Pellerhaus

Das Pellerhaus in Nürnberg war ein kunst- und architekturgeschichtlich bedeutendes Renaissance-Bürgerhaus mit reichen Hofgalerien, das 1945 durch Bombenangriffe weitgehend zerstört worden ist. Das Erdgeschoss und Teile der Hofgalerien blieben jedoch erhalten und wurden in den 1955/56 erfolgten Wiederaufbau im Stil der 1950er Jahre einbezogen. Seit Oktober 2008 wird der Innenhof auf Initiative der Altstadtfreunde Nürnberg rekonstruiert. Ein Wiederaufbau der Südfassade, die von Kunsthistorikern zu den bedeutendsten profanen Renaissancefassaden überhaupt gezählt wird, wird in Betracht gezogen. Dazu wäre die Fassade der Architekten Fritz und Walter Mayer, die als Zeichen des geglückten Wiederaufbaus der 50er Jahre ebenfalls unter Denkmalschutz steht, aber abzureissen.

Das Baudenkmal Pellerhaus steht am Egidienplatz an der Historischen Meile Nürnbergs. Es diente bis 2012 als Stadtbibliothek. Heute ist es Sitz des Deutschen Spielearchivs Nürnberg.

Das Pellerhaus steht in der Sebalder Altstadt südöstlich der Nürnberger Burg und südlich des Maxtorgrabens am Egidienplatz Nr. 23 zwischen der Tetzelgasse im Westen und der Mummenhoffstraße im Osten. Nach Norden grenzt das Pellerhaus unmittelbar an das Johannes-Scharrer-Gymnasium. Auf der Südseite des Pellerhauses liegt am Ostrand des Egidienplatzes die Egidienkirche, an die südlich das ehemalige Egidien-Gymnasium anschließt, vor dem eine Statue Philipp Melanchthons steht, der dieses älteste humanistische Gymnasium Deutschlands 1526 eröffnet hatte. Am westlichen Rand, Egidienplatz 7, liegt das Tucherpalais, dessen klassizistische Fassade die Kriegszerstörung überstand.

Das historische Gebäude war ein Renaissance-Bau von Weltrang, traufständig, mit Pilastergliederung und Zwerchgiebel. Bartholomäus Viatis ließ das Haus 1602 bis 1605 nach Plänen von Jakob Wolff dem Älteren als klassische „Nürnberger Anlage“ mit Innenhof im Renaissancestil für seinen Schwiegersohn Martin Peller errichten. Im Zweiten Weltkrieg wurde es stark beschädigt, 1956/1957 unter Einbeziehung erhaltener Reste in damals zeitgemäßen Formen als fünfstöckiges Mehrzweckgebäude von Fritz Mayer und Walter Mayer wieder errichtet.

Bauteile der Spätrenaissance haben sich im Bereich des Erdgeschosses und im Innenhof erhalten und wurden in das neue Gebäude einbezogen. Das Bauwerk wurde später unter Denkmalschutz gestellt. Siehe auch: Kunst- und Baudenkmäler der Stadt Nürnberg

Im Herbst 2005 entwickelte sich eine Initiative zum Wiederaufbau des Innenhofes. Die Altstadtfreunde Nürnberg haben sich dem Vorhaben angeschlossen und gründeten einen Arbeitskreis Pellerhaus. Die Denkmalschutzbehörde ist gegen einen Wiederaufbau, da nach ihrer Meinung dadurch die historische Substanz gefährdet sei.

Im Mai 2006 sprach sich der Stadtrat im Gegensatz zum Denkmalschutzamt grundsätzlich für eine Rekonstruktion aus; allerdings will sich die Stadt nicht finanziell an einem Wiederaufbau beteiligen. Es wurde daraufhin von Seiten der Initiative ein Konzept entwickelt, bei dem jeder durch seine Spende die Kosten für einen speziellen Quader der Fassade übernehmen kann.

Im Oktober 2008 wurde in festlichem Rahmen der erste Stein zur Rekonstruktion der Hoffassade gesetzt. Mitte 2013 waren die Umfassungsmauern in der vollen Höhe bis zum zweiten Obergeschoss wieder aufgebaut, die Rekonstruktion der östlichen Arkadenbögen hat begonnen.

Südfassade, Illustration (1885)

Südfassade und Nachbarbauten am Aegidienplatz, Foto (1860–1890)

Innenhof, Illustration (1885)

Innenhof, Postkarte (um 1900)

Innenhof, kolorierte Ansicht (1904)

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