen. Nach Friberg sind die Schwesterarten im Puppenstadium unterscheidbar. Demnach sind die Antennen der Puppe bei L. sinapis überwiegend weiß, mit einer deutlichen rosa gefärbten Mittellinie. Bei L. juvernica sind sie überwiegend rosa mit undeutlich begrenzten weißen Aufhellungen zum Rand hin.
Leptidea sinapis und Leptidea juvernica sind paläarktisch verbreitet: Sie kommen von Westeuropa bis in den Osten Chinas vor. Leptidea reali ist hingegen auf ein Areal beschränkt, das den Norden der Iberischen Halbinsel und Südwestfrankreich und den Süden Italiens umfasst; die genaue Verbreitung dieser Art ist aufgrund der erst kürzlich erfolgten Abspaltung unzureichend bekannt. Die beiden anderen Arten kommen fast in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet gemeinsam (sympatrisch) vor, unterscheiden sich aber meist lokal in der Wahl des Mikrohabitats. Auf den Britischen Inseln soll L. juvernica auf Irland beschränkt sein, während L. sinapis auch in England vorkommt. Die Verbreitung beider Arten ist z.B. in Österreich den Niederlanden oder Polen untersucht worden. Für Deutschland ist die Verbreitung unzureichend bekannt. Im Prinzip ist im gesamten europäischen Verbreitungsgebiet, einschließlich des südskandinavischen Raums, vom Vorkommen beider Arten auszugehen.
In größeren Teilen Europas wird von einem mehr oder weniger auffallenden Rückgang der bekannten Populationen von L. sinapis berichtet, oft von einer Arealexpansion von L. juvernica begleitet (z. B. in Polen). In England gilt L. sinapis als bestandsbedroht und ist Gegenstand eines Artenhilfsprogramms. In Deutschland ist die Sammelart in Süddeutschland verbreitet, aber nicht häufig, sie wird nach Norddeutschland hin seltener und fehlt im Bereich der Nordseeküste völlig. In Baden-Württemberg ist der Bestand rückläufig, aber die Art nicht gefährdet. In Bayern wird sie in der Vorwarnliste geführt
Der Senfweißling als Sammelart ist ein Bewohner sonniger Saumstandorte am Rand von Wiesen, Mager- und Trockenrasen, Wegen und Gebüschen. Man findet ihn auch an Waldrändern, in lichten Wäldern und in naturnahen Gärten. Er meidet kühle und feuchte Gebiete mit einem Jahresmittel unter 6 °C und einer mittleren Niederschlagssumme über 1400 Millimetern. Bezüglich der Habitateinnischung der sympatrischen Arten L. sinapis und L. juvernica existieren widersprüchliche Aussagen. In Teilen des Verbreitungsgebiets ist eine der Arten weit verbreitet und häufig und die andere ein seltener Habitatspezialist. Dies kehrt sich jedoch in anderen Regionen um. Angaben zum Vorzugshabitat und zur bevorzugten Raupennahrungspflanze sollten deshalb nicht unkritisch auf andere Regionen übertragen werden. So wird regional für jeweils eine der Arten ein bevorzugtes Vorkommen jeweils eher in Wiesen bzw. in lichten Wäldern angegeben. Diese Unterschiede waren in anderen Regionen nicht zu bestätigen oder sogar genau umgekehrt. Für Deutschland liegt kein Hinweis auf eine Habitatseparation vor: Beide Arten sind nicht selten nebeneinander im selben Habitat verbreitet. Ein Mechanismus, der zur Habitattrennung beiträgt, könnte der spezifische Paarungsmodus der Arten sein. Die Trennung der Arten fällt nämlich nicht nur den menschlichen Untersuchern schwer, sondern auch den Männchen der Schmetterlingsarten selbst. Es konnte gezeigt werden, das Männchen Balzverhalten gegenüber Weibchen beider Arten zeigen (bei direkter Wahl werden Weibchen der eigenen Art eventuell etwas bevorzugt). Als Paarungspartner akzeptieren die Weibchen aber nur Partner der jeweils eigenen Art. Durch die Belästigung durch Paarungsversuche von Männchen der fremden Art sind Weibchen der im Lebensraum jeweils selteneren Art benachteiligt, was experimentell belegt werden konnte. Damit existiert ein Mechanismus, der zufällige Dichteunterschiede verstärken kann. Dies kann zu (eher zufällig gesteuerter) Habitatspezialisierung führen.
Der Name Senfweißling ist irreführend, da die Arten im Gegensatz zu anderen Weißlingen weder als Falter noch als Raupe von Kreuzblütlern leben. Die Eiablage erfolgt ausschließlich an Schmetterlingsblütlern (Fabaceae, früher auch: Leguminosen). Weidemann hatte daher (vor der Auftrennung in mehrere Arten) vorgeschlagen, den Namen Leguminosen-Weißling zu verwenden.
Vor der Eiablage werden die Pflanzen sehr genau inspiziert, so dass nur Fabaceen angenommen werden (jedoch nicht alle). Zu den wichtigsten Eiablagepflanzen gehören
Bei Untersuchungen in Österreich bevorzugten Weibchen von Leptidea juvernica die Wiesen-Platterbse, während Leptidea sinapis Hornklee präferierte. Diese Vorliebe gilt aber nur für die dort untersuchte Population und deckt sich z. B. nicht mit den schwedischen Beobachtungen.
Alle drei Arten bilden zwei Generationen vom Frühling bis in den Sommer, in kühleren Gebieten regional auch nur eine Generation. Die erste Generation fliegt zur Blüte des Wiesen-Schaumkrauts (Cardamine pratensis). Die etwas kleineren Falter der zweiten Generation können ab Mitte Juli beobachtet werden.

