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Gemeindegründung

Eine Gemeindegründung ist in evangelischen Freikirchen der Beginn einer neuen Kirche, Gemeinde oder Glaubensgemeinschaft. Gründung bezeichnet den Prozess von der Vorbereitung, Sammlung, Initiierung hin zur Eigenständigkeit einer Gemeinde. Das Resultat ist eine eigenverantwortliche Glaubensgemeinschaft mit eigenem Namen, Budget, Führung, Veranstaltungen und Mission. Diese kann in einen Verband eingegliedert sein oder unabhängig arbeiten.

Es könne verschiedene Arten von Gründungen unterschieden werden, die hauptsächlich im Ausgangspunkt der Gründung bestehen. Die Startphase von Gründungen kann von einer Person bis zu Gruppen von mehreren Hunderten Teilnehmern variieren.
Bei einer Tochtergründung sponsert eine bestehende Gemeinde eine neue Gründung. Dies passiert, wenn es in der bestehenden Gemeinde (Muttergemeinde) eine Gruppe gibt, die eine Gründung in einem bestimmten Umfeld oder Milieu initiieren wollen. Das kann sein, weil der Weg zu den Gottesdiensten der Muttergemeinde zu weit ist, ein anderes soziales Umfeld angesprochen werden soll oder ein bestimmter Stadtteil von einer Gruppe bewohnt wird. In diesem Fall unterstützt die Muttergemeinde die Gruppe auf dem Weg der Gemeindegründung durch Beratung, Finanzierung und oder personelle Unterstützung.
Ähnlich wie bei Missionaren kann eine einzelne Person oder eine Gruppe von Personen in Gebiet gesendet werden mit dem Ziel, dort eine Gemeinde zu gründen. Dabei ist die Auswahl des Zielgebiets eher strategisch erfolgt. Die Sendung kann durch eine Muttergemeinde erfolgen, oder aber auch durch einen Verband. Die Unterstützung kann ähnlich wie bei der Muttergemeinde sein (Rat, Geld, Personaldienste), oder aber nur im Zuspruch der Sendung bestehen.
Eine bestehende Gruppe gliedert sich einer Gemeinde oder einem Verband an mit dem Ziel, eine Gemeinde zu gründen. Wenn diese Gruppe bereits eine bestehende Gemeinde war, würde man nicht von Gründung sprechen. Es mag aber Gruppen geben, die mit dem Gedanken einer Gründung spielen und durch die Allianz mit einem Partner in die Gründungsphase kommen. Oder eine Gruppe befindet sich im Prozess der Gründung und gliedert sich währenddessen in einen Verband oder eine Gemeinde an. Hier ist der unterschiedliche bisherige Entwicklungsweg und das gegenseitige Kennen eine Gefahr für die Gründung der Gemeinde und die Stabilität der Partnerschaft.
Im Gegensatz zu den anderen Arten geht hier die Initiative von einer Person oder einigen Wegen Personen aus. Diese beginnen den Weg der Gründung ohne Anbindung an eine Muttergemeinde oder einen Verband, und ohne die damit verbundenen Vorteile.
Die Motivation für Gründung kann in vielen Quellen liegen. Häufig werden folgende Motivatoren genannt, wobei eine oder mehrere dieser vorliegen können:
Gründung wird in Verbänden und Gemeinde aus Weg zur Ausbreitung des Glaubens propagiert. Die Begründung folgt häufig der folgenden Logik: Eine Gründung muss ähnliche wie eine technische Neuerung und ein neues Geschäft für seine Vorteile aufmerksam machen und ist demnach motivierter und flexibler im Eingehen auf die Bedürfnisse der Zielgruppe. Gründungen leben von der Energie und bereichern damit die Gemeindelandschaft. Außerdem ist in einer Gründung viel Einsatz von hauptsächlich ehrenamtlichen Mitarbeitern gefordert. Dies führt im Umfeld zu erhöhter Energie, Einsatzfreude und Überzeugung, dass sich Einsatz lohnt.
Personen im Gründungsteam sprechen häufig von einem persönlichen Berufungserlebnis als entscheidenden Faktor in den Überlegungen einer Gründung. Dies kann durch Vorbilder geschehen, dem Begegnen mit einer Not, prophetischen Reden, dem Lesen der Bibel oder Eingebung von Gott. Dabei wird auf den Auftrag Jesu verwiesen, hinzugehen und Menschen zu Jüngern zu machen. Und auf das Vorbild von Paulus, der aufgrund der Predigt des Evangeliums in Städten neue Gemeinden formte.
Durch Studien oder persönliche Überlegungen können Gruppen zum Schluss kommen, an einem Ort oder in einem (Stadt-) Gebiet eine Gemeinde zu gründen, weil es dort zu wenige Gemeinden gibt. Die Einschätzung des „zu wenig“ kann auch auf den Stil der Frömmigkeit, den Stil der Gottesdienste, oder die soziale Schicht bezogen sein. Beispiele für strategische Überlegungen sind: die Gründung einer Vineyard im Ruhrgebiet; die Gründung einer evangelischen Jugendkirche in Calw, oder die Gründung einer ICF in Berlin.
Wenn eine bestehende Gemeinde wächst, so kann sie aus praktischen oder inhaltlichen Gründen zur Gründung kommen – der Gottesdienstsaal hat zu wenig Platz, die Anfahrtswege sind zu lang, es gibt genügen potenzielle Leiter, es gibt genügen Gruppen innerhalb der Gemeinde, die schon einen Großteil des Gemeindelebens teilen. In diesen Fällen kann es zu einer Gründung oder eine Multiplikation der Gemeinde kommen.
Der Gemeindewachstumsexperte Peter C. Wagner sprach von Gemeindegründung als „der effektivsten Methode der Jüngerschaft unter dem Himmel“. Damit betonte er, dass die reduzierte Größe einer Gründung, die Intensität des Prozesses und die Möglichkeiten der Beteiligung zu erhöhter Veränderungsbereitschaft, Auseinandersetzung mit den Inhalten der Bibel, und Motivation der Pflege des geistlichen Lebens führen.
Die Finanzierung von Gemeindegründungen kann auf unterschiedliche Art erfolgen. Kennzeichnend ist dabei stets die ehrenamtliche Mitarbeit der Gründerteams, so dass die Finanzbedarf limitiert sind. Folgende Modelle der Finanzierung finden sich im Allgemeinen:
eine aussendende Gemeinde oder ein Gemeindeverband stellt ein Budget für die Gründung zur Verfügung. Das kann von einem Fixbetrag ausgehen oder die Kosten für 2-3 Jahre in der Anfangsphase decken.
eine Reihe von Stiftungen stellt Geld für Gründungsaktivitäten bereit. Gelder werden den Projekten auf Antrag zugeteilt, meist für eine limitierte Zeit und mit gewissen Auflagen, das eigene Budget zu entwickeln.
die Mitglieder der Gründung spenden regelmäßig für die Etablierung des Projekts. Viele Gruppen gehen von 10 % des Einkommens (Zehnter) als Richtwert für die selbstständige Finanzierung von Projekten zur Eigenständigkeit aus.
Der Ansatz von Gründung kann aus verschiedenen Richtungen kritisiert oder gänzlich hinterfragt werden. Dabei sind folgende Aspekte häufig genannt:
Man geht davon aus, dass es bereits genügend Gemeinde gäbe und demnach keine weiteren Projekte nötig seien. Dies bezieht sich vor allem aus einem territorialen Gemeindeverständnis (eine Gemeinde pro Ort oder Bezirk) oder aus der Beobachtung, dass viele Kirchen wenige Besucher anziehen.
die Inhalte und Praktiken der neuen Projekte können in Frage gestellt werden. Demnach sind vor allem freie Projekte (ohne Verband) nicht kontrollierbar, was Lehrmeinung oder gemeindliche Aktivitäten angeht.
erhöhter Wettbewerbsdruck führt zu Befürchtungen und dem tatsächlichen Verlust für bestehende Gemeinden. Abspaltung – bestehend auf den Jesusworten, dass die Welt aufgrund der Liebe der Jünger untereinander an ihn glauben wird (Johannes 13,35), werden eigenständige Gruppen und kontrastierende Lehrmeinungen als schädlich bewertet. Demnach sollte pro Ort am besten eine Gemeinde bestehen und dem christlichen Zeugnis ist durch organisatorische Einheit am ehesten gedient.

Roland Stigulinszky

Roland Stigulinszky (* 29. April 1926 in Saarbrücken) ist ein deutscher Grafiker, Karikaturist und Satiriker. Seine Werke unterzeichnet er mit dem Kürzel stig.

