Differentieller Manchester-Code

Der differentielle Manchester-Code, im Englischen auch als Conditional DePhase Encoding (CDP) bezeichnet, ist ein Leitungscode, welcher zur Übertragung von Digitalsignalen Verwendung findet. Er stellt eine Weiterentwicklung des Manchester-Codes dar und enthält wie dieser bei der Kodierung das für den Empfang mittels Taktrückgewinnung notwendige Taktsignal. Bei diesem Code moduliert eine Bitfolge binär die Änderung der Phasenlage eines Taktsignals. Der differentielle Manchester-Code stellt damit eine Form der differentiellen, digitalen Phasenmodulation dar, welche allgemein auch als Differential Phase Shift Keying (DPSK) bezeichnet wird.
Der differentielle Manchester-Code ist mit dem Biphase-Mark-Code vergleichbar, unterscheidet sich aber in einer unterschiedlichen Phasenlage des codierten Datenstromes: Es ist eine zusätzliche zeitliche Verschiebung um eine halbe Bitzellenzeit notwendig, um den Biphase-Mark-Code in den differentiellen Manchester-Code überzuführen.
Bei dem differentiellen Manchester-Code gibt es zwei gleichwertige Definitionen, wobei meist folgende Codierungsvorschrift verwendet wird, wie sie auch in nebenstehender Abbildung dargestellt ist:
Die zweite mögliche Definition vertauscht die Eingangswerte von logisch Eins bzw. logisch Null untereinander.
Der wesentliche Vorteil der differentiellen Manchestercodierung besteht darin, dass die Polarität des codierten Signals für den korrekten Empfang und die Decodierung keine Rolle spielt. Bei einer üblichen symmetrischen Signalübertragung über Leitungspaare hat die Vertauschung der einzelnen Leiter untereinander keine Auswirkung, was die Auswirkungen von Installationsfehlern in der Verkabelung zu reduzieren hilft.
Eine weitere Eigenschaft des differentiellen Manchester-Codes, ebenso wie die des Manchester-Codes, ist seine Gleichanteilsfreiheit des resultierenden Signals. Dies bedeutet, dass der Gleichspannungsanteil genau null ist und es daher möglich ist, die codierte Signalfolge beispielsweise über Impulstransformatoren zwecks galvanischer Trennung oder über Lichtwellenleiter übertragen zu können. Ein Nachteil ist, dass bei der Datenübertragung die benötigte Bandbreite doppelt so hoch ist wie bei der einfachen Binärcodierung (z. B. Non Return to Zero, NRZ).
Anwendung findet der differentielle Manchester-Code in dem Standard IEEE 802.5 welcher Token-Ring-Netzwerke beschreibt.

Self-Realization Fellowship

Self-Realization Fellowship / Yogoda Satsanga Society of India ist eine weltweit operierende spirituelle Organisation, die 1920 von Paramahansa Yogananda gegründet wurde. Ihren Hauptsitz hat sie im kalifornischen Los Angeles.

Bis heute verwaltet die Gruppe, die ein besseres Verständnis der Menschen untereinander bewirken will, das humanitäre Lebenswerk von Yogananda. Ihre Wurzeln hat die Gemeinschaft nicht nur in der christlichen Religion, sondern sieht sich u.a. auch Hinduismus, Islam, Buddhismus und Judentum verpflichtet.
Unterhalten werden weltweit angeschlossene Tempel und Meditationszentren.
Nach dem Tod des Gründers im Jahre 1952 stand Rajarsi Janakananda (James J. Lynn), ein engster Vertrauter Yoganandas, an der Spitze der Organisation. Ihm folgte 1955 Daya Mata (Faye Wright), eine der ersten und engsten Jüngerinnen Yoganandas, als Präsidentin.
Elvis Presley hat von der Öffentlichkeit unbemerkt häufig Anlagen der SRF besucht und sie als Ort der Ruhe und des Nachdenkens genutzt. Mit Daya Mata verband ihn eine enge Freundschaft.

Kastell Zeiselmauer

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Fundamente der Principia, eines südlichen Hufeisen- und des SW-Fächerturmes, Teile der südlichen Lagerumwehrung. Baudenkmäler: Ruine des „Burgus“ und des NO-Fächerturmes, Ost- oder Kastentor, ehemalige Porta principalis dextra, fast vollständig erhalten.
Das Kastell Zeiselmauer, möglicherweise das antike Cannabiaca, war Bestandteil der Festungskette des römischen Donaulimes in Österreich und liegt im Bundesland Niederösterreich, Bezirk Tulln, Gemeinde Zeiselmauer-Wolfpassing/Ortsteil Zeiselmauer.
Zeiselmauer zählt zu den am besten erforschten Auxiliarkastellen in Österreich. Das Kastell war Bestandteil eines Sicherungsgürtels für die Kastellkette in Oberpannonien und in weiterer Folge auch östlicher Flankenschutz für das benachbarte Kastell Comagena/Tulln. Es war abwechselnd mit Infanterie- und Reitereinheiten belegt. Der Kastellgrundriss beeinflusst bis heute die bauliche Gestaltung des Ortskerns. Burgus, Körnerkasten und Fächerturm sind auf Grund ihres hervorragenden Erhaltungszustandes einzigartig am Donaulimes. Erst in den letzten Jahrzehnten haben archäologische Untersuchungen durch das Österreichische Bundesdenkmalamt das Wissen über das römische Zeiselmauer erweitert und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den tatsächlichen römischen Ortsnamen identifiziert.