Gerhard Winkler (Maler)

Gerhard Winkler (* 4. Mai 1939 in Wien) ist ein österreicher Maler.
Nach dem Studium der Geschichte und Pädagogik an der Universität Wien studierte er dort von 1957 bis 1963 an der Akademie der bildenden Künste Wien und erhielt 1963 einen Preis der Akademie Wien.
Beruflich war er von 1962 bis zu seiner Pensionierung 1999 als Lehrer in Wien und in Vorarlberg tätig. 1989 wurde er zum Oberstudienrat ernannt, 2001 erhielt er das große Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg. Einzelausstellungen erfolgten 1999 im Kunstraum Dornbirn und 2004 in der Galerie der Dornbirner Sparkasse. Mit dem Thema Kunst im öffentlichen Raum hat sich Winkler 1971 künstlerisch auseinandergesetzt bei der Brunnenplastik im Friedhof Rohrbach in Dornbirn oder bei der Wandgestaltung im Eingangsbereich der Hauptschule Baumgarten. Er lebt seit 1963 in Dornbirn.
Gerhard Winkler arbeitet mit Techniken wie Holzschnitt, Hinterglasmalerei, Papiercollage, Ölmalerei oder Zeichnung. Religiöse Themen spielen dabei immer wieder eine Rolle. Auch das Thema Landschaft setzt er gerne bildnerisch um. Weiteres ist er Ehrenmitglied der KMV Siegberg Dornbirn. Weiteres ist er Träger des Silvesterorden, der vom Papst persönlich verliehen wird.

Tajirowe

Tajirowe (ukrainisch Таїрове; russisch Таирово/Tairowo) ist eine Siedlung städtischen Typs im Süden der Ukraine, etwa 17 Kilometer südwestlich vom Stadtzentrum der Oblasthauptstadt Odessa und 25 Kilometer nordöstlich der Rajonshauptstadt Owidiopol entfernt am Suchyj-Liman gelegen.
Zur Siedlungsratsgemeinde, die der Ort bildet, gehören auch die Dörfer Balka (Балка) und Misikewytscha (Мізікевича).
Die Siedlung entstand offiziell 1982 als Siedlung städtischen Typs, sie entstand aus den Institutsgebäuden der Weinbauakademie von Wassili Tairow, welcher dieser hier 1905 begründete und in den Folgejahren immer weiter ausbaute.
Am 6. Dezember 2014 wurde die Leninstatue im Ort entfernt.
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