Nach dem Besuch der Saarbrücker Horst-Wessel-Schule, dem heutigen Otto-Hahn-Gymnasium machte Stigulinszky 1943 an der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt in Köslin sein Notabitur. Danach wurde er zur Luftwaffe eingezogen. Im selben Jahr 1943 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde. Ab 1947 arbeitete er zunächst als freiberuflicher Gebrauchsgrafiker und Texter. Von 1948 bis 1953 war er Mitarbeiter bei der saarländischen Satire-Zeitschrift Der Tintenfisch. Außerdem arbeitete er u. a. für den Fernsehsender Telesaar, die satirische Zeitschrift Pardon, die Jugendzeitschrift Twen, die Süddeutsche Zeitung und für die Saarbrücker Zeitung. Stigulinszky war von 1967 bis 1969 Präsident des Bundes Deutscher Grafik-Designer, von 1977 bis 1980 Vorsitzender des Tarifverbandes Selbständiger Design-Studios (SDSt) und von 1982 bis 1985 Präsident des Deutschen Designertages. Zu seinem 85. Geburtstag hat er den Gedichtband „Die Äpfel röten sich“ herausgebracht. 2013 gab es in Sulzbach durch eine Zusammenarbeit des Kunstvereins und der Stadt in der Sulzbacher Galerie die Ausstellung „Roland Stigulinszky – Querschnitt und Rückblick“, die einen Überblick über sein mehr als sechzigjähriges Wirken als Grafiker, Karikaturist, Satiriker und Dichter vermittelte. Dabei war auch sein erstes Auftragswerk aus dem Jahr 1947, das er nach seiner Rückkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft fertigte. Zu seiner Eisernen Hochzeit mit seiner Frau Bruni veröffentlichte Stigulinszky den Gedichtband „Eiserne Hochzeit – Rostfreie Gedichte“. Stigulinszky ist Träger des Saarländischen Verdienstordens.

The Dirty Dozen: The Very Best of 1979–1983

Fernando von Arb und Chris von Rohr (Hardware)
Tony Platt, Fernando von Arb und Chris von Rohr (One Vice at a Time)
Tom Allom (Headhunter)
Roundhouse Studios, London (Großbritannien) (Hardware)
Battery Studios, London (Großbritannien) (One Vice at a Time)
Bee Jay Studio, Orlando (USA) (Headhunter)
The Dirty Dozen: The Very Best of 1979–1983 ist eine Best-of-Kompilation der schweizerischen Hard-Rock-Band Krokus.

The Dirty Dozen: The Very Best of 1979–1983 ist die zweite Best-of-Zusammenstellung von Krokus, die nach der Trennung von der Plattenfirma Ariola über dieselbe veröffentlicht wurde. Dies war möglich, weil das Label nach wie vor die Rechte an den zwischen 1980 und 1986 veröffentlichten Alben besaß. Im Gegensatz zur ersten Kompilation Stayed Awake All Night: The Best Of, die auf dem amerikanischen Markt publiziert wurde, war diese Kompilation für den europäischen Markt gedacht. The Dirty Dozen: The Very Best of 1979–1983 wird oftmals als die bisher beste Kollektion von Krokus-Hits gesehen, da sie ausschließlich Songs aus der Ära von Metal Rendez-Vous bis Headhunter enthält und die eher poppigeren Werke The Blitz und Change of Address nicht berücksichtigt wurden. Außerdem wurde die Spielzeit einer CD – im Gegensatz zu Stayed Awake All Night: The Best Of – nahezu gänzlich ausgenutzt.
Marc Storace • Fernando von Arb • Mandy Meyer • Mark Kohler • Chris von Rohr • Flavio Mezzodi
Tommy Kiefer • Hansi Droz • Remo Spadino • Daniel Debrit • Jürg Naegeli • Freddy Steady • Henry Fries • Steve Pace • Patrick Mason • Jeff Klaven • Andy Tanas • Tommy Keiser • Dani Crivelli • Peter Tanner • Many Maurer • Tony Castell • Peter Haas • Carl Sentance • Chris Lauper • Cliff Rodgers • David Stettler • Marcel Kopp • Dominique Favez • Patrick Aeby • Stefan Schwarzmann
Krokus • To You All • Pay It in Metal/Pain Killer • Metal Rendez-Vous • Hardware • One Vice at a Time • Headhunter • The Blitz • Change of Address • Heart Attack • Stampede • To Rock or Not to Be • Round 13 • Rock the Block • Hellraiser • Hoodoo • Dirty Dynamite
Industrial Strength EP • You Ain’t Seen Nothin’ Yet
Alive and Screamin’ • Fire and Gasoline (Spontaneously Combustible) – Live! • Long Stick Goes Boom: Live from da House of Rust
Early Days • Prior Convictions • Stayed Awake All Night: The Best Of • The Dirty Dozen: The Very Best of 1979–1983 • Best Of • The Definitive Collection • The Collection • Headhunter Blitz • Long Stick Goes Boom: The Anthology • Extended Versions

Wabanaki-Konföderation

Die Wabanaki-Konföderation oder Wabanaki (auch Wabenaki, Wobanaki; englisch: dawn land people; deutsch: Leute des Landes der Morgenröte/-dämmerung, d. h. Volk, das im Osten lebt) bezeichnet eine politisch-militärische Allianz in Nordamerika von fünf kulturell und sprachlich verwandten Algonkin-Stämmen gegen die militärisch expansive Irokesen-Liga, die vom 17. Jahrhundert bis zum Jahr 1862 bestand.
Die Stämme behielten ihre eigene politische Führung, kamen jedoch zusammen, um gemeinsam über Diplomatie, Krieg und Handel zu entscheiden. Die Wabanaki-Konföderation wurde offiziell 1862 aufgelöst, aber die fünf Stämme blieben enge Verbündete, und die Konföderation lebt in der Form einer politischen Allianz zwischen diesen historisch befreundeten Nationen bis heute weiter.

Die folgenden fünf Stämme gehörten offiziell zur Wabanaki-Konföderation:
Enge Verbündete der Wabanaki-Konföderation waren die Innu (auch Montagnais), Algonquin sowie die Irokesisch-sprachigen Wyandot (bis 1650/1700 als Huronen – Tionontati/Petun bekannt).
Die Bezeichnung Abenaki (oder Abnaki) wird oft fälschlich synonym für Wabanaki gebraucht – jedoch waren die Abenaki nur ein Mitglied der Konföderation. Zudem kann oft nicht zwischen der Konföderation und den einzelnen Mitgliedern dieser unterschieden werden, da die Stämme sich je nach Dialekt oft als Wabanaki (Wabenaki, Wobanaki, Wobenaki, Wapanahki) bezeichneten, um besonders gegenüber Fremden ihre politische und kulturelle Verwandtschaft zu betonen. Wegen des inkorrekten Gebrauchs des Wortes Abenaki für Wabanaki wurden alle Abenaki zusammen mit den Penobscot oft Westliche Wabanaki genannt, während man die Mi’kmaq, Maliseet und Passamaquoddy als Östliche Wabanaki bezeichnete.
Die Wabanaki-Konföderation wurde von den verschiedenen Mitgliedern der Konföderation folgendermaßen genannt:
Benachbarte und oft verbündete Algonkin-Völker bezeichneten die Konföderation folgendermaßen:
Ihr Stammesgebiet nannten die verbündeten Stämme sowie viele benachbarte Algonkin-Stämme Wabanaki (Land der Morgenröte/-dämmerung, d. h. Land im Osten); es umfasste Gebiete des historischen Akadien (die heutigen kanadischen Seeprovinzen Nova Scotia, New Brunswick, Prince Edward Island, den Süden der Gaspésie-Halbinsel sowie Québec südlich des Sankt-Lorenz-Stroms) in Kanada und Teile Neuenglands (die heutigen US-Bundesstaaten Maine, New Hampshire, Vermont und Massachusetts) im Nordosten der Vereinigten Staaten.
Die Karten zeigen die ungefähre Lage der Mitglieder der Wabanaki-Konföderation (von Norden nach Süden):
Mi’kmaq
Maliseet und Passamaquoddy
Östliche Abenaki (Penobscot, Kennebec, Arosaguntacook, Pigwacket)
Westliche Abenaki (Arsigantegok, Missisquoi, Cowasuck, Sokoki, Pennacook)
Die Wabanaki-Konföderation war ein treuer Bündnispartner der Franzosen in einer Serie von Kolonialkriegen zwischen 1688 und 1759 im Kampf gegen die Briten um Akadien. Als die Franzosen gegen die Briten dann den Krieg verloren und die Kontrolle an diese abtreten mussten, drangen immer mehr englische Siedler in die Gebiete der Wabanaki-Konföderation vor. Hierauf schlossen sie sich im sogenannten Pontiac-Aufstand mit anderen Stämmen zusammen, um gegen die Briten ein eigenes Indianergebiet zu erstreiten. Nach ihrer Niederlage schlossen sich die Mitglieder im heraufziehenden Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg nun ihren einstigen Feinden an, um gegen die Amerikaner zu kämpfen.

Royal British Columbia Museum

Das Royal British Columbia Museum (Königliches Museum von British Columbia) ist ein historisches und völkerkundliches Museum in Victoria, der Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia.
Das Museum ist eine der bedeutendsten Forschungs- und Kultureinrichtungen Kanadas. Es befindet sich am Inner Harbour, zwischen dem Empress-Hotel und dem Parlamentsgebäude. Rund um das Gebäude befindet sich ein Gürtel weiterer historischer Monumente, wie der Thunderbird Park und das Helmcken House (das älteste nicht-indianische Haus der Provinz), dazu kommt ein Archiv.

Das Museum birgt sieben Millionen Exponate mit den Schwerpunkten Naturgeschichte, First Nations der Provinz British Columbia und jüngere Geschichte. Daher werden drei Galleries unterschieden, die First Peoples Gallery, die Modern History Gallery und die Natural History Gallery. Die Galleries entsprechen je einem Stockwerk.
Die First Peoples Gallery bietet Totempfähle, Masken und Kanus, aber auch ein Planken- oder Langhaus und Beschreibungen der ersten Begegnungen mit Europäern. Masken und Langhaus sind eigens von Angehörigen der im Norden von Vancouver Island ansässigen Kwakwaka’wakw angefertigt worden. Dazu kommen Spenden, übernommene Sammlungen und Leihstücke der First Nations. Das Haus hat Kwakwabalasami, Jonathan Hunt, angefertigt, ein Häuptling aus Tsaxis (Fort Rupert), zahlreiche Masken und die Totempfähle vor dem Museum stammen von Häuptling Nakap’ankam, Mungo Martin, vom Stamm der Kwakiutl. Bill Reid von den Haida hat eine Ausstellung zur Pockenepidemie von 1862 und ihren katastrophalen Folgen konzipiert. In diesem Bereich des Museums herrscht Fotografier- und Filmverbot.
Die Modern History Gallery, in derselben Etage wie die über die First Nations, zeigt die Geschichte der Region seit Ende des 18. Jahrhunderts, beginnend mit einer Teilrekonstruktion des Schiffes von George Vancouver, der HMS Discovery, über ein Wasserrad aus den Goldminen des 19. Jahrhunderts, der Rekonstruktion einer Farm und des Straßenbilds von 1903 am Dominion Drapers Building bis zu einer Apotheke aus der Chinatown.
Die Natural History Gallery zeigt Flora und Fauna, wie Grizzlybären und Seelöwen, aber auch geologische und Klimaveränderungen. Dabei werden simulierte Reisen, wie etwa in die Tiefsee, Videos, Dioramen und ein IMAX-Kino eingesetzt. Besonders eindrücklich zeigen Dioramen die regionalspezifischen Naturräume, wie Meeresküsten und gemäßigten Regenwald, oder das Delta des Fraser River. 2006/07 eröffnete eine Meeresstation.
Dazu kommen Wechselausstellungen über Leonardo da Vinci, Dinosaurier oder die Titanic.
In der Umgebung des Hauses findet sich das RBCM Cultural Precinct, genauer zwischen Douglas, Belleville und Government Street. Es besteht aus den BC Archives (dem Archiv für die Provinz), dem Helmcken House (es ist das 1852 errichtete Haus von John Sebastian Helmcken [1824–1920]), dem St. Ann’s Schoolhouse (ein Schulgebäude direkt gegenüber aus der gleichen Zeit), dem the Netherlands Carillon (einem Glockenturm, der 1967 von der niederländischen Gemeinde in der Provinz gespendet wurde), dem Thunderbird Park und dem Mungo Martin House, in seiner Sprache Wawadit’la.
Das Museum wurde 1886 gegründet, das Archiv 1894. Erst 2003 wurden die beiden Einrichtungen institutionell zusammengelegt.
Die Gründung erfolgte in Reaktion auf eine Petition dreißig prominenter Bürger der Stadt. Der erste Sitz war das Büro des Provinzsekretärs (Provincial Secretary) in dem Gebäude, dem man den Namen „die Vogelkäfige“ („the Bird Cages“) beilegte. Der erste Kurator war John Fannin, ein leidenschaftlicher Sammler, nach dem das heutige Ausstellungsgebäude, das Fannin building benannt ist. Bald wurde das Museum in das Gebäude des Obersten Gerichtshof, des Supreme Court verlegt, dann 1898 in den Ostflügel des Parlamentsgebäudes. Mit dem Museumsgesetz von 1913 erhielt das Haus die beiden Schwerpunkte Naturgeschichte und Geschichte der Ureinwohner der Provinz. Große Mengen an Artefakten, insbesondere von den First Nations konnten erworben werden, und so musste bereits 1921 ein unterirdisches Geschoss gegraben werden.
1941 wurden sechs Lots, Siedlungsgrundstücke, an der Ecke Belleville / Douglas Street frei und so wurde der Thunderbird Park eingerichtet. Zu dieser Zeit wurden noch Originale ausgestellt, die zehn Jahre später deutliche Verfallsspuren aufwiesen. So mussten sie restauriert und geschützter aufgestellt werden. Sie wurden durch Kopien ersetzt.
Um 1961 überschritt die Zahl der jährlichen Besuche die Grenze von 100.000. So verkündete Premierminister Bennett 1963 einen Umzug, zu dem die britische Königin Elisabeth II. den Grundstein legte, Zwei Jahre später, 1968, konnte das neue Haus eröffnet werden. Dazu schrieb das neue Museumsgesetz vor, dass auch eine Sammlung zur modernen Geschichte angelegt werden sollte: Die Modern History Gallery entstand, die 1972 eröffnet wurde. Fünf Jahre später eröffneten die The 12,000 Year Gap Galleries (Die 12.000-Jahres-Lücke) und First Peoples Galleries; weitere zwei Jahre später, als erster Teil der Naturgeschichte, die Ausstellung Lebendes Land, Lebendes Meer (Living Land, Living Sea) in der zweiten Etage.
Beinahe ein Jahrhundert lang hatten weltweit Museen (und Sammler) die Artefakte der allein 198 anerkannten, dazu weiterer Stämme in British Columbia aufgekauft, gelegentlich erschlichen oder die Herausgabe erzwungen. Doch das Verhältnis zu den First Nations hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert.
Nochmals 2003/04 wurde dies festgeschrieben. So werden zum einen die ursprünglichen Besitzer hinsichtlich der Deutung, Präsentation und didaktischen Aufbereitung der Exponate kontinuierlich befragt. Grundsätzlich gelten nun alle Objekte als Eigentum der entsprechenden Stämme, womit ein angemessener Respekt verbunden sein soll, der sich besonders auf zeremonielle Gegenstände, auf Grabbeigaben und vor allem auf die sterblichen Überreste von Menschen bezieht. Zugleich sollen mehr oder minder unrechtmäßig erworbene Exponate zurückgegeben werden, jedoch bleibt das Ziel, wenn möglich, der Verbleib der Stücke im Museum. Die Zusammenarbeit mit Museen der First Nations soll dabei verstärkt werden. Darüber hinaus soll ein steter Informationsfluss die Objekte mit ihren Eigentümern verbinden, diesen wiederum soll der Zugang zu ihren bedeutenden Objekten erleichtert werden. Lässt sich ein aktueller Bedarf von einem Erben an einem rituellen Gegenstand nachweisen, so ist er zurückzugeben. Die für ein Potlatch notwendigen Gegenstände können verliehen werden. Damit werden partnerschaftliche Grundsätze, die gemeinsam von der Assembly of First Nations und der Canadian Museums Association entworfen wurden, fortentwickelt.
Seit knapp 30 Jahren gibt es ein Schulprogramm, das sich zu ermäßigten Preisen an Schüler wendet. Es fand zwischen dem 16. Oktober 2007 und dem 15. Mai 2008 statt.
Inzwischen wird auch eine Online-Ausstellung über Wale, Dinosaurier, Singvögel, gefährdete Arten und Tintenfische dargeboten, dazu kommt die von Grace Bell (1900–1986) gestiftete Sammlung mit zahllosen Aufnahmen von Vogelstimmen.
Infolge der Weltwirtschaftskrise gingen ab 2008 die Kartenverkäufe zurück und staatliche Mittel wurden beschnitten, so dass bis 2012 12 Millionen an Zuschüssen vorgesehen sind. CEO Pauline Rafferty nannte im März 2010 einen Verlust von 491.000 Dollar für das Jahr 2009. Dazu trug auch bei, dass die Sonderausstellung des Jahres 2009, im Gegensatz zu der des Jahres 2008 zur Titanic, die 30,2 Millionen Dollar gebracht hatte, von Verlusten gekennzeichnet war. Daher sollen vor 2012 keine weiteren Ausstellungen dieser Art stattfinden, außer der bereits eingeplanten Ausstellung der Terrakotta-Armee im Jahr 2011.
Chief Executive Officer (CEO) ist seit 2001 Pauline Rafferty. Die ausgebildete Archäologin (Grabungskampagnen 1974-79) arbeitete für den Bereich Archäologie, Heritage Trust und später für das Tourismusministerium. 1990 wurde sie zum Assistant Deputy Minister beim Ministerium für Frauengleichstellung (Women’s Equality) ernannt. Ab 1992 erarbeitete sie am Museum einen neuen Businessplan, war von 1994 bis 2001 Direktorin im Museum mit dem Zuständigkeitsbereich Finanzen, Marketing, Personal und Informationssysteme.
Zuständig für das Forschungs- und Erhaltungsprogramm ist seit 1993 Grant Hughes, Archivleiter ist Gary Mitchell, für das Ausstellungsmanagement ist Tim Willis zuständig. Dazu kommen Diane Lloyd für den Bereich Entwicklung und Angela Williams für den Bereich Business and Operational Services sowie Faye Zinck für Finanzen. Für das Helmcken-Haus ist Lorne Hammond zuständig.
Neben der Provinz steht hinter dem Haus eine Stiftung mit 6.000 Mitgliedern. Die Einnahmen aus dem Eintrittskartenverkauf beliefen sich 2007 auf knapp 3,6 Millionen CAD, dazu weitere knapp 2 Millionen CAD. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 20 Millionen CAD. Freiwillige erbringen für das Museum über 40.000 Arbeitsstunden pro Jahr. Inzwischen verwaltet die Institution rund 10 Millionen Objekte.
Am 1. April 2003 wurden mit dem neuen Museumsgesetz, die Archive (British Columbia Archives), das Helmcken House, der Netherlands Carillon, Thunderbird Park, St Ann’s Schoolhouse und das Museum selbst zur Royal BC Museum Corporation zusammengefasst.
Das 14-stöckige Fannin building, in dem die Ausstellungen stattfinden, soll abgerissen werden, ebenso die British Columbia Archives. An deren Stelle soll ein neues zehn- bis zwölfstöckiges Haus entstehen. Dort wird sich dann der Haupteingang befinden. Läden, Cafés, Büros und ein Centre for dialogue sind dort vorgesehen, dazu Räume für temporäre Ausstellungen.
Sammlungen und Archiv sollen in zwei 14-stöckige Türme auf dem derzeitigen Parkplatz verlagert werden. Das Museum soll den eineinhalbfachen Platz bieten und zugleich nach dem höchsten Standard beim Energy and Environmental Design errichtet werden.
48.4198111-123.3674497Koordinaten: 48° 25′ 11″ N, 123° 22′ 3″ W

Heilige Ampulle

In der Heiligen Ampulle (frz. Sainte Ampoule), einem eineinhalb Zentimeter großen Glasfläschchen, wurde in der Kathedrale von Reims bis zum Ende des 18. Jahrhunderts das Chrisam aufbewahrt, das zur Salbung der Könige von Frankreich diente. Bei diesem wesentliches Element der Königserhebung kam die die Ampulle erstmals 1131 bei der Krönungszeremonie König Ludwigs VII. und letztmals 1774 bei der Ludwigs XVI. zum Einsatz.
Während der Französischen Revolution beschloss der Nationalkonvent, die Ampulle, ein Symbol des Gottesgnadentums vernichten zu lassen. Ihre öffentliche Zerstörung erfolgte am 7. Oktober 1793 in Reims durch Philippe Rühl, den Vertreter des Elsaß‘ im Nationalkonvent. Der Inhalt der Ampulle konnte am Tage zuvor in Sicherheit gebracht werden.

Bei der Taufe von Chlodwig I. und seiner Konversion zum katholischen Christentum im Jahre 499 in Reims, der alten Hauptstadt der Belgica Secunda, soll der dortige Bischof Remigius von Reims schon die Ampulle verwendet haben.
Als der Bischof während der Krönung in dem Gedränge in der Kirche von Reims nicht mehr an den Ort gelangen konnte, wo die vorbereiteten heiligen Öle aufbewahrt wurden, soll sich der Himmel geöffnet haben und eine Taube mit der Heiligen Ampulle zu dem Bischof herabgestiegen sein. Mit dieser Legende wurde eine Analogie zur Taufe Jesu im Jordan hergestellt. Bemühten sich andere europäische Monarchien um die Herstellung von Analogien zum alttestamentlichen Königtum – etwa Sauls, Davids oder Salomons –, konnte sich allein Frankreich rühmen, sein Königtum auf einer göttlichen Basis in neutestamentlicher Analogie geschlossen zu haben. Noch im 16. Jahrhundert sprachen die gallischen Theologen von der Person des Königs als einer Monstranz des göttlichen Willens.
Deswegen war die Salbung des Königs auch einer der Hauptbestandteile der Krönungszeremonie – im französischen Sacre genannt. Der Kandidat wurde an Haupt, Händen, Schulter, Genick und Brust gesalbt. Zuvor wurde die Heilige Ampulle in einer feierlichen Prozession von der Abtei Saint-Rémi zu Reims, wo sie im Hochgrab des heiligen Remigius aufbewahrt wurde, in die Kathedrale geleitet.

NS-Forschung

Als NS-Forschung fasst die deutschsprachige Geschichtswissenschaft alle historischen Untersuchungen zur Zeit des Nationalsozialismus seit 1945 zusammen. Dieser Oberbegriff umfasst empirische Studien zu Einzelbereichen, Entstehungsbedingungen und Auswirkungen sowie Gesamtdeutungen der NS-Herrschaft und deren Erforschungsmethoden und bildet einen bedeutenden Teil der Zeitgeschichtsforschung.

Wesentliche Themen der NS-Forschung sind
Als Erforschung der Zeitgeschichte erfüllt besonders die deutsche NS-Forschung eine wichtige Funktion für die Identität der Bundesrepublik Deutschland, da deren Gesellschaftssystem sich als umfassende moralische, politische, soziale und strukturelle Abkehr vom Nationalsozialismus legitimiert. Dabei kam es seit den 1960er Jahren zu intensiven und zeitweise stark polarisierten historischen Kontroversen um die Deutung der NS-Zeit und ihr Verhältnis zur übrigen Geschichte Deutschlands. Diese beeinflussten auch die internationale Forschung und wirken bis heute nach.
Die ersten wichtigen Werke der deutschen Geschichtswissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg stammen von Friedrich Meinecke (Die deutsche Katastrophe, 1946) und Gerhard Ritter (Die Dämonie der Macht, 1948). Sie versuchten, die Deutschen vom Vorwurf einer Kollektivschuld zu entlasten, den sie in Form des Vansittartismus bei den alliierten Besatzungsmächten weit verbreitet glaubten. Meinecke und Ritter sahen den Nationalsozialismus nicht als Ergebnis spezifisch deutscher, sondern gesamteuropäischer Entwicklungen; Meinecke machte das preußische „Herrenmenschentum“ und die „innere Fremdherrschaft“ eines „Verbrecherclubs“, Ritter den gesamteuropäischen Jakobinismus als Erbe der Französischen Revolution und die „dämonische“ Machthybris Adolf Hitlers für die NS-Verbrechen verantwortlich. Dabei betonten sie die Kontinuität des deutschen Nationalstaats und wollten den „Irrweg“ des Nationalsozialismus durch Rückgriff auf historisch bewährte deutsche Traditionen überwinden.
Ab 1950 standen der Forschung die Akten der ersten Nürnberger Prozesse zur Verfügung. Mit dem 1949 gegründeten Institut für Zeitgeschichte wurde die NS-Forschung als systematische Spezialdisziplin eingerichtet. Die Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte erschienen ab 1953 und haben bis heute zentralen Rang für den Fortgang des historischen Diskurses zu Holocaust und NS-Zeit, auch in wissenschaftstheoretischer Hinsicht.
Auch am 1948 gegründeten, 1951 so genannten Friedrich-Meinecke-Institut wurde eine Abteilung für Neuere Geschichte eingerichtet, an der auch Holocaust- und NS-Forscher arbeiten.
Damit setzte empirische Detailforschung zu Aufstieg und Machtübernahme der NSDAP ein, aus der erste Gesamtdarstellungen hervorgingen. Diese kombinierten Ereignisabläufe und Strukturanalyse des NS-Regimes. Diese Methodik setzte Maßstäbe und machte diese Studien rasch zu Standardwerken.
Ein erstes Werk, das die Herrschaftsstruktur im Dritten Reich thematisierte, war Eugen Kogons Buch Der SS-Staat (1946). Er zeichnete das heute überholte Bild eines perfekt funktionierenden Terrorregimes, ohne jedoch zu einer konsequenten empirischen Bestandsaufnahme und eindringenden Analyse der verschiedenen beteiligten Behörden, Tätergruppen und Verantwortungsgrade vorzudringen.
In Österreich stellte Walter Petwaidic dagegen das institutionelle Chaos der NS-Herrschaft heraus (Die autoritäre Anarchie, 1946). Er knüpfte dabei an die im Exil entstandenen Werke Ernst Fraenkels (The Dual State, 1941) und Franz Neumanns (Behemoth, 1944) an: Das NS-Regime habe Krieg und Holocaust keineswegs als einheitlicher Block durchgeführt, sondern als Zusammenspiel der Machtzentren NSDAP, Verwaltung, Wehrmacht und Großindustrie. Deren konkurrierende Interessen hätten teilweise widersprüchliches Vorgehen und Chaos bewirkt, das nur die „charismatische Führergewalt“ Adolf Hitlers habe bändigen können. Kogon und Petwaidic nahmen damit zwei Grundthesen späterer Forschung vorweg.
Karl Dietrich Bracher veröffentlichte 1955 Die Auflösung der Weimarer Republik. In dem Aufsatz Stufen totalitärer Gleichschaltung beschrieb er bereits 1956 das Nebeneinander von zentralistischer Gleichschaltung und Ämterchaos der verschiedenen NS-Machtgruppen. Er sah in ihrem Gegeneinander aber keine Schwächung, sondern eine Voraussetzung der Führungsrolle Hitlers.
Dem folgte 1960 mit Wolfgang Sauer und Gerhard Schulz Die nationalsozialistische Machtergreifung. Schulz beschrieb die Zentralgewalt als „‚Polykratie‘ straff zentralisierter Ressorts“, die sich immer stärker verselbständigten, und führte dies auf den „ungezügelten Bewegungsdrang“ des Nationalsozialismus zurück. Diese Aufsplitterung habe Hitlers „überwölbende absolute Autorität“ gerade begründet. Schulz deutete den Widerspruch zwischen totalem Herrschaftsanspruch und chaotischen Strukturen des NS-Regimes also als zwei einander ergänzende Aspekte des „Führerstaats“.
Ebenfalls 1960 gaben Erich Matthias und Rudolf Morsey einen grundlegenden Sammelband über Das Ende der Parteien 1933 heraus, der das Verhalten der wichtigsten politischen Parteien in der Endphase der Weimarer Republik und ihre Zerschlagung durch das sich etablierende NS-Regime behandelte.
Diese NS-Studien der 1950er Jahre nahmen spätere Fragestellungen vorweg, integrierten strukturelle und ideologische Faktoren des Nationalsozialismus jedoch in das politische Erklärungsmodell des Totalitarismus, wie ihn Hannah Arendt in Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft 1951 definiert hatte. Diese verglich Nationalsozialismus und Stalinismus nicht, um diese gleichzusetzen, sondern um ihre jeweilige Eigenart gegenüber älteren Diktaturformen genauer zu erfassen und so „das Rätsel der Strukturlosigkeit des totalitären Staates“ zu lösen (ebenda, S. 618).
Martin Broszats Buch Der Staat Hitlers von 1969 war eine erste Gesamtdarstellung der Innen- und Außenpolitik des Dritten Reiches, jedoch begrenzt auf die Phase vom Machtantritt 1933 bis zum Kriegsbeginn 1939. Daran schloss sich die methodische Grundsatzdebatte an, deren Beteiligte zunehmend in die Kategorien Intentionalisten oder Programmologen und Strukturalisten oder Funktionalisten eingeordnet wurden, zwischen denen die Debatte sich polarisierte.
Die Intentionalisten nehmen an, dass in Hitlers frühem Denken, etwa bereits in Mein Kampf, seine Absichten und Ziele schon enthalten waren und diese sich in der Politik des Dritten Reiches realisierten. Sie sehen Hitler damit als entscheidende Führungsfigur.
Die Funktionalisten betonen im Gegensatz zu den Intentionalisten, dass sich die Tätigkeit Hitlers im Dritten Reich auf sogenannte Weltanschauungsfragen beschränkt habe. Ansonsten hätte sich die tatsächliche Politik aus dem Gegen- und Miteinander rivalisierender Gruppen, aus Eigendynamiken und selbst geschaffenen Sachzwängen ergeben (unabhängig von rhetorischen Darstellungen). Hauptcharakteristikum des Nationalsozialismus sei hier die Improvisation von Entscheidungen, charakteristisch sei die kumulative Radikalisierung konkurrierender Gruppen. Friedländer definiert die funktionalistischen Grundannahmen folgendermaßen: „Das nationalsozialistische Herrschaftssystem war weithin chaotisch, und wichtige Entscheidungen waren oft das Ergebnis unterschiedlichster Bestrebungen, wobei jede zentrale Planung, Vorüberlegung oder klare Befehle von oben, die die Ziele und Mittel zur Durchführung einer Politik angaben, fehlten.“ Die Bezeichnung der „Funktionalisten“ ist allerdings nicht unumstritten. So spricht Hans-Ulrich Wehler von „Strukturalisten“, „da sie streng genommen die Führerdiktatur keineswegs, gut neomarxistisch, für eine Funktion der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse hielten.“
„Die während des Prozesses der Machtergreifung und im Laufe der späteren Entwicklung des Dritten Reiches stattfindende Selektion der negativen Weltanschauungselemente […] bedeutete aber zugleich eine zunehmende Radikalisierung, Perfektionierung und Institutionalisierung der Inhumanität und Verfolgung. […] In der Diskriminierung konnte es jedoch keinen unendlichen Progressus geben. Infolgedessen mußte hier die ‚Bewegung‘ schließlich in der ‚Endlösung‘ enden. […] Deshalb hatte die ‚Konsequenz‘ Hitlers nichts mit planvollem Handeln zu tun. […] Die Phraseologie mußte sich schließlich ‚beim Wort nehmen‘, es mußte wörtlich ausgeführt werden, was objektiv nur als Weltanschauungs-Instrument zur Mobilisierung von Kampfbereitschaft und Zukunftsgläubigkeit einen Sinn gehabt hatte. […] Die geheime Judenvernichtung, mit der logischerweise auch der Antisemitismus als propagandistisches Instrumentarium zu Grabe getragen wurde, verdeutlicht die wahnhafte Vertauschung von Kampfsymbol und Endziel.“
Die Existenz eines allgemeinen Vernichtungsbefehls bezweifelt Broszat: „Mir scheint dagegen, daß es überhaupt keinen umfassenden allgemeinen Vernichtungsbefehl gegeben hat, das ‚Programm‘ der Judenvernichtung sich vielmehr aus Einzelaktionen heraus bis zum Frühjahr 1942 allmählich institutionell und faktisch entwickelte und nach der Errichtung der Vernichtungslager in Polen (zwischen Dezember 1941 und Juli 1942) bestimmenden Charakter erhielt.“
Der von Dan Diner geprägte Begriff Zivilisationsbruch eröffnet in Hinsicht einer Deutung der Geschichte des 20. Jahrhunderts einen argumentativen wie semantischen Rahmen für ein Feld von Fragestellungen, welche auf dem spannungsreichen Feld zwischen Holocaust und Erinnerung hervorgerufen werden. Über eine Analyse des Holocaust hinausweisend, welche den Massenmord an den europäischen Juden in einer Perspektive von Tätern und Opfer begreift, stellt der Terminus Zivilisationsbruch die historischen Ereignisse in eine universale Dimension, die sich auf die Geschichte der westlichen Zivilisation bzw. Geschichte der Moderne erstreckt. Damit wird auch der Erinnerung ein über die Gedächtniskulturen der betroffenen Länder hinausreichender universaler Geltungsbereich zugesprochen.
Einerseits drückt der Begriff eine von den Opfern ausgehende „anthropologische Irritation“ (Dan Diner) aus: die Grundlagen des sozialen Handelns in der Moderne, welches sich auf „handlungsanleitende Vernunftannahmen“ gründete und das Vertrauen in die Logik einer auf Selbstinteresse ausgerichteten Vernünftigkeit des Menschen, sind außer Kraft gesetzt: „indem Menschen der bloßen Vernichtung wegen vernichtet werden konnten, wurden auch im Bewußtsein verankerte Grundfesten unserer Zivilisation tiefgreifend erschüttert – ja gleichsam dementiert.“ Darüber hinaus schließt der Begriff eine Neudeutung des Holocaust als Ereignis von menschheitsgeschichtlicher Relevanz ein und zugleich das spannungsreiche Verhältnis zwischen der Faktizität des Geschehens und seiner jahrzehntelangen Verdrängung. Die Frage nach den Gründen für diese Nichtwahrnehmung wie ebenso die nunmehr erfolgte Anerkennung der geschichtlichen Fakten als singuläre Zäsur bilden Ausgangspunkte für Betrachtungen der Geschichte des kollektiven Gedächtnisses und Perspektiven der Erinnerung.
Auch Jürgen Habermas entwickelte in den Aufsätzen Eine Art Schadensabwicklung, Vom öffentlichen Gebrauch der Historie und Geschichtsbewusstsein und posttraditionale Identität eine Theorie des Zivilisationsbruches. Er stellt dabei einleitend drei Fragen:
Die ersten beiden Fragen beantwortet Habermas zusammenfassend in drei Thesen:
Daraus folgt als Zusammenfassung die Singularitätsthese in Habermas’ Sinne: Die vorangehenden drei Annahmen verbieten es, die Unvertretbarkeit der uns zugemuteten Haftung durch einebnende Vergleiche herunterzuspielen.
Als zweites entwickelt Habermas die sogenannte Zivilisationsbruch-These: Auschwitz sei die Signatur eines Zeitalters. Dort sei an eine tiefe Schicht der Solidarität zwischen allem, was Menschenantlitz trägt, gerührt worden. Die Integrität dieser Tiefenschicht sei bis dahin unhinterfragt unterstellt gewesen. Aber durch Auschwitz sei die Naivität zerstört worden, aus der fraglose Überlieferungen ihre Autorität schöpften und von der geschichtliche Kontinuitäten zehrten. Deshalb seien durch die Naziverbrechen die Bedingungen für die Kontinuierung geschichtlicher Lebenszusammenhänge verändert worden.
Wenn man eine Begriffsbestimmung vornehmen will, so lässt sich das am besten mit einem Wort von Martin Broszat illustrieren: „Wenn das Dritte Reich beginnt, geht der Autor auf Distanz. Das Einfühlen in historische Zusammenhänge bricht ebenso ab, wie die Lust am geschichtlichen Erzählen.“
Saul Friedländer unterscheidet in einer systematischen Darstellung vier Elemente der Historisierung:
Was Historisierung bedeutet, kann am Beispiel von Lutz Niethammers Studie über „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ erläutert werden. Dabei wurden Zeitzeugen über ihre Einschätzung befragt, welche Zeit sie subjektiv als gute und schlechte Zeiten in Erinnerung hätten. Das Ergebnis sieht zusammengefasst folgendermaßen aus:
Daraus lässt sich schließen, dass die subjektive Beurteilung der eigenen Lebenssituation die politischen Systemgrenzen ignoriert und nicht nach moralischen Kriterien erfolgt.
Die Sozialgeschichtsforschung in den 1950er und 1960er Jahren vermutete – teilweise unter Berufung auf Hans Rosenberg – als wesentliche Ursache für das politische Erstarken der Nationalsozialisten in der Weimarer Zeit die durchgängige Autoritätsfixiertheit der deutschen Bevölkerung, die ihrerseits durch das Fehlen einer wirklichen politischen und gesellschaftlichen Revolution im 19. Jahrhundert bedingt sei. Daraus folgte die Annahme, dass sich Deutschlands Herrschaftseliten vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und das „Dritte Reich“ bis in die frühe Bundesrepublik hinübergerettet hätten. Daraus ergab sich der politische Versuch, diese Herrschaftseliten durch moderne Leistungs- und Managementeliten abzulösen, und die Forderung nach einer gesellschaftlichen und politischen Modernisierung der Bundesrepublik, was sich in der Ära Willy Brandts tatsächlich einlöste.
Nachdem die Delegitimation der traditionellen deutschen Herrschaftseliten in der jungen Bundesrepublik erfolgt war, entwickelte sich in den 1970er Jahren die sozialgeschichtliche Forschung weiter: In einer Zeit der gesellschaftlichen und politischen Modernisierung stellte die Sozialgeschichte die Frage nach dem Beginn dieser Modernisierung in Deutschland, aus der sich die kontroverse These entwickelte, dieser Modernisierungsschub habe seinen Ursprung in der Politik der NS-Regierung.
Konservative Historiker benutzten nun das Historisierungsparadigma und wendeten es gegen politisch linksorientierte Geschichtsdeutungen, begleitet von geschichtsrevisionistischen Erklärungen, etwa die Infragestellung der bis dato unumstrittenen Kriegsschuld des Deutschen Reichs am Zweiten Weltkrieg durch Ernst Nolte. Daraus ergab sich eine unübersichtliche Gemengelage von Fragen und Problemen: Wenn man die mittleren Herrschaftseliten im Dritten Reich als Hauptakteure betrachtet und den Nationalsozialismus in ein historisches Kontinuum zwischen Weimar und der Bundesrepublik einordnet, erhält man ein erhebliches Legitimationsproblem und gerät im Zweifelsfall sogar in die Nähe revisionistischer Positionen. Dies drückt sich dann in konkreten wissenschaftlichen Streitfragen aus, zum Beispiel über den Zeitpunkt der „Entschlussbildung“ des NS-Regimes zum Holocaust.
Bereits in zeitgenössischen Diskursen war der Nationalsozialismus vielfach Gegenstand vergleichender Diktaturforschung. Die Dominanz der Singularitätsthese innerhalb der NS-Forschung und die vorwiegend empirisch arbeitende Forschungsgemeinschaft haben seit den späten 1970er Jahren und bis in die Gegenwart zu einer weitgehenden Eindämmung komparatistischer Ansätze geführt, die im Forschungsdiskurs allerdings nach wie vor präsent bleiben. Beispiele für die gegenwärtige Präsenz sind die Arbeit des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung in Dresden oder Timothy Snyders viel beachtete Studie zur nationalsozialistischen und sowjetischen Vernichtungspolitik in den osteuropäischen Staaten. Die wissenschaftliche Diskussion darüber, wie der Nationalsozialismus denn politisch und historisch überhaupt einzuordnen sei, war dabei stets von den politischen Großkonflikten der jeweiligen Epoche und den damit verbundenen politischen Standpunkten geprägt.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und im weiteren Verlauf der Zwischenkriegszeit entstanden in vielen Staaten Europas Bewegungen und Parteien, die sich in Selbstverständnis, Ideologie, Erscheinungsbild, Agitations- und Gewaltpraxis am Vorbild des italienischen Faschismus unter Benito Mussolini orientierten. Wenngleich Mussolini selbst in den 1930er Jahren den Terminus Faschismus universalistisch nutzbar zu machen versuchte, blieb die Verwendung des generischen Faschismusbegriffs und die Formulierung wissenschaftlicher Faschismustheorien eine Domäne liberaler und vor allem marxistischer Theoretiker. Klassische Faschismustheorien sind Stalins Sozialfaschismusthese, die sogenannte Dimitroff-These oder Agententheorie, August Thalheimers Bonapartismus-Theorie, die These vom Extremismus der Mitte und die Theorie des autoritären Charakters aus dem Umfeld der Frankfurter Schule. Spätere Ansätze stammen vor allem aus dem angloamerikanischen Raum und setzen vielfach auf einen typologischen Ansatz, der ideologische, phänomenologische und praxeologische Gemeinsamkeiten der verschiedenen Bewegungen und Regime zum Ausgangspunkt des Diktaturvergleichs nimmt. Vertreter dieser Strömung sind unter anderen Roger Griffin, Stanley Payne, Robert Paxton und Juan Linz.
Der Nationalsozialismus wurde in dieser faschismustheoretischen Perspektive, unabhängig vom konkreten Erklärungsmodell, in aller Regel als spezifische Erscheinungsform eines umfassenderen Faschismusphänomens wahrgenommen. Kritiker einer Einordnung des Nationalsozialismus als Faschismus sehen in diesem Konzept allerdings die ideologischen und soziologischen Unterschiede zwischen Nationalsozialismus und anderen autoritären Bewegungen und Regimen nicht hinreichend berücksichtigt oder bemängeln die theoretische Einengung der Forschungsperspektive. Außerdem hatte sich in Anbetracht des Systemkonflikts im Kalten Krieg und der Politisierung des Faschismusbegriffs im Marxismus-Leninismus und insbesondere im Stalinismus mit der Totalitarismustheorie ein Gegenmodell entwickelt, für das die Grundlage des Diktaturvergleichs der Grad des Extremismus eines Regimes, aber nicht mehr die konkreten ideologischen Inhalte darstellten. Ansatz dieser Theorien war von daher nicht mehr der Faschismusvergleich, sondern die Gegenüberstellung von Nationalsozialismus und Stalinismus.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und mit Beginn des Systemkonflikts im Kalten Krieg entwickelten sich totalitarismustheoretische Ansätze zu einem bestimmenden Forschungskonzept innerhalb der vergleichenden Diktaturforschung. Idealtypische Modelle wie das von Carl Joachim Friedrich und Zbigniew Brzezinski oder die historisch-genetische Totalitarismustheorie Hannah Arendts waren für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Sowjetunion bzw. den gesellschaftlichen Diskurs eine wichtige Referenz. Ihre Bedeutung für die empirische Nationalsozialismusforschung blieb allerdings gering. Dagegen führte Mitte der 1980er Jahre Ernst Noltes totalitarismustheoretisch fundierte These über den Europäischen Bürgerkrieg zum sogenannten Historikerstreit. Seine Behauptung, der Gulag sei ursprünglicher als Auschwitz, d. h. die nationalsozialistische Vernichtungspolitik sei eine Reaktion auf bolschewistische Verbrechen gewesen, provozierte eine sowohl innerwissenschaftlich als auch medial geführte Debatte, konnte sich innerhalb der Nationalsozialismusforschung allerdings nicht durchsetzen und wurde vielfach als Versuch einer Relativierung der NS-Verbrechen verstanden.
1938 führte der österreichische Philosoph und Politikwissenschaftler Eric Voegelin das Interpretament der Politischen Religion in den zeitgenössischen Diskurs über den Nationalsozialismus ein. Ausgangspunkt der aufklärungskritisch ausgerichteten Schrift ist die Bestandsaufnahme einer menschlichen Entfremdung von Gott, in Voegelins Worten die „Dekapitierung des überweltlichen Gottes.“ Voegelin interpretiert die Moderne als Höhepunkt einer über Jahrhunderte andauernden Verfallsgeschichte der christlichen Kultur, deren Ergebnis menschliche Hybris und die Mystifizierung säkularer Ideen wie Nation, Rasse, Klasse und Staat seien. Von daher sieht er den Nationalsozialismus lediglich als eine Manifestation dieser Entwicklung neben anderen. Ausdrücklich bezieht er in seine Betrachtung den Bolschewismus und den italienischen Faschismus mit ein. Weitere Autoren, die den Nationalsozialismus und andere Diktatursysteme des 20. Jahrhunderts als Politische Religionen bezeichnet haben, sind unter anderen Raymond Aron, Hans Maier, Claus-Ekkehard Bärsch, Michael Burleigh, Michael Ley und Klaus Vondung Innerhalb der Konzeptforschung existieren durchaus Unterschiede mit Blick auf den methodischen Zugriff, die Interpretation der Ursachen und die Bewertung. Während Eric Voegelin den Nationalsozialismus ohne systematischen Rückgriff auf konkrete Quellen im Sinne einer Ersatzreligion oder eines Religionsersatzes für das normative Gegenmodell des Christentums interpretierte, haben andere Konzeptvertreter wie Claus-Ekkehard Bärsch und Michael Ley durch die Auswertung von Schriftzeugnissen gerade christliche Motive und Überzeugungen als Voraussetzungen für den Nationalsozialismus und den Holocaust identifiziert. Weitere Ansätze richten den Blick vor allen Dingen auf die Inszenierungsweise und Formensprache des Nationalsozialismus, der immer wieder Anleihen bei der christlichen Liturgie genommen hat. Wenngleich das Forschungskonzept der Politischen Religion von Beginn an für den Systemvergleich offen stand, haben sich viele Forscher in der Vergangenheit auf die Betrachtung des Nationalsozialismus fokussiert. Ihre Interpretationen des Nationalsozialismus zur Erklärung der Regimepopularität oder zur Ursache für den Holocaust sind dabei auch auf Kritik gestoßen. Kritiker des Konzepts bemängeln beispielsweise die empirischen Grundlagen der konzeptuellen Forschung sowie die Begrifflichkeit des Konzepts. So basierten zahlreiche Studien insbesondere zur Politischen Religion des Nationalsozialismus nicht auf mentalitätsgeschichtlichen Untersuchungen, sondern auf der Interpretation von Schriften einzelner Führungsfiguren, weshalb Schlussfolgerungen über Motivation und Gefolgschaftsbereitschaft der Bevölkerung auf diese Weise nicht belegt werden könnten. Außerdem existiere mit dem klassischen Ideologie-Begriff und dem von Max Weber geprägten und von Historikern wie Ian Kershaw und Hans-Ulrich Wehler verwendeten Terminus der Charismatischen Herrschaft zumindest für die Geschichte der nationalsozialistischen Herrschaft bereits ein Analysevokabular, das die historische Wirklichkeit präziser erfasse. Außerdem wird die theoretische Reichweite des Konzepts bisweilen bezweifelt. So hat Hans Günter Hockerts darauf hingewiesen, dass die Bezeichnung als Politische Religion „sich als Aspektbegriff [eigne], aber nicht als Generalbegriff; sie trifft keinen archimedischen Punkt“, der eine Rechtfertigung für die Verwendung als übergeordnetes Erklärungsmodell leisten könnte.

Dürnhof (Zwettl-Niederösterreich)

Der Dürnhof in der Gemeinde Zwettl-Niederösterreich ist eine ehemalige Grangie des Zisterzienserstiftes Zwettl. Der Hof wurde um 1200 auf einer Anhöhe nördlich der Stadt Zwettl errichtet und im Jahr 1210 in einer Urkunde des Papstes Innozenz III. als macra curia unter dem Namen „Durrenhove“ erstmals urkundlich erwähnt. Bis zur Enteignung durch die deutsche Wehrmacht im Zuge der Errichtung des Truppenübungsplatzes Döllersheim im Jahr 1938 diente er als einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Zweigbetrieb des Klosters. Von 1945 bis 1947 wurde er als Gefangenenlager der Roten Armee genutzt, danach von der USIA verwaltet und später in den Besitz der Republik Österreich übergeben. Von 1947 bis zur Generalsanierung im Jahr 1976 blieb der Dürnhof ungenutzt und dem Verfall preisgegeben. Von 1984 bis 2005 beherbergte er das „Museum für Medizin-Meteorologie“, welches sich mit der Humanbiometeorologie befasste. Im Sommer 2003 wurde der denkmalgeschützte Gutshof an eine Privatperson verkauft. Er wird seit einer weiteren Sanierung im Jahr 2005 als Ort für kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und Ausstellungen geführt.
48.62472222222215.175833333333Koordinaten: 48° 37′ 29″ N, 15° 10′ 33″ O

Färöische Fußballmeisterschaft 2002

Die Färöische Fußballmeisterschaft 2002 wurde in der 1. Deild genannten ersten färöischen Liga ausgetragen und war insgesamt die 60. Saison. Sie startete am 5. Mai 2002 und endete am 5. Oktober 2002.
Aufsteiger TB Tvøroyri kehrte nach drei Jahren in die höchste Spielklasse zurück, Skála ÍF war der 22. Teilnehmer dieser nach Einführung des Ligaspielbetriebs 1947. Meister wurde HB Tórshavn, die den Titel somit zum 16. Mal erringen konnten. Titelverteidiger B36 Tórshavn landete auf dem fünften Platz. Absteigen musste hingegen TB Tvøroyri nach einem Jahr Erstklassigkeit.
Im Vergleich zur Vorsaison verschlechterte sich die Torquote auf 3,66 pro Spiel, was den niedrigsten Schnitt seit 1999 bedeutete. Den höchsten Sieg erzielte Skála ÍF mit einem 8:0 im Heimspiel gegen TB Tvøroyri am 17. Spieltag. Das torreichste Spiel absolvierten HB Tórshavn und TB Tvøroyri am neunten Spieltag mit einem 9:3.

In der 1. Deild spielte jede Mannschaft an 18 Spieltagen jeweils zwei Mal gegen jede andere. Die punktbeste Mannschaft zu Saisonende stand als Meister dieser Liga fest, die letzte Mannschaft stieg in die 2. Deild ab, bei Punktgleichheit entschied der direkte Vergleich. Der Neuntplatzierte musste zudem noch zwei Relegationsspiele gegen den Zweitplatzierten der 2. Deild um den Verbleib in der 1. Deild austragen. Da es daraufhin einen Gleichstand nach der Addition der Ergebnisse gab, wurde ein abschließendes Entscheidungsspiel ausgetragen.
HB Tórshavn erwischte einen guten Start in die Saison und feierte vier Siege in Folge. Erst am achten Spieltag verlor das Team auswärts bei EB/Streymur mit 1:2 das erste Mal. Dennoch konnte die Tabellenführung bis zum elften Spieltag gehalten werden. Nachdem an diesem und am nächsten Spieltag jedoch weitere Niederlagen folgten, übernahm NSÍ Runavík die Spitzenposition. Diese kämpften sich vom letzten Platz empor. Nach einer 0:4-Auftaktniederlage gegen HB folgte bis einschließlich des 14. Spieltags nur eine weitere Niederlage. Am Spieltag darauf kam es wieder zum direkten Aufeinandertreffen mit HB Tórshavn, dieses Spiel wurde zu Hause mit 0:2 ebenfalls verloren, woraufhin die Tabellenführung letztmals wechselte. Die Entscheidung um die Meisterschaft fiel zwei Spieltage vor Schluss. Während HB sein Heimspiel gegen EB/Streymur mit 2:0 gewann, verloren die punktgleichen Verfolger KÍ Klaksvík (auswärts mit 1:2 gegen VB Vágur) sowie NSÍ Runavík (zu Hause mit 1:2 gegen B68 Toftir) ihre jeweiligen Spiele und konnten HB somit nicht mehr einholen.
Aufsteiger Skála ÍF blieb die ersten 14 Spiele sieglos und belegte ab dem dritten Spieltag durchgängig den letzten Platz. Erst am 15. Spieltag konnte mit einem 3:1 gegen EB/Streymur der erste Erfolg gefeiert werden. Dies reichte, um den letzten Platz wieder zu verlassen. Zwei Runden vor Schluss gewann Skála mit 8:0 gegen den ebenfalls aufgestiegenen TB Tvøroyri und besiegelte somit deren Abstieg. TB konnte das erste Saisonspiel gegen VB Vágur noch mit 1:0 gewinnen, dies sollte jedoch der einzige Saisonsieg bleiben. In der Folge dessen folgte der Absturz auf den vorletzten Platz, am 15. Spieltag zog dann auch Skála vorbei.
Nachdem der Abstieg entschieden war, blieb noch die Frage nach dem Relegationsteilnehmer offen. Dies wurde erst am letzten Spieltag ermittelt. Skála ÍF konnte hierbei auswärts mit 3:2 bei B36 Tórshavn gewinnen. Da EB/Streymur, die seit dem dritten Spieltag durchgängig den achten Platz belegten, zeitgleich zu Hause mit 1:2 gegen GÍ Gøta verlor, konnte Skála auch noch an dieser Mannschaft vorbeiziehen und somit den Klassenerhalt sichern. Nach dem Ausgleich in der 69. Minute für EB/Streymur erzielte GÍ in der 83. Minute den Siegtreffer. Aufgrund des direkten Vergleichs hätte jedoch auch ein Unentschieden nicht gereicht, um die Position zu halten.
Erläuterung: S = Siege, U = Unentschieden, N = Niederlagen, (M) = Meister des Vorjahres, (P) = Pokalsieger des Vorjahres, (N) = Aufsteiger
Die beiden Relegationsspiele zwischen dem Neunten der 1. Deild und dem Zweiten der 2. Deild wurden am 13. und 15. Oktober 2002 ausgetragen. Da beide Mannschaften mit demselben Ergebnis gewinnen konnten, wurde für den 17. Oktober 2002 ein Entscheidungsspiel in Sandur angesetzt.
Bei gleicher Anzahl von Treffern sind die Spieler nach dem Nachnamen alphabetisch geordnet.
Die Hälfte der Mannschaften wechselten Trainer aus, TB Tvøroyri insgesamt zweimal. Bei Skála ÍF zahlte sich der Wechsel am meisten aus, sie verbesserten sich vom zehnten auf den achten Platz. HB Tórshavn konnte sich um eine Position auf den ersten Platz verbessern, TB Tvøroyri hingegen verschlechterte sich um eine Position auf den letzten Platz. Bei den beiden verbliebenen Mannschaften hatte der Trainerwechsel keine Auswirkungen auf die Tabellenplatzierung.
Folgende Schiedsrichter leiteten die 90 Erstligaspiele:
In Klammern sind die Anzahl der Einsätze sowie die dabei erzielten Tore genannt.
Tór-Ingar Akselsen (16/0) | Uni Arge (5/2) | Rani Debes Christiansen (1/0) | Pætur M. Dahl (6/2) | Jan Dam (15/0) | Hallur Danielsen (14/0) | Ransin N. Djurhuus (1/0) | Nicu Dogaru (15/0) | Andrew av Fløtum (18/18) | Jón Rói Jacobsen (18/12) | Rógvi Jacobsen (17/3) | Janus M. Joensen (14/0) | Jóhannis Joensen (17/1) | Páll Mohr Joensen (1/0) | Pól Næss Joensen (5/0) | Bárður Johannesen (17/0) | Nocko Jokovic (6/4) | Bjarni Jørgensen (6/0) | Hans á Lag (17/7) | Emil Nolsøe Leifsson (1/0) | Rúni Nolsøe (18/2) | Ingi Rasmussen (5/0) | Eyðun Samuelsen (3/1)
ohne Einsatz: Bernhard H. Petersen
Nach dem Saisonende gaben die Kapitäne und Trainer der zehn Ligateilnehmer sowie Pressemitglieder ihre Stimmen zur Wahl der folgenden Auszeichnungen ab :
Im Landespokal gewann NSÍ Runavík mit 2:1 gegen Meister HB Tórshavn.
2002/03 spielte B36 Tórshavn als Meister des Vorjahres in der Qualifikation zur Champions League gegen Torpedo Kutaissi (Georgien) und schied mit 2:5 und 0:1 aus.
GÍ Gøta spielte in der Qualifikation zum UEFA-Pokal und schied dort gegen Hajduk Split (Kroatien) mit 0:3 und 0:8 aus.
KÍ Klaksvík spielte als Pokalfinalist des Vorjahres ebenfalls in der Qualifikation zum UEFA-Pokal. KÍ spielte zu Hause gegen Újpest FC (Ungarn) 2:2, verlor jedoch im Rückspiel mit 0:1.
B68 Toftir nahm am UI-Cup teil. Das Hinspiel in der ersten Runde bei FC St. Gallen (Schweiz) wurde mit 1:5 verloren, das Rückspiel in Toftir endete 0:6.
Meistaradeildin: 1942 | 1943 | 1945 | 1946 | 1947 | 1948 | 1949 | 1950 | 1951 | 1952 | 1953 | 1954 | 1955 | 1956 | 1957 | 1958 | 1959 | 1960 | 1961 | 1962 | 1963 | 1964 | 1965 | 1966 | 1967 | 1968 | 1969 | 1970 | 1971 | 1972 | 1973 | 1974 | 1975
1. Deild: 1976 | 1977 | 1978 | 1979 | 1980 | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 | 1988 | 1989 | 1990 | 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004
Formuladeildin: 2005 | 2006 | 2007 | 2008 – Vodafonedeildin: 2009 | 2010 | 2011 – Effodeildin: 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016

Nonadecansäure

farblose Blättchen
fest
1,225 g·cm−3 (25 °C)
106,5 °C
357,1 °C
Achtung
Die Nonadecansäure ist eine gesättigte langkettige Fettsäure mit ungeradzahliger Kohlenstoffzahl und gehört zur Stoffgruppe der Alkansäuren. Ihre Salze und Ester heißen Nonadecanoate.

Wie die meisten langkettigen Fettsäuren mit ungerader Kohlenstoffzahl kommt Nonadecansäure in der Natur nur selten und in geringer Konzentration vor.
Aus natürlichen Quellen wurde sie zunächst nur aus dem Fett der Rindernieren isoliert.
Jüngere Arbeiten finden Nonadecansäure auch in höheren Pflanzen, so etwa zu 9,95 % der Gesamtfettsäuren in den grünen Teilen von Dill (Anethum graveolens), sowie in einer Rotalge (Hypnea musciformis).
Auch Mikroorganismen bilden Nonadecansäure, so z. B. Streptomyces scabiei subsp. chosunensis.
Zusätzlich hat sie in der Insektenwelt für Termiten eine Bedeutung: Die Soldaten der Termitenart Rhinotermes marginalis verwenden unter anderem Nonadecansäure in ihrem Verteidigungssekret.
Nonadecansäure kann durch Oxidation von 1-Eicosen mit Kaliumpermanganat hergestellt werden.
Ebenso wie andere ungeradzahlige Fettsäuren, wird auch Nonadecansäure bei Vitamin-B12-Mangel vermehrt angesammelt.
Diese Fettsäure wirkt auch gegen einige menschliche Krebszellen als Zellgift.
Wegen ihrer Seltenheit und ihres geringen Vorkommens in biologischem Material wird sie – wie auch Tridecansäure und Heneicosansäure – in der gaschromatographischen Analyse von Fettsäuren häufig als interner Standard eingesetzt.
Ameisensäure | Essigsäure | Propionsäure | Buttersäure | Valeriansäure | Capronsäure | Önanthsäure | Caprylsäure | Pelargonsäure | Caprinsäure | Undecansäure | Laurinsäure | Tridecansäure | Myristinsäure | Pentadecansäure | Palmitinsäure | Margarinsäure | Stearinsäure | Nonadecansäure | Arachinsäure | Heneicosansäure | Behensäure | Tricosansäure | Lignocerinsäure | Pentacosansäure | Cerotinsäure | Heptacosansäure | Montansäure | Nonacosansäure | Melissinsäure | Laccersäure | Geddinsäure