Sein antiker Name konnte diesem Kastell bisher nicht vollkommen zweifelsfrei zugeordnet werden. Da es aber an der Ostgrenze der einstigen römischen Provinz Noricum liegt, ist die Übereinstimmung mit dem ausschließlich in der Notitia Dignitatum erwähnten Cannabiaca sehr wahrscheinlich. Auch die Funde der Ausgrabungen auf dem Kirchplatz von Zeiselmauer in den 1990er Jahren sprechen für Cannabiaca. Die ältere Lehrmeinung, es handle sich um das in der Tabula Peutingeriana verzeichneten Citium wurde bald wieder verworfen. Dieser Ort war vermutlich nur eine Etappenstation des kaiserlichen Kurierdienstes (cursus publicus) nahe dem heutigen Tulln.
Der Archäologe Erich Polaschek (1885–1974) führte Cannabiaca ursprünglich auf eine Cohors Canafatium oder Cannefatium zurück. Da er dann jedoch in der Tabula Peutingeriana auch einen Ort namens Cannabaca fand, revidierte er seine Ableitung von einer Cohors Canafatium schließlich wieder. Eine weitere Deutung versuchte Polaschek auch anhand der Cohors I Aelia sagittariorum, obwohl „…freilich hier kein eigentlich namengebendes Element hervorgeht.“ Da diese Truppe wie die große Mehrzahl der römischen Bogenschützen ursprünglich im Osten rekrutiert worden sein könnte, von wo übrigens auch ein ähnlicher Ortsname, Cannaba, östlich des Euphrat in der Region Osrhoene, überliefert ist, war es für Polaschek nicht abwegig, dass der Ursprung des antiken Namens von Zeiselmauers dort zu suchen ist, da „…es in seinem Grundelement keltisch ja nicht erklärt werden kann.“
Der Klassische Philologe Gerhard Rasch ordnete Cannabiaca dem keltischen Sprachkreis zu, da das suffixale -äcum vor allem als Bezeichnung für die Zugehörigkeit zu einer Sippe oder zu einer Person diente. Weiters war er der Meinung, dass der Name auch von Canabarum vicus (Marketenderladen für das Heer) oder von can(n)aba (Lagerdorf) herstammen könnte. So sollten die Bewohner des Zeiselmauer Lagerdorfes zuerst als Cannabiaci und später auch ihr Ort unter Rückanlehnung an das lateinische feminine cannaba – als Cannabiaca bezeichnet worden sein.
Der Philologe Alfred Holder (1840–1916) sah in Cannabiaca wieder einen pluralischen o-Stamm zu sing. -äcon. In diesem Sinn leitete er daher Cannabiaca von lateinisch cannabetum, (bretonisch canabek, kymrisch canabauk, canabaca) und auch vom germanischen can(n)abi-s (Lauf) (oder für Canavi-acum von Canavus?), ab. Der Historiker Eduard Böcking (1802–1870) leitete Cannabiaca von Cannabis und Joseph Aschbach (1801–1882) von Cannanefatium castra ab. Der Sprachwissenschaftler Hermann Gröhler (1862–1958) erwog sogar einen Zusammenhang mit dem lateinischen can-nabis (Hanf), dies scheint aber mehr als unwahrscheinlich zu sein.
Zeiselmauer liegt am östlichen Rand des Tullner Beckens, rund einen Kilometer südlich der Donau. Im Osten erhebt sich das Mittelgebirge des nahen Wiener Waldes, der in der Antike die Grenze zwischen Noricum und Pannonien markierte. Die Böschung der Schwemmterrasse, auf der das Lager vor Hochwasser geschützt angelegt war, ist teilweise noch am Verlauf der Römergasse erkennbar. Ein Donauarm reichte in der Antike noch bis unmittelbar an das Lager heran. Das Kastell lag an einem Ast der Limesstraße, der diesen Abschnitt der Donaugrenze mit der nächstgelegenen größeren Stadt, Aelium Cetium (Sankt Pölten), verband. Ein vermutlich an seinem Originalstandort erhalten gebliebener römischer Meilenstein in Nitzing gibt die Entfernung von Aelium Cetium mit 26 römischen Meilen (39 km) an. In der Pfarrkirche von Königstetten ist ein dem Kaiser Maximinus Thrax gewidmeter Meilenstein zu sehen, der um 236 n. Chr. in der Umgebung des heutigen Tulln (Comagenis) gestanden haben muss. Er gibt die Entfernung nach Aelium Cetium mit 22 Meilen an.
Schon früh versuchte man die Ausmaße des in Zeiselmauer vermuteten Kastells zu bestimmen. Der böhmische Hofsekretär Johann Christoph von Jordan († 1748) beschrieb im 18. Jahrhundert das Kastell – mit den Überresten der Türme – als ein rechteckiges Mauerviereck, das etwa 480 Fuß Seitenlänge und eine Fläche von 6400 Klafter umfasste. Auch die Archäologen Guido Kaschnitz von Weinberg und Wilhelm Kubitschek dachten zwar auch an eine quadratische Anlage, lehnten aber den Zusammenhang mit einem römischen Kastell ab da „…das stichbogige Fenster“ und die „Eckrondelle“ eher auf eine mittelalterliche Wehranlage hindeuten würden. Darin bestätigt fühlte sich Kaschnitz durch den Fund eines Limesturmes der 5,69 × 6 m maß, da es nun sicher sei, „dass ein römisches Kastell an der Stelle, wo später die mittelalterliche Befestigung erbaut wurde, zumindest in der Zeit, in der der Limesturm in Gebrauch stand, nicht bestanden hat“. Einzelne Streufunde aus der Römerzeit sind schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Grabfunde und Mauerreste eines Gebäudes deuteten auf eine größere römerzeitliche Siedlung hin. Dechant Petrus Priesen wusste um die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts von römischen Funden zu berichten (Münzen, goldener Anhänger in Form eines Fisches). Bei manchen dieser Artefakte lässt sich der genaue Fundort aber nicht mehr bestimmen. So wird z. B. der Grabstein des P. Aelius Germanus sowohl von Zeiselmauer als auch von Tulln in Anspruch genommen. Eine größere Anzahl von römischen Funden aus Zeiselmauer dürfte überdies im 18. Jahrhundert in die Hände von Antikensammlern gelangt sein.
Erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Aufmerksamkeit der Fachwelt langsam auf Zeiselmauer gelenkt. 1854 wurden beim Bahnbau auf einem Feld südlich von Zeiselmauer mehrere Goldmünzen aus der Zeit des Kaisers Valentinians III. (425–455), 1889 eine mit einem Stempel versehene Lampe sowie eine stark abgegriffene Münze aus der Römerzeit gefunden. 1895, 1897, 1898 und 1900 wurden südlich des Ortes in Richtung St. Andrä immer wieder antike Gräber entdeckt. Ein angeblich um 1900 geborgener Münzhort, hauptsächlich Denare aus dem 2. und 3. Jahrhundert, blieb bis heute verschollen. Wilhelm Kubitschek wies u. a. darauf hin, dass: „…Zeiselmauer oder genauer gesagt das Mauerviereck daselbst und der bis gegen den Bahnkörper zu reichende Landstreifen mit Zeugnissen römischer Besiedlung und vor allem mit Zeugnissen einer römischen Nekropole nicht kargt…“ und weiter dass „…sehr viele Funde unbeachtet und unbesehen und – je nach der Art der privaten Beziehungen – verschiedene Ruhestätten finden und also dem Studium entgehen.“ Den Berichten von Kaschnitz von Weinberg zufolge wurden 1907 und 1908 bei Erdarbeiten zum Bau des Bahnhofsgebäudes auch römerzeitliche Gebäudereste beobachtet, die als Reste der Zivilsiedlung Cetium angesehen wurden. Die dazugehörigen Funde, das Bruchstück eines Grabsteines für einen Soldaten, ein weiteres Grabsteinstück mit Reliefverzierung sowie eine Keramikscherbe mit eingeritzten Buchstaben wurden dem Niederösterreichischen Landesmuseum übergeben.
Im Auftrag der K.k. Zentralkommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale führte Guido Kaschnitz von Weinberg im Jahre 1910 wiederum einige Untersuchungen in Zeiselmauer durch. Es handelte sich um die erste wissenschaftliche Aufnahme der oberirdisch sichtbaren Reste des Kastells. An drei Ecken des Ortes fand er „rondellartige Türme“ mit fast dreieckigem Grundriss (die Fächertürme), von denen der südwestliche und nordöstliche noch gut erhalten als Wirtschaftsgebäude dient. An der Nordwestseite beschrieb er ein rechteckiges Wohngebäude, dessen Ost- und Südmauer noch bis zur Dachtraufe erhalten ist (der Burgus). Im Osten erwähnte Kaschnitz ein weiteres Wohngebäude, den Körnerkasten, in den im Erdgeschoss ein Kreuzgewölbe eingezogen war, welches das Wappen des Urban von Trennbach (Bischof von Passau), und ein Eingangstor, dessen Bogen die Jahreszahl 1581 trug. Kaschnitz vermerkte weiters die Verwendung von Spolien (Grabsteine in Zweitverwendung) und verlegte den Entstehungszeitraum des Baus in das Mittelalter. Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts erkannte Kaschnitz den römischen Ursprung des Nordwest-Burgus und der Südwest- und Nordost-Fächertürme. Den Körnerkasten interpretierte er allerdings als mittelalterlich. Im Laufe des 20. und des frühen 21. Jahrhunderts gelang es schließlich zweifelsfrei, das Kastell archäologisch nachzuweisen. Die zahlreichen noch obertägig sichtbaren, in ihrem Erhaltungszustand einzigartigen Mauerreste (Burgus, Fächertürme, Lagermauer, Principia) wurden konserviert und, wenn möglich, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Der Archäologe Eduard Nowotny war davon überzeugt, dass die Ruinen aufgrund ihrer unverkennbaren Typologie als Bestandteil eines spätantiken Lagers anzusehen sind. Gertrud Pascher und (zunächst) auch Hermann Vetters vermuteten in Zeiselmauer nur einen Wachturm und eine zivile Ansiedlung. Herma Stiglitz unterstützte die Kastelltheorie, da die freistehende Kirche in Zeiselmauer inmitten eines Platzes und der Stadtmauern große Ähnlichkeiten mit der Gebäudeanordnung in Traismauer hat, nur haben dort die einstigen römischen Befestigungsanlagen einen quadratischen Grundriss. Stiglitz wollte sich zunächst zwar nicht darauf festlegen, vertrat dann später aber doch wieder die überholte Ansicht, nach der die Mauern, wenn nicht zum Teil noch antik, zumindest römischen Kastellmauern folgen. Dies auch deswegen, da die ungewöhnliche Form der Türme stark spätantiken Fächertürmen glichen.
Nach den Befunden des Bundesdenkmalamts von 1969 ist der von seiner Baustruktur her im Wesentlichen noch mittelalterliche Kern von einem spätantiken Befestigungssystem umgeben, das von drei Türmen an seiner Nordost-, Südost- und Südwestecke (Fächertürme) und durch einen Zwischenturm an der Ostseite begrenzt wird. Zusammen mit dem im Norden des Areals beobachteten Doppelspitzgraben erkannte Ubl darin ein Auxiliarlager für eine Cohors quingenaria. Graham Webster legte die Fläche für ein 500-Mann-Lager mit ca. 2,2 ha fest, was auch auf Cannabiaca zutrifft.
1973 begann man mit der Restaurierung der Lagermauer. 1974 wurde der Nordwestturm ausgegraben und restauriert. Anfang der 1980er Jahre wurde die Volksschule umgebaut; dabei wurden in einem neu ausgehobenen Kellerraum die noch gut erhaltenen Fundamente des Hufeisenturmes gefunden, der einst an der südlichen Lagermauer stand. Bei der Generalsanierung der Pfarrkirche 1981 konnte die karolingische Vorgängerkirche ergraben werden. Mehrere Räume eines antiken Gebäudekomplexes konnten dokumentiert und dieser als Principia des Kastells identifiziert werden. 2005 erfolgte die Untersuchung und Restaurierung des nordöstlichen Fächerturmes durch das Bundesdenkmalamt. Bei Grabungen im Jahre 2010 entdeckte man die Fundamente der nördlichen Toranlage.
Da das Tullner Feld den direkten Zugang zum Wiener Becken ermöglichte, betrieben die Römer dort mit besonderem Nachdruck die wirkungsvolle militärische Sicherung dieses Gebietes. Cannabiaca war Teil des linken Sicherungsgürtels für die Kastellkette in Oberpannonien und in weiterer Folge Flankenschutz für Kastell Comagena (Tulln).
Den bisherigen Forschungsergebnissen nach zu urteilen, scheint das frühe Holz-Erde-Kastell in spätflavischer Zeit (80 n. Chr.) erbaut worden zu sein. Nachdem dieses im frühen 2. Jahrhundert fast vollkommen niederbrannte, wurde es unter Kaiser Marc Aurel (161–180) als rechteckiges Steinkastell mit abgerundeten Ecken wiederaufgebaut. Diese Anlage erlitt während des Juthungeneinfalls von 270 n. Chr. Zerstörungen. Der Legende nach war Cannabiaca der Geburtsort eines im Christentum verehrten Heiligen und Schutzpatrons, Florian. Florian war Kanzleivorsteher des ufernorischen Statthalters/praeses. Als er sich weigerte die vorgeschriebenen Opfer für den Kaiserkult zu erbringen, wurde er am 4. Mai 304 in Lauriacum hingerichtet. Während der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts wurden die bisherigen vier Ecktürme, welche in den Innenwinkeln der Ecken standen, durch mächtige fächerförmige Türme ersetzt, die mit ihrer abgerundeten Frontseite weit aus dem Verband der Umfassungsmauer herausragten. Fächertürme sind typische Bauelemente am mittleren Donaulimes. Viele Kastelle der pannonischen Provinzen und in Noricum wurden entsprechend nachgerüstet, wobei regionale Unterschiede erkennbar sind. Eine in Zusammenhang mit gleichen Umbauten am Kastell Annamatia aus dem zugeschütteten Kastellgraben der Prinzipatszeit geborgene Münze, die während der Regierungszeit des Kaisers Konstantin II. (337–340) geprägt wurde, könnte dabei den Terminus post quem liefern. In der ungarischen Archäologie gilt diese Münze als frühester Beleg für entsprechende Baumaßnahmen an den Donaukastellen. Diese Umbauten werden wohl zu einer mehr oder minder langen, zusammenhängend organisierten Baukampagne gehört haben. Weitere Umbauarbeiten fanden noch bis in die Zeit Valentinians I. (364–375) statt, wie zahlreiche Ziegelstempel belegen. Zu dieser Zeit muss auch der Fächerturm der Nordwestecke wieder abgerissen und durch den Burgus (Restkastell) ersetzt worden sein. Nach einer letzten Umbaukampagne im späten 5. Jahrhundert wurde die Anlage wohl um 460 n. Chr. von den Rugiern endgültig zerstört. Herbert Mitscha-Märheim hingegen macht Ostgoten und Heruler für den Untergang Cannabiacas verantwortlich. Ubl setzt die Zerstörung des Kastells um 453 n. Chr. an und beruft sich dabei auf Münzfunde Valentinians III. sowie in Zeiselmauer aufgefundene Keramikscherben mit Einglättverzierung. Heinrich Zahbehlicky nimmt an, dass Cannabiaca noch bis über das 5. Jahrhundert hinaus bewohnt war obwohl es in der Vita des Severin von Noricum nicht erwähnt wird. Einige Grabfunde weisen sogar noch auf Kontakte der örtlichen Bevölkerung mit slawischen Stammesgruppen hin. Da aus diesem Bereich auch noch frühmittelalterliche Funde bekannt sind scheint eine durchgehende Besiedlung dieses Ortes oder seiner unmittelbaren Umgebung ebenfalls in Bereich des Möglichen zu rücken. Dennoch fand man bei den Ausgrabungen über dem letzten römischen Fundhorizont eine bis zu 80 cm dicke Humusschicht die keinerlei Fundstücke mehr aufwies. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Befestigungen bald komplett von Vegetation überwuchert und für lange Zeit nicht mehr benutzt wurden. Eine Besiedlung des Kastellareals im größeren Maßstab durch bajuwarische Kolonisten setzte erst wieder gegen 791 n. Chr. im Zuge des Awarenkrieges Karls des Großen ein.
Der Kastellgrundriss prägt den Ortskern bis heute. Die 500-jährige Baugeschichte des Kastells lässt sich anhand der Befunde der zahlreich erhaltenen Mauerreste und der Ausgrabungsergebnisse (besonders für die Spätantike) sehr gut dokumentieren.
Die Römer errichteten das Lager zunächst standardmäßig in ihrer altbewährten Holz-Erde-Bauweise. Sein Grundriss war rechteckig und maß 150 × 135 m (Spielkartenform) mit einer Fläche von etwa 2–5 ha und war an den abgerundeten Ecken mit innen angesetzten Beobachtungstürmen versehen. Das Lager verfügte über vier Tore, die durch die beiden Lagerhauptstraßen miteinander verbunden waren. Die Befestigungen waren zusätzlich von einem rund 2 m tiefen Spitzgraben umgeben, dessen Aushub gleichzeitig zur Aufschüttung des Walles verwendet wurde. Als Brustwehr diente eine hölzerne Palisade.
In der Mitte des Lagers befand sich das Kommando- und Verwaltungsgebäude, die Principia. Entlang der Lagerstraßen reihten sich die Unterkünfte für Soldaten und Offiziere sowie Stallungen für Pferde und Packtiere auf. Diese sehr einfach gehaltenen Gebäude standen auf Bruchsteinfundamenten mit Mörtelaufstrich. Der Oberteil bestand aus einer hölzernen Fachwerkkonstruktion, deren Wände zwischen den Stehern durch mit Lehm verputztes Rutengeflecht ausgefüllt wurden. Die Dächer waren zuerst nur mit Stroh oder Schilf, später mit gebrannten Dachziegeln gedeckt. Die Böden bestanden aus gestampftem Estrich. Aus dieser ersten Ausbauphase haben sich aufgrund der Vergänglichkeit des Baumaterials und mehrerer Brandkatastrophen allerdings nur wenige Reste erhalten.
Nach der Holz-Erde-Phase folgte etappenweise der Ausbau in Stein, der in der Zeit um etwa 150 n. Chr. abgeschlossen gewesen sein dürfte. Fläche und Form des Lagers wurden dabei nicht wesentlich verändert. Die neue Befestigungsmauer wurde direkt vor den Erdwall gesetzt, der nun seinerseits eine etwas erhöhte, umlaufende Lagerstraße, die via vallaris, bildete. Deren Niveau kann man heute noch am Eingangstor des spätantiken Restkastells in der Augasse erkennen. Als Wehrgang wurde hinter der Mauer eine schmale Erdrampe aufgeschüttet. Die Stärke der Mauer betrug aber nur einen Meter. Ihre Außen- und Innenseite bestand aus behauenen Blöcken, der Zwischenraum wurde mit einer Bruchstein-Mörtelmischung aufgefüllt. Ein Überbleibsel der spätantiken Mauer ist bei einer Engstelle der Ortsdurchfahrt, gegenüber dem Gasthof Zum lustigen Bauern freigelegt und sichtbar gemacht worden.
Auch die Ecktürme wurden neu in Stein errichtet, lagen aber immer noch an der Innenseite der Mauer. Weiters wurden um das Lager diesmal ein doppelter Spitzgraben (Tiefe 2 m) angelegt. Unterkünfte, Kommandogebäude und Stallungen wurden ebenfalls komplett in Steinbauweise erneuert und mit Ziegeldächern versehen. Einige waren sogar mit einer Fußbodenheizung (hypocaustum) ausgestattet. Für diese Baumaßnahmen wurde hauptsächlich Sandstein aus dem Wiener Wald verwendet. Ein Steinbruch aus dieser Zeit konnte bei Sankt Andrä-Wördern in der Hagenbachklamm lokalisiert werden. Die Ziegel wurden größtenteils in den Legionsziegeleien von Vindobona (Wien) und ab 200 n. Chr. in Lauriacum (Enns) gebrannt. Ein erhalten gebliebener spätantiker Ziegelstempel weist eine Inschrift auf, die einen Magister Bonus nennt.[A 1] Das erste Steinlager bestand nahezu unverändert bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert. Erwähnenswerte Baureste blieben jedoch nicht erhalten. Eine erste Namensnennung des Magisters Bonus geschah entweder bereits am Ende der Ära des Constantius II. oder in der nachfolgenden valentianischen Epoche. Da sich die Stempelabkürzungen AR, ARN bzw. ARAN einstweilen nicht eindeutig erklären lassen, bleiben die bisherigen Übersetzungsvorschläge spekulativ.
Um 300 n. Chr. erfolgte aufgrund der dramatischen militärischen Situation am Limes eine grundlegende Modernisierung der Befestigungsanlagen. An den Lagerecken wurden anstelle der alten Innentürme mit Bastionen vergleichbare, weit aus der Mauer vorkragende Fächertürme angelegt. Zwischen diesen errichtete man zum besseren Schutz der Mauer und der Tore zusätzlich hufeisenförmige, etwa zehn Meter hohe Türme. Wahrscheinlich waren es bis zu 20, 4 Fächer-, 8 Hufeisen- und 8 Tortürme, die dem Lager in der Spätantike einen imposanten Anblick verliehen haben. In der Römergasse ist der Nordost-Fächerturm noch gut erhalten. Von seinem Pendant an der Südwestecke konnten nur noch die Fundamente beobachtet werden, von den Hufeisentürmen ist oberirdisch nichts mehr vorhanden. Fundamentreste eines solchen Turmes konnten im Keller des Volksschulgebäudes ausgegraben und konserviert werden.
Vermutlich um 370 n. Chr. begann die letzte Ausbauphase des Kastells. Da die Besatzung im Lauf der Zeit immer weiter reduziert worden war, zuletzt wahrscheinlich auf ein Zehntel ihrer ursprünglichen Stärke, war das Kastell zu groß, als dass es mit den Soldaten der verbliebenen Garnison noch wirksam verteidigen werden konnte. Ein großer Teil des ummauerten Areals wurde für die vor den Wirren der Völkerwanderung schutzsuchende Zivilbevölkerung des Umlandes geöffnet. Der einstige Militärstützpunkt verwandelte sich in eine befestigte Siedlung (Oppidum). Entweder wurden völlig neue Häuser gebaut oder noch bewohnbare Kasernen, so gut es ging, den Bedürfnissen der neuen Bewohner angepasst (Einbau von Kochstellen, Bodenheizungen etc.). Die Bebauung im Inneren des Kastells erfolgte größtenteils regellos und ohne Einhaltung des bisherigen Rasterschemas, teilweise wurden die Gebäude auch auf den einstigen Lagerstraßen errichtet. Für die Besatzung wurde im Nordwesten des Areals ein eigenes Kleinkastell (burgus) errichtet, auch das Osttor wurde zur Festung umgebaut.
Bis in die 1970er Jahre war seine Ruine noch in die Gebäude eines Bauernhofes integriert und in ihrer Gesamtheit nicht erkennbar. Nach einer Untersuchung des Mauerwerkes am Nordwestturm durch Ubl konnte dieser zweifelsfrei als römischer Burgus identifiziert werden. 1970 erwarb die Gemeinde Zeiselmauer die Liegenschaft, die neuzeitlichen Gebäude wurden abgerissen, die antiken Mauern noch einmal wissenschaftlich untersucht, danach konserviert und im Rahmen eines kleinen archäologischen Parks sichtbar gemacht.
An der Stelle des Kleinkastells stand ursprünglich ein Fächerturm, der um 370 n. Chr. wieder beseitigt wurde. Die Wehranlage hat einen leicht nach Ost-West verzogenen quadratischen Grundriss mit 20 × 21 Metern und kragt im Norden ca. 1,50 Meter der Kastellmauer vor. Die südliche Außenmauer von 1,90 Meter Stärke war von vier Öffnungen durchbrochen. An der Nordseite befand sich eine weitere Fensteröffnung; an der Ostmauer, zu beiden Seiten des Eingangstores, werden ebenfalls zwei Fenster vermutet. Der Zugang war nur durch den noch erhaltenen Torbogen (ursprünglich zwei Meter breit) aus dem Lagerinneren möglich. Diese Eingangsöffnung war einst wohl durch ein zweiflügeliges Tor verschlossen. Das erhaltene Gussmauerwerk steht auf etwa zwei Meter breiten Fundamenten und war an Vorder- und Rückseite mit Quadersteinen verblendet. Der ursprünglich etwa zehn Meter hohe Bau hatte im Erdgeschoss keine Fenster. Das Obergeschoss wurde von kleinen, schlitzartigen Fenstern belüftet. Im Dachgeschoss befand sich ein umlaufender Wehrgang mit einer Brustwehr und einem ziegelgedeckten Dach.
Alle Innenbauten (Raumabtrennungen, Zwischendecken, Treppen etc.) waren wohl ausnahmslos aus Holz angefertigt. Die vier Hauptpfeiler der Dachkonstruktion standen auf gemauerten, winkelförmigen Fundamenten um einen kleinen Lichthof (Stärke des Mauerwerkes: 0,85–1,05 m, Abmessungen: 1,80 × 1,85 m oder 1,95 × 1,90 m). Dier Pfeiler umschlossen eine Fläche von 6,70 × 5,70 Metern und bildeten einen 3,87 × 4,80 m großen Lichthof.[A 2] Das Baumaterial wurde größtenteils aus Vorgängerbauten gewonnen, z. B. dem Fächerturm, auch Grab- und Weihesteine wurden für den Bau verwendet wie z. B. ein Altar für Lucius Verus (siehe unten). Dieser ist im Gemeindeamt von Zeiselmauer zu besichtigen. Für die Wange eines Fensters in der Nordmauer wurde ebenfalls ein Grabstein eingemauert. Im Zuge der Untersuchungen durch Ubl konnte auch der Rest eines 0,85 m starken Mauerzuges gefunden werden, dessen Ausrichtung von der Linie des Burgus abweicht und ein Überbleibsel des Vorgängerbaues, des Fächerturmes, sein könnte.
Im 5. Jahrhundert wurden an dem Gebäude noch einmal Umbauten vorgenommen. Das Tor wurde auf 1,20 Meter verengt, einige Fenster des südlichen Obergeschosses wurden wieder zugemauert und im Inneren eine von Ost nach West verlaufende, etwa einen Meter starke Mauer aufgezogen, deren Zweckbestimmung bisher nicht geklärt werden konnte. Kurze Zeit später ließ entweder ein Erdbeben oder eine Hochwasserkatastrophe die gesamte Westmauer in sich zusammenstürzen. Ihre Reste sind noch zu sehen.
Der Burgus ist neben dem von Wallsee (Traismauer imd Mautern?) eines der wenigen bekannten Bauwerke dieser Art in Österreich. Vergleichbare Anlagen gibt es in Pannonien (Kastell Gerulata), an der unteren Donau, im Nahen Osten und in Nordafrika.
Der sogenannte „Körnerkasten“ – zählt (neben den Hufeisentürmen von Mautern an der Donau, Traismauer und Tulln) zu den am besten erhaltenen römischen Bauwerken im österreichischen Abschnitt des Donaulimes. Diese Kleinfestung wurde vermutlich um dieselbe Zeit wie der nordwestliche Burgus errichtet (zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr.).
Das Osttor mit seinen beiden Flankentürmen wurde abgerissen und durch einen rechteckigen, turmartigen Bau (Kastentor) mit abgerundeten Ecken ersetzt, der nun weit über die Lagermauer vorkragte. An seiner Westseite ist noch der obere Teil eines der Torbögen zu erkennen, der vermutlich schon in der Spätantike zugemauert wurde. Dieser Umstand könnte auch das plötzliche Abknicken der Bundesstraße 14 am Kirchplatz Richtung Süden erklären, die ansonsten exakt dem Lauf der ehemaligen Lagerhauptstraße folgt. An Nord- und Südseite des Gebäudes sind noch Reste der einstigen Kastellmauer zu sehen. Ihr nördlicher Verlauf bis zum Fächerturm ist sehr gut an den Häusern entlang der Römergasse zu erkennen, die auf dem Unterbau der Mauer stehen. Das Mauerwerk des Gebäudes ist bis zur Dachtraufe in seiner Substanz spätantik. Früher wurde angenommen, dass er aus viel späterer Zeit stamme, da über den Haupteingang die Jahreszahl 1581 angebracht ist. Dieses Datum bezieht sich aber wohl auf den Einbau des neuen Tores und des Kellergewölbes.
Der hervorragende Erhaltungszustand der Anlage erklärt sich aus seiner späteren Nutzung als Getreidespeicher durch das Bistum Passau, das vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert die Grundherrschaft in dieser Region innehatte. Er befindet sich heute in Privatbesitz und konnte deswegen noch nicht eingehend wissenschaftlich untersucht werden.
Die Ruine des Turmes steht auf einem Privatgrundstück im Ortskern. Er stammt aus der Mitte des 4. Jahrhunderts und ist das einzig oberirdisch erhalten gebliebene Bauwerk dieser Art in Österreich. Der nordöstliche Fächerturm von Canabiaca zählt zur Gruppe der nachträglich angebauten Bauten des Typs „ohne Hals“ (d.h. mit den Seitenmauern direkt an den ursprünglichen, quadratischen Eckturm angebaut). Die äußeren Fluchten seiner seitlichen Mauern liegen ca. 5 m auseinander, was in etwa auch der Breite eines mittelkaiserzeitlichen Eckturmes entspricht. Die Flankenmauern weisen jeweils eine Länge von etwa acht Meter auf und schließen dabei einen Winkel von 57 Grad ein. Die ursprüngliche Höhe des Turmes betrug neun Meter. An seiner Westseite ist noch der Anschluss an die Lagermauer erhalten. Die Holzpflöcke markieren die Verstrebungslöcher des einstigen Baugerüstes. Diese Art von Fächertürmen blieb bis auf einige wenige Ausnahmen auf Noricum und Pannonien beschränkt. Breite 12,40 m, Tiefe (bis zur Kastellmauer) 10,20 m.
Der südliche Hufeisenturm Cannabiacas datiert in die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts. Maße: 6 × 11,70 m, im Verhältnis 1,95, der Vorsprung zur Kastellmauer beträgt 7,50 m, der Rücksprung, ca. 3,30 m. Die Stärke des Frontbogens misst 1,40 m, die der Seiten 1,20 m, an seiner Rückseite 1,30 m. Die Innenmaße betragen ca. 3,60 × 9 m, der Fundamentvorsprung von 0,10–30 m. Sein aufgehendes Mauerwerk ist noch bis zu einer Höhe von vier Metern erhalten.
Das Fahnenheiligtum (Aedes, Sacellum) wurde 1981 lokalisiert und ausgegraben. Durch den Einzug einer Betondecke und dem Bau eines separaten Einganges ist es seit 2001 auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Wie bei der Untersuchung im Jahr 2003 festgestellt werden konnte (siehe Grabungen), befinden sich die Überreste des Kommandogebäudes (Principia) teils unter der Bundesstraße und Pfarrkirche von Zeiselmauer.
Der Komplex bestand aus einem mit einem Säulengang umgebenen Vorplatz und dem eigentlichen Hauptgebäude mit einem größeren zentral gelegenen Raum, der an seiner Südseite durch eine Apsis abgeschlossen wurde. Die letztere wurde im 10. Jahrhundert durch den Bau der karolingischen Saalkirche (der älteste nachweisbare Kirchenbau in Niederösterreich) durch Siedler aus Bayern jedoch abgetrennt. Ihre Fundamente liegen heute außerhalb der Kirche. Der große Zentralraum diente als Kultraum und Fahnenheiligtum, in der Apsis führten drei Stufen zu einem erhöhten Sockel, auf dem wohl die Statue eines Kaisers aufgestellt war. Neben dem Sockel fanden sich mehrere Fragmente einer Bronzeskulptur. Sie wurde wohl in der Spätantike zerschlagen, einige bronzene Bruchstücke von ihr fanden sich auch auf der Lagerstraße. Die im Fahnenheiligtum freigelegten Estriche spiegeln die einzelnen Bauphasen des Kastells vom 1. bis ins 4. Jahrhundert wider.
In der Spätantike wurden die Principia teilweise zu einem Wohngebäude umgestaltet und mit einer primitiven Schlauchheizung ausgestattet. Einer der Heizkanäle ist noch direkt neben dem Eingang zu sehen. Möglicherweise wurde das Gebäude ab dem 4. Jahrhundert auch als Kirche genutzt da die bajuwarischen Kolonisten ihre Kirche wieder exakt über der Principia errichteten. Aussagekräftige archäologische Funde dazu fehlen allerdings bis heute.
Cannabiaca beherbergte wohl eine gemischte Kohorte (Cohors equitata = Infanterie/Reiterei) der Hilfstruppen (Auxilia) in der Stärke von 500 Mann, die in der Frühzeit noch der Legio X Gemina in Vindobona unterstellt war. In weiterer Folge wurde die Garnison dem Abschnitt der Legio II Italica in Lauriacum zugewiesen. Funde von Ziegelstempeln der II. Italica und X. Gemina lassen auf die Mitwirkung von Vexillationen der beiden Legionen beim Bau des Kastells schließen. Folgende Einheiten sind für diesen Standort bekannt bzw. wahrscheinlich:
Im Süden und Südwesten lag die in der frühen Kaiserzeit entstandene Zivilsiedlung (vicus oder cannabae) samt einem Friedhof, deren Ausdehnungen aber noch nicht zur Gänze erforscht werden konnten. Der Vicus dürfte vom 2. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. kontinuierlich besiedelt gewesen sein. Besonders der alte Flurnamen, „Steinfeld“, ist ein Hinweis darauf, dass die Grundmauern der antiken Zivilsiedlung für die Bauern ein ständiges Ärgernis bei der Feldarbeit waren. Der Vicus erstreckte sich ungefähr von der heutigen Schulgasse über die Linie der Franz-Josefs-Bahn bis zur Hagengasse und war damit von der Fläche her viel größer als das Kastell. Das – etwas tiefer als das Kastell – im Südwesten gelegene Viertel der Zivilsiedlung dürfte öfters von Hochwasserkatastrophen heimgesucht worden sein, wie Schwemmsandablagerungen in diesem Bereich zeigten.
Im Südwesten lagen – soweit erforscht – die Begräbnisstätten. Im Burgus eingemauert konnte ein 1,70 m hoher Grabstein von diesem Gräberfeld gefunden werden.[A 4] Der Stein zeigt in einem stark verwitterten Relief die Portraits eines Ehepaars. Aelius war ein Veteran der Grenztruppen, seine Frau Amuca stammte vermutlich aus Noricum oder Pannonien, worauf auch ihr Name und die Kopfbedeckung hindeuten. Sie sind bis dato die einzigen namentlich bekannten Bewohner aus Cannabiaca. Der Stein befindet sich heute im Vorraum des Gemeindeamtes Zeiselmauer, eine Kopie ist auf dem Schaugelände des Burgus aufgestellt. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts wurde der Vicus aufgegeben und die Zivilbevölkerung zog sich hinter die Mauern des Kastells zurück. Vermutlich wurden einige Gebäude bewusst abgetragen, um daraus das Baumaterial für die neuen Behausungen im Inneren des Kastells zu gewinnen. Die Gräber wurden jetzt näher am Kastell oder teilweise direkt im ehemaligen Vicus ausgehoben. Besonders beim Bahn- und Häuserbau im 19. Jahrhundert kamen dann auch vermehrt Mauerreste, Gräber und Streufunde des Vicus ans Tageslicht.
Von Wien aus kann man mit dem PKW über die B 14, die Klosterneuburger Bundesstraße nach Zeiselmauer gelangen. Die Schnellbahnlinie S 40 oder Personenzüge der ÖBB verkehren von Wien aus im 1/4-Stunden Takt (Wien-Franz-Josefs Bahnhof – Zeiselmauer-Königstetten). Das Ortszentrum ist auch vom Donau-Radweg auch gut auf mehreren Stichstraßen durch das Augebiet zu erreichen (etwa zwei bis drei Kilometer).
Die Baudenkmäler selbst können dann über den so genannten Römerrundgang begangen werden. An jedem der fünf Haltepunkte sind Informationstafeln angebracht. Der Rundgang beginnt am Kirchplatz. Auf der Grünfläche befinden sich zwei Schautafeln die über das Kastell im Allgemeinen und die Krypta der Pfarrkirche mit dem Fahnenheiligtum informieren. Die Besichtigung der Unterkirche ist allerdings nur mit Führung und gegen Voranmeldung möglich. Vom Kirchenplatz (1) führen wenige Meter an der Bundesstraße Richtung Tulln zum Florianiplatz. Der dortige etwas über den rechten Gehsteig vorkragende Bau der Florianikapelle markiert die Stelle des westlichen Lagertors (Porta principalis sinistra). Rechts entlang der Augasse (Braunes Schild, Richtungspfeil Römermauern) gelangt man bald zum Schaugelände des Burgus (2). Von dort beginnt rechts die Römergasse, in der man nach etwa 150 Metern zur Ruine (3) des NO-Fächerturmes (Römergasse Nr. 6) gelangt. Danach zweigt nach rechts ein Fußweg ab, der leicht ansteigend zum Passauerplatz mit dem Körnerkasten (4) und wieder zurück zum Ausgangspunkt am Kirchplatz (5) führt.
Im Keller der Volksschule, der nicht allgemein zugänglich ist, haben sich die Fundamente des Hufeisenturms (s. o.) der südlichen Lagermauer erhalten, gleich daneben im Hof, wurde ein Stück der südlichen Lagermauer freigelegt und konserviert. Im Eingangsbereich zwischen Gemeindeamt (Bahnstraße) und Postfiliale ist eine – nur während der Amtsstunden zugängliche – kleine Ausstellung römischer Funde in einer Vitrine zu besichtigen. Als Zeugnis der hier einst stationierten Truppen, der Cohors II Thracum, ist der dem Lucius Verus gewidmete Weihestein, sowie der Grabstein des Aelius Aemilius aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., aufgestellt.
Kastell Boiotro | Kastell Boiodurum | Burgus Passau-Haibach | Kleinkastell Oberranna | Kleinkastell Schlögen | Kastell Eferding | Burgus Hirschleitengraben | Kastell Lentia | Legionslager Lauriacum | Legionslager Albing | Kastell Wallsee | Locus Felicis | Burgus Ybbs | Kastell Arelape | Kastell Melk | Burgus Bacharnsdorf | Kastell Favianis | Burgus Hollenburg | Kastell Traismauer | Kastell Zwentendorf | Kastell Comagena | Kastell Zeiselmauer

Beniamino Vignola


Beniamino Vignola (* 12. Juni 1959 in Verona, Italien) ist ein ehemaliger italienischer Fußballspieler.
Während seiner aktiven Laufbahn war er Mittelfeldspieler und konnte unter anderem zwei Europapokalsiege feiern.
Beniamino Vignola begann seine Karriere beim Verein seiner Heimatstadt, Hellas Verona, für die er 1978 in der Serie A debütierte. Im Jahr 1980 wechselte er zur US Avellino, wo er drei Spielzeiten unter Vertrag stand.
Im Sommer 1983 wurde Vignola schließlich vom italienischen Rekordmeister Juventus Turin verpflichtet. Mit Juve gewann er unter Trainer Giovanni Trapattoni eine italienische Meisterschaft, den Europapokal der Pokalsieger, den Europapokal der Landesmeister sowie den Europäischen Supercup. Im Finale des Europapokals der Pokalsieger gelang ihm dabei sogar das entscheidende Tor zum 2:1 gegen den FC Porto. Die Saison 1985/86 verbrachte er bei Hellas Verona, die beiden folgenden Spielzeiten wieder bei Juventus.
Im Jahr 1988 wechselte Beniamino Vignola zum FC Empoli in die Serie B, mit dem er jedoch den Abstieg in die Serie C1 nicht verhindern konnte. Am Ende der Saison 1991/92 beendete Vignola seine Karriere in der Serie C2 bei der AC Mantova.

Wolfgang Bernhardt

Wolfgang Bernhardt (* 6. Dezember 1935 in Hanau) ist ein deutscher Manager, Unternehmensberater und Hochschullehrer.
Bernhardt studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg im Breisgau und promovierte dort. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen arbeitet er zunächst als Rechtsanwalt. Später bekleidete er führende Positionen in Industrieunternehmen, so als Generalbevollmächtigter der Friedrich Flick KG und als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands Korf-Stahl AG. Seit 1983 war er selbständig als Berater für Banken und Industrieunternehmen – vielfach Familiengesellschaften – tätig. Daneben übernahm er von Zeit zu Zeit Neuordnungs- und Privatisierungsaufgaben, so z.B. für die Treuhandanstalt. Von 2003 bis 2005 war er Vorsitzender der Geschäftsführung der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH. Am 1. Januar 2006 wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrats der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH und Vorsitzender des Kuratoriums der FAZIT Stiftung. Für Bernhardt galt die persönliche Sonderregelung, daß er erst nach Vollendung des 78. Lebensjahres aus dem Gesellschafterkreis der FAZIT-Stiftung ausscheiden muß, während für alle anderen das Höchstalter von 75 gilt.
Seit dem Wintersemester 1993/94 hat Bernhardt einen Lehrauftrag an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig und wurde dort 1997 zum Honorarprofessor für Unternehmensführung ernannt.
Von 2001 bis 2008 war Bernhardt Mitglied des internationalen Revisorenkollegiums bei der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls in Rom.
Bernhardt ist Mitglied der katholischen Studentenverbindungen K.St.V. Brisgovia Freiburg und K.St.V. Frankonia-Straßburg zu Frankfurt am Main im KV.

Sochy (Lublin)

Sochy ist ein Dorf und Sołectwo in der Gmina Zwierzyniec im Powiat Zamojski. Es liegt in der Woiwodschaft Lublin im Südosten Polens.

Die Landschaft ist durch den fennoskandischen Eisschild gestaltet worden und ist eine postglaziale, hügelige, bewaldete Grundmoräne, die im Einzugsgebiet der Weichsel liegt. Die Region mit dem Nationalpark Roztocze gehört zum Roztocze. Nördlich von Sochy fließt durch Zwierzyniec der Fluss Wieprz, ein rechter Zufluss der Weichsel. Südwestlich bei Sochy ist die 310-Meter-Anhöhe Bukowa Góra.
Die Entfernung nach Biłgoraj beträgt 24, nach Lublin 100, nach Zamość 33 und nach Zwierzyniec fünf Kilometer. Durch Zamość verläuft die Droga krajowa 17 Warschau–Grenzübergang Hrebenne. Die Staatsgrenze zur Ukraine bei Hrebenne verläuft 70 Kilometer südöstlich von Sochy.
Nach der Christianisierung Polens im Jahr 966 kamen die Lendizen unter die Herrschaft des Mieszko I. Mit der Dritten Polnischen Teilung im Jahr 1795 kam diese Region als Westgalizien zu Österreich. Von 1807 bis 1815 gehörte das Gebiet zu Herzogtum Warschau und dann zu Kongresspolen.
Das Dorf Sochy wurde vor dem Jahr 1826 begründet. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Friedensvertrag von Versailles wurde im November 1918 die Zweite Polnische Republik gebildet. Am 17. September 1939 erfolgte die Sowjetische Besetzung Ostpolens durch die Rote Armee. Mit dem Deutsch-Sowjetischen Krieg war Sochy ab Sommer 1941 ein Dorf im Distrikt Lublin des Generalgouvernements.
Nach der Operation Bagration im Sommer 1944 erklärte das Lubliner Komitee die Stadt Lublin vorübergehend zur Hauptstadt Polens. Ab Anfang Januar 1945 lag Sochy in der Volksrepublik Polen und gehörte von 1975 bis 1998 zur Woiwodschaft Zamość und seit 1999 zur Woiwodschaft Lublin.
Ende Mai 1943 kaufen zwei als Partisanen verkleidete polnische Hilfspolizisten Waffen in Sochy. Als sie von Mitgliedern der Polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa) in Józefów erkannt wurden, ist einer der Polizisten erschossen worden und dem Anderen gelang die Flucht.
Als Vergeltung für den getöteten Polizisten begann am 1. Juni 1943 gegen 5.30 Uhr das Massaker. Bei dieser Pazifikation ermordeten Soldaten der Wehrmacht rund 200 Einwohner des Dorfes. Zuerst wurden Arbeiter, die nach Zwierzyniec zur Arbeit eilten, erschossen. Die deutschen Soldaten schossen aus Maschinengewehren von den Hügeln auf die Einwohner. Danach kamen Flugzeuge der Luftwaffe in Einsatz. Falls alle Wohnhäuser wurden abgebrannt und gesprengt. An die Ausrottung erinnert der örtliche Friedhof und eine Gedenktafel. Während einer Exhumierung wurden 88 männliche, 52 weibliche und 45 kindliche Gebeine identifiziert.
Sochy gehört neben Oradour-sur-Glane, Sant’Anna di Stazzema, Lidice, Kalavryta, Distomo zu den Ortschaften, in den während des Zweiten Weltkriegs Zivilpersonen den Vergeltungsmaßnahmen zu Opfer fielen.
Die Zeitzeugin Teresa Ferenc (* 1934 in Ruszów bei Zamość) verarbeitete ihr Erlebtes in dem Gedichtband Ausgebranntes Tal (Wypalona dolina), das im Jahr 1979 in Warschau erschien. Ihre Tochter Aneta Jankowska veröffentlichte unter dem Pseudonym Anna Janko im Frühjahr 2015 das Buch Kleine Ausrottung (Mała Zagłada).

That Old Feeling (Lied)

That Old Feeling ist ein Lied, das von Sammy Fain komponiert und von Lew Brown getextet wurde; es wurde im Jahr 1937 in dem Film Vogues of 1938 veröffentlicht. Das Lied erhielt eine Oscarnominierung als „bester Filmsong,“ führte 1937 die US-Charts an und entwickelte sich seit den 1950er Jahren zum Jazzstandard.

Brown kam mit dem fertigen Text des Liebesliedes zu Fain, der zu dem Text die passende Melodie fast vollständig während eines Treffens entwickelte. Der Text handelt davon, dass die Liebe noch nicht vorbei ist, sondern als der Sänger die fragliche Person letzte Nacht sah, er wieder das alte Gefühl hatte und in dem Moment, wo sie ihn ansah, sein Herz still stand.
Das Lied wird in dem Film verwendet, als die Protagonisten einen Supper Club besuchen: Dort singt Virginia Verrill (1916–1999) die Ballade, umrahmt von einer Stepptanzeinlage von George Tapps (1911–1997).
Shep Fields and His Rippling Rhythm Orchestra nahmen das Lied auf und waren damit 13 Wochen in den US-amerikanischen Charts, davon vier Wochen auf Platz eins. Auch Jan Garber and His Orchestra kamen damit im selben Jahr in die Charts, allerdings nur bis auf Platz 10. That Old Feeling war mehrfach auf dem Spitzenplatz von Your Hit Parade, so in der Interpretation von Jane Froman.
Das Lied wurde vielfach gecovert, unter anderem von Ella Fitzgerald, Rod Stewart und Frank Sinatra, der das Lied erstmals 1946 in seiner Radioshow gemeinsam mit André Previn in einem Medley interpretierte und 1947 mit Axel Stordahl aufnahm; 1960 spielte er das Stück noch einmal mit dem Orchester von Nelson Riddle ein.
Es wurde auch zu einem bekannten Jazzstandard: Bereits 1938 spielte Teddy Wilson eine Solo-Klavierfassung von That Old Feeling ein. Weitere Instrumentalisten wie Fats Waller, Count Basie (1955) und Chet Baker (1956) folgten. Aber auch Sänger wie Peggy Lee, Annie Ross, Anita O’Day und Frankie Laine (in einer Jamsession mit Buck Clayton 1955) trugen dazu bei, dass That Old Feeling einen festen Platz im Repertoire der Jazzmusiker erhielt; so entstanden auch Einspielungen von Diana Krall, Jay Leonhart oder Roy Haynes. Tom Lord listet im Bereich des Jazz 312 Coverversionen des Titels.
Jane Froman sang das Lied 1952 für den Film With a Song in My Heart, wo sie Susan Hayward doubelte. Woody Allen verwendete den Song mehrfach, sowohl in seinen Filmen Radio Days (1987) und Husbands and Wives (1992) als auch in Celebrity (1998, dort von dem Album Getz Meets Mulligan in HiFi.)
Das Lied wurde schließlich in der Filmkomödie That Old Feeling, zu Deutsch Noch einmal mit Gefühl aus dem Jahr 1997 zum titelgebenden Leitmotiv, wo es einerseits Patrick Williams interpretierte. In dem Film wird andererseits auf eine Fassung von Louis Armstrong und Oscar Peterson aus dem Jahr 1956 zurückgegriffen.

Chemin de Fer du Salève

Die Chemin de fer du Salève (franz., dt. Salève-Bahn), war die erste elektrische Zahnradbahn der Welt. Bekannt ist die im französischen Departement Hoch-Savoyen, südlich von Genf gelegene Chemin de Fer du Salève, obschon sie keine Seilbahn war, auch unter dem Begriff Funiculaire du Salève. Die vollständige Französische Bezeichnung lautet: Société anonyme des Chemins de fer du Salève (CFS). Auf Deutsch: Aktiengesellschaft der Salève-Eisenbahnen.
Die meterspurige Zahnradbahn war mit einer zweilamelligen Zahnstange System Abt ausgerüstet und bezog den Strom wie eine U-Bahn aus einer Stromschiene, die sich seitlich der Fahrschienen befand. Diese während der ganzen Betriebsdauer beibehaltene nicht ungefährliche Stromzuführung führte zum Tod dreier Menschen sowie einer nicht bekannten Anzahl von Wild- und Nutztieren.
Zwölf Triebwagen für den Personenverkehr mit einem Leergewicht von 10,4 Tonnen, ausgelegt für 40 Passagiere, besorgten zusammen mit 6 Loren für den Güterverkehr den gesamten Verkehr. Die Triebwagen waren 8,5 Meter lang, 2,1 Meter breit und 3 Meter hoch. Zwei Motoren von 40 PS (29 kW) ermöglichten eine Betriebsgeschwindigkeit zwischen 5,4 und 10,8 km/h.
Die erste Linie Étrembières – Mornex – Monnetier-Mairie – Treize-Arbres (Mont Salève) von 6 km Länge wurde 1892 eröffnet, die zweite Linie Veyrier – Monnetier-Mairie von 3 km Länge 1894.
Die Züge verließen Etrembières und Veyrier zur selben Zeit und trafen sich in Monnetier-Mairie. Von dort aus fuhren sie im Konvoi aus einzeln fahrenden Triebwagen bis zur auf 1140 m ü. M. gelegenen Endstation Treize-Arbres.
Im Sommer 1914 dauerte eine Berg- oder Talfahrt etwa eine Stunde. Die Fahrtkosten für eine Fahrt von Veyrier nach Treize-Arbres und zurück in der 1. Klasse betrugen FF 10.- und in der 2. Klasse FF 7.- .
Zu Beginn war die Salève-Bahn rentabel. Nach dem Ersten Weltkrieg, auch infolge des aufkommenden Automobilverkehrs, erlebte die Zahnradbahn weniger rosige Zeiten. Mit der Eröffnung der konkurrierenden Luftseilbahn Veyrier – Treize-Arbres im Jahre 1932 war das Ende der nun veralteten und zu langsamen Zahnradbahn besiegelt. 1937 wurde der Betrieb auf dem letzten Teilstück eingestellt, nachdem bereits im Winter 1931/1932 die Dörfer im Streckenabschnitt Étrembières –Monnetier-Mairie durch einen Autobusbetrieb erschlossen wurde. Bereits 1938 war die gesamte Strecke abgebrochen.

Herchenhain

50.4833333333339.275667Koordinaten: 50° 29′ 0″ N, 9° 16′ 30″ O
Herchenhain ist ein Ortsteil von Grebenhain im Vogelsbergkreis, Hessen. Ortsvorsteher ist Winfried Püning (Stand 2011).

Die erste urkundliche Erwähnung von Herchenhain erfolgte in einer Urkunde aus dem Jahr 1289 als villa Herchenhain. Am 29. September 1358 beurkundete Graf Gottfried VII. von Ziegenhain, dass er dem Abt Heinrich VII. von Fulda die Hälfte von Herchenhain mit Ausnahme des Kirchensatzes überlassen habe und dass sie beide daselbst eine Burg und Stadt erbaut hätten, die als völlig gemeinsam angesehen werden und im Fall einer Fehde zwischen ihnen den Gerichten Burkhards und Crainfeld zum Schutz und Schirm dienen sollte. Kaiser Karl IV. verlieh am 9. April 1359 Herchenhain die Stadtrechte und somit auch das Recht, Märkte abzuhalten. Zur wirklichen Herausbildung einer Stadt Herchenhain ist es jedoch in den folgenden Jahrhunderten nicht gekommen. Auch gibt es bisher keine Hinweise auf die tatsächliche Errichtung einer Burg in Herchenhain.
1536 wird der erste evangelische Seelsorger in Herchenhain (ein Herr Henrius) erwähnt. Während des Dreißigjährigen Krieges hatte Herchenhain 1622 einen Raubzug durch den Herzog von Braunschweig zu überstehen. 1634 wurde Herchenhain von den Kosaken überfallen und geplündert. 1635 herrschte die Beulenpest und raffte viele Bewohner dahin.
1841 bis 1843 herrschten Missernten und große Hungersnot in Herchenhain, weshalb viele nach Nordamerika und später in die industriellen Ballungsgebiete auswanderten. 54 Höfe verschwanden völlig. Am 7. August 1941 wurde Herchenhain durch britische Kampfflugzeuge bombardiert, wodurch mehrere Häuser und Höfe zerstört und zwei Menschen getötet wurden. Ziel des Angriffs war möglicherweise die nahe gelegene Luftmunitionsanstalt im Oberwald, umgangssprachlich Muna genannt.
Aufgrund der Gebietsreform in Hessen schloss sich die Gemeinde Herchenhain zum 31. Dezember 1971 mit zehn benachbarten Gemeinden zur neugebildeten Großgemeinde Grebenhain zusammen. Herchenhain ist der westlichste Ortsteil von Grebenhain. Seit dem 1. August 1972 gehört der Ort zum damals neugebildeten Vogelsbergkreis.
Im Jahre 1953 erhielt die Gemeinde Herchenhain nach Genehmigung durch das hessische Innenministerium in Wiesbaden das Recht, ein eigenes Gemeindewappen zu führen. Das gespaltene Schild zeigt im linken Feld das Wappen der Grafen von Ziegenhain und im rechten Feld das Wappen der Fürstabtei Fulda. Es erinnert damit an die 1358 von beiden Territorialherrschaften geschlossene Übereinkunft zur Gründung einer gemeinsamen Burg und Stadt in Herchenhain. Das Wappen wird in veränderter Form bis heute durch den örtlichen Sportverein verwendet.
Herchenhain war ursprünglich ein vorwiegend von der Landwirtschaft geprägter Ort. Versuche zur Ansiedlung von Industrie am Ort scheiterten. Nach der Anbindung an die Vogelsbergbahn 1906 entwickelte sich der Fremdenverkehr. Herchenhain gilt als Naherholungsgebiet für die Rhein-Main-Region. Es gibt Wanderwege, gespurte Loipen und einen Skilift.
1926 wurde auf der Herchenhainer Höhe eine Jugendherberge erbaut und unter dem Namen Vater-Bender-Heim vom Vogelsberger Höhen-Club (VHC) betrieben. Sie wurde bei dem Bombenangriff 1941 zerstört und nie wieder aufgebaut. Heute trägt ein Wanderheim des VHC auf dem Hoherodskopf den Namen Vater-Bender-Heim. Auf dem Gelände der früheren Herchenhainer Jugendherberge wurde 1961 das Hotel-Restaurant Bergrasthaus Herchenhainer Höhe eröffnet.
Herchenhain feierte 2009 seinen 650. Johannismarkt. Eine Bestückung dieses traditionellen Marktes lässt sich aus einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1846 verfolgen, als der Markt in Herchenhain als viel besucht, mit 151 Wirten, 306 großen und 449 kleinen Krämern, 2 Karussells, 1 Wachsfigurenkabinett, 12 Zirkusse, sowie der Auftrieb von 1356 Stück Rindvieh und 501 Schweinen, beschrieben wird. Der Herchenhainer Johannismarkt galt als wichtigster Markt in der gesamten Region, zumal bis ins 19. Jahrhundert eine regional wichtige Straßenverbindung Frankfurter Straße den Ort durchquerte.
Durch die unmittelbare Nähe des Ortsteils Hartmannshain haben sich Vereine gebildet, denen Bewohner beider Ortschaften als Mitglieder angehören. Dazu gehören:
Bannerod | Bermuthshain | Crainfeld | Grebenhain mit Oberwald | Hartmannshain | Heisters | Herchenhain | Ilbeshausen-Hochwaldhausen | Metzlos | Metzlos-Gehaag | Nösberts-Weidmoos | Vaitshain | Volkartshain | Wünschen-Moos | Zahmen

Riddagsburg

Die Riddagsburg (eigentlich Rikdagsburg) war eine Burg auf dem Gebiet der heutigen Stadt Mansfeld. Sie liegt als wüste acht Kilometer westlich von Mansfeld bei Gorenzen im Unterharz.
Markgraf Rikdag von Meißen, Graf auch im nördlichen Hassegau und im südlichen Schwabengau, Agnat der Wettiner (Buziker), besaß umfangreiches Allod in den genannten Gauen. Kern dieser Begüterungen scheint die auf einem nach Osten langsam abfallenden Bergrücken gelegene Burg zwischen Gorenzen und Möllendorf gewesen zu sein, die eigentlich Rikdagsburg hieß. Auch das neun Kilometer entfernte Dorf Ritzgerode (1046 als Rihdagesrot erwähnt) dürfte eine Gründung Rikdags gewesen sein. Spangenberg behauptet nämlich, dass Ritzgerode ein Vorwerk zur Riddagsburg gewesen sei, das sich erst Ende des 15. Jahrhunderts zu einem kleinen Dorf entwickelt habe.
1137 gehörte die Riddagsburg dem Kloster Gerbstedt. Nach Spangenberg soll auf der Riddagsburg „vor alters“ eine Kollegiat-Stiftskirche St. Johannis bestanden haben. Da auch das Kloster Gerbstedt dem Täufer geweiht war, besteht die Möglichkeit, dass die Riddagsburg eine Art Vorgründung von Gerbstedt gewesen ist. Die Riddagsburg ist um 1270 bereits im Besitz der Grafen von Mansfeld, die 1273 hier urkunden. Ende des 15. Jahrhunderts muss die Anlage verlassen worden sein.
Spangenberg sah die schon 1477 verfallenden und jetzt fast ganz verschwundenen baulichen Reste noch 1558. In der mansfeldischen Erbteilung von 1501 kam die Riddagsburg nebst Zubehör an die Grafen von Mansfeld-Vorderort.
51.56083333333311.3775Koordinaten: 51° 33′ 39″ N, 11° 22′ 39″ O